Cassia: Träumen von besseren Zeiten

Sie gehören hierzulande noch zu Bands der Marke „Geheimtipp“, landen aber immer wieder unter den erstgenannten Gruppen, wenn es um die Attribute „Indie“, „Großbritannien“, „Pop“ und „Catchy“ geht: Cassia. Die Band aus Macclesfield hat sich mittlerweile auch internationalisiert, in Deutschland und Südafrika eine neue EP aufgenommen, die auf den Namen „Powerlines“ hört und in tristen Zeiten zumindest musikalisch an wärmere Gefilde erinnert. 

Cassia? Haben wir von denen schon mal gehört? Ja, hat man. Oder sollte man als geneigter Indie-Hörer zumindest. Die Band mit Sitz im nordenglischen Macclesfield hat sich nicht nur mit ihrem Album-Debut „Replica“ im Jahr 2019 den Status als Indie-Pop-Empfehlung erarbeitet. Auch Touren mit Szenegrößen wie Crystal Fighters standen auf der Tagesordnung, bis, ja bis, alles mal vorbei war. Stille angesagt war. Als Konzerthallen schlossen, und viele Artists mal vor dem „Nichts“ standen. Nicht so bei Cassia – die waren zumindest zwischen Lockdown #1 und Lockdown #2 nicht untätig. Mit „Powerlines“ ist Anfang Februar eine EP erschienen, die die musikalische Story von Cassia gekonnt weitererzählt.

Geschrieben wurde die neue EP nicht mehr „daheim“ auf der Insel, sondern in Berlin und Kapstadt. Das hört man dann natürlich auch – bereits im Titeltrack „Powerlines“, der den Hörer ein Gefühl vermitteln soll, das in Zeiten wie diesen komplett konträr wirkt: Freiheit, Sommer, Urlaub – der perfekte Track für einen Roadtrip. In Anbetracht von Lockdowns, Grenzschließungen und Bewegungseinschränkungen ein doch sehr surreales Hörgefühl, das an andere, „bessere Zeiten“ erinnert. Generell dürfte man bei Cassia – zurecht – der Meinung gewesen sein, dass man Etabliertes, das bereits beim Debut „Replica“ funktioniert hat, gekonnt weiterspinnen sollte. Ob ein wenig „laid back“ wie im Song „Do Right“, dem indiehymnentauglichen „Drifting“, oder dem radiotauglichen, aber ob der dahinterliegenden Message umso unterstützenswerteren „Don’t Make a Scene“ – Cassia versüßen triste Februarstunden mit „Powerlines“ auf jeden Fall und klingen dabei immer ausgefeilter, als man es von einem Trio erwarten würde.

Eine mit vier Tracks eher kurze EP – das ist aber auch schon das einzige Manko, das man Cassia hier vielleicht vorwerfen konnte. Für Indiepop-Enthusiasten: einen Abstecher wert. Für Indie-Fans, die den Sommer herbeisehnen, der aller Voraussicht nach auch wieder festivallos sein wird: ein Muss, um nicht gnadenlos in die Selbstdepression abzustürzen. Eine ideale Überbrückung zu Album #2, das dann hoffentlich bald erscheinen wird!

Cassia: Powerlines EP
VÖ: 27.01.2021, 05.02.21 (Vinyl)
Tracklist
1. Powerlines
2. Do Right
3. Drifting
4. Don’t Make a Scene
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geschrieben von

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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