FIFA 21 – Alter Wein in neuen Schläuchen

Wie erkennt man, dass wieder ein Jahr rum ist? Genau, Electronic Arts schmeißt ein neues FIFA auf den Markt. Und jedes Jahr stellt sich die Frage: kaufen oder nicht kaufen? Speziell seit für neue Kader ein Neukauf nicht mehr notwendig ist. Wir haben uns die 21er Ausgabe angesehen und können vorweg gleich sagen: der neue Teil der Fußballsimulation ist wirklich nur für Hardcore-Fans relevant. Alle anderen können getrost bei FIFA 20 bleiben.

Neues Jahr, neues Fifa. Dieses Spielchen kennen wir von Electronic Arts bereits seit Ewigkeiten in allen ihrer großen Serien, vor allem in den Sport-Serien wie FIFA, NHL oder NFL. Früher für die Kader-Updates gekauft ist das ja seit wenigen Jahren nicht mehr nötig, liefert EA diese doch per Download laufend nach. Damit müssen die anderen Veränderungen soweit überzeugen, dass sich ein Neukauf rechnet. Gleich vorweg: wer FIFA 20 bereits besitzt, kann FIFA 21 getrost auslassen. Zwar sind einige Änderungen vor allem in der Karriere sinnvoll, aber es reicht einfach nicht. Noch dazu, dass manche Änderungen keine Neuerungen sind, sondern in der Serie bereits vorkamen. Was sich geändert hat, klären wir nun im Detail.

 

FIFA 21

Publisher: Electronic Arts
Entwickler: Electronic Arts
Plattformen: PS4, XBOX ONE, PC
Testplattform: PS4
Metacritic-Score: 72
Preis: 69,69

Flanken funktionieren wieder

Fangen wir gleich mal mit dem wichtigsten Themenblock an: was hat sich im Spielgefühl geändert? Nicht viel, aber doch Einiges. Generell ist das Spiel wieder etwas ruhiger geworden und weniger hektisch. Auch die Übermächtigkeit von starken Spielern wie Ronaldo und Messi wurde entschärft, sodass auch Spieler, die nicht auf diese Stars zurückgreifen können, in der Verteidigung eine Chance haben. Weiters wurde ein Element des Fußballs wieder spielbar gemacht: Flanken. Im Vorgänger aussichtslos und darum schnell komplett aus dem Repertoire der Spieler verschwunden, kehren diese nun wieder zurück. Noch immer schwierig, aber nicht mehr schon im Vorhinein aussichtslos. Das neue Mittel zum Erfolg ist der Steilpass, der ist in FIFA 21 fast übermächtig, umso wichtiger als noch im Vorgänger werden schnelle Stürmer und Verteidiger. Das Verteidigen jedoch ist leider oftmals künstlich schwierig gemacht, denn die KI der Mitspieler stellt von alleine kaum mehr Passwege zu und selbst das perfekte Zustellen von Passwegen führt oftmals nicht zum Erfolg.

Ebenfalls häufig und dem Spielspaß abdienlich: zu oft kommt es zu unkontrollierten Ballverlusten. Wieso da dann ein Spieler den Ball bekommt, ist schlichtweg nicht logisch. Klar, gab es schon immer in FIFA, aber nicht so extrem wie in der 2021er-Ausgabe. Ansonsten gibt es leider noch viele offensichtliche Bugs im Spiel. Verteidiger bleiben grundlos stehen, zwei eigene Spieler laufen sich gegenseitig in den Weg, Spieler laufen vom Ball weg, Abpraller landen unkontrolliert irgendwo und vieles mehr. Zusammengefasst: da passt noch einiges nicht. Electronic Arts muss hier dringend mit Patches nachhelfen. Aktuell ist die Spielerfahrung oftmals sehr unbefriedigend, endet in Frust und sorgt so dafür, dass oftmals nicht die klar besseren Spieler durch so etwas verlieren. Das gab es zwar auch schon im Vorgänger, in FIFA 21 hat das aber ein unerträgliches Ausmaß erreicht.

Handeln wir noch schnell die Atmosphäre ab. Die ist unverändert herausragend. Die echten Lizenzen (mit Ausnahme des AS Roma und Juventus Turin),  die originallen Stadiongesänge, Stadien und co. Dazu die weiterhin wunderschöne Grafik, die mit ein paar Ausnahmen sehr gut nachgebauten Gesichter. Dazu die sehr guten Kommentatoren, also zumindest die englischsprachigen. Das alles ist weiterhin Top of The Class, aber das war es auch schon in FIFA 20.

Die „neue“ Simmulations-Option

Karrieremodus und Volta

Wenig Neues gibt es beim Karrieremodus. Es bleibt defacto alles beim alten. Eine einzige Neuerung gibt es, wobei Neuerung ist falsch, das gabs auch schon in einem der älteren FIFAs. So gibt es nun wieder neben der Möglichkeit ein Spiel per Schnellsimmulation zu absolvieren die Möglichkeit einer „interaktiven“ Simmulation. Das Spiel wird mittels Punkten und umfangreichen Statistiken visualisiert und ein Live-Einstieg ist jederzeit durch Tastendruck möglich. Die eindeutig bessere Variante. So lässt sich ein durch die KI verursachter Rückstand noch korrigieren, eine Partie gerettet werden. Die Ergebnise werden so realistischer, liefert die Schnellsimulation doch noch immer gerne recht wahllose Ergebnise.

Ebenfalls mehr Möglichkeiten gibt es bei der Spielerentwicklung. Hier ist es nun möglich einzelne Spieler gezielt dorthin zu entwickeln, wie man es benötigt. Denn es ist nun möglich, Spieler auf eine andere Position zu entwickeln. Beispielsweise einen schnellen Mittelfeldspieler von ZM zu MS oder ST zu shiften. Schnellen Außenverteidiger zum Flügelstürmer umlernen? In FIFA 21 kein Problem. Ebenso kann man beispielsweise entscheiden, ob ein Stürmer eher zum laufstarken Sprintwunder werden soll oder zum Kopfballwunder. Eine wie wir finden hervoragende Erweiterung, die dem Spiel viel Tiefe gibt und es so möglich macht, das eigene Team noch viel besser dem persönlichen Spielstil anzupassen. Daumen hoch, EA!

Den Volta-Modus handeln wir jetzt ganz kurz ab. Die zweistünde „Story“ ist trotz dem Auftritt von Fußbalikonnen wie Ronaldo zwar nett, aber bleibt dann doch wertlos. Der Modus ist nun im Koop spielbar – und das wars dann auch schon. Weiterhin zwar ganz ok, aber kein Ersatz für ein ordentliches Fifa Street.

Die neue Spielerentwicklung ist die wohl beste Neuerrung

Die neue Spielerentwicklung ist die wohl beste Neuerrung

Pay2Win

Kommen wir zu guter Letzt noch zum Ultimate Team Modus, kurz FUT. Bevor wir zum grundsätzlichen Problem kommen, zuerst die beiden Neuerungen. Als neue Indivudalisierungsmöglichkeit kann man nun das eigene Stadion gestalten. Von der Tribühenfarbe bis hin zur Farbe des Tornetzes und der Choreografie, dem Torsong und vielem mehr. Eine nette, aber nicht weltbewegende Neuerung, die etwas mehr wie Fleißarbeit wirkt. Die kleinere, aber unserer Meinung nach viel wichtigere Änderung: ie Spielübergreifende Ausdauer wurde entfernt. Die war nach ein paar Stunden irgendwann nur mehr eine lästige Fleißarbeit und sonst nicht mehr.

Jetzt müssen wir aber noch über das offensichtliche Problem reden, das Preismodell. Klar, Electronic Arts will Geld verdienen, aber die Spanne zwischen Spielern, die nicht die Kreditkarte glühen lassen, und jenen, die es tun, wird immer größer. So gab es bereits nach wenigen Stunden viele Spieler, die bereits jetzt Neymar, Messi, Ronaldo und Van Dijk in ihrem Team hatten. Auch beschleicht uns das Gefühl, dass sowohl die KI als auch die Qualität der Spieler aus erspielten Packs niedriger ist als bei Gamern, die echtes Geld investieren. Klar ist es auch mit einem unterlegenen Kader möglich, durch gutes Spielen diese Gegner zu schlagen. Fair ist das alles aber nicht und man muss sich langsam schon fragen, ob EA hier den Spagat zwischen verständlicher Monetarisierung und Fairness noch schafft. Wenn das so weitergeht, können wir Spielern, die neben den 70 € für das Grundspiel nicht noch mehr Geld in Packs und Co investieren möchten, klar von diesem Modus abraten.

Auch das Stadion lässt sich jetzt individuell gestalten

Kann man kaufen, muss man nicht

FIFA21 ist wiedermal eine Standard-Produktpflege von Electronic Arts. Ein paar Neuerungen hier, ein paar Änderungen am Spielablauf hier. Das ist alles ganz nett und vor allem der Karrieremodus wurde merklich aufgewertet. Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack. Hardcore-Fans greifen gerne zu. Auch Spieler, deren Fokus auf der Karriere liegt, können wir FIFA21 ans Herz liegen, sind die Neuerungen doch ein klarer Fortschritt zum Vorgänger. Allen anderen, die bereits den Vorgänger zuhause haben würden wir eher abraten und empfehlen beim Vorgänger zu bleiben.

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geschrieben von

Musikliebhaber, Festivalreisender, Konzertsüchtig, Vinylnerd, Photograph, Konzertveranstalter, Linz-Liebhaber

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