RED HOT CHILI PEPPERS: Intensiviere die Details!

RED HOT CHILI PEPPERS: Intensiviere die Details!

Es ist an der Zeit, der Midlife-Crisis den Kampf anzusagen und die Zunge rauszustrecken. Das beherrschen die Red Hot Chili Peppers bekanntermaßen ganz gut. Ihr zehntes Studioalbum liefert genügend Beweise auf einen Schlag. Wie immer wohnen zwei Seelen in ihrer Brust – welche hat diesmal die Oberhand behalten? Der wilde Funk oder der anschmiegsame Pop? Eine routinierte Band übt sich in Einsicht.

Lebende Legenden? Den Titel haben sie gewiss in der Tasche. Reich? Sind sie auch. Was treibt die Chili Peppers also noch auf die Bühne und ins Studio? Einer von ihnen hat sich diese Frage wahrscheinlich selbst gestellt und wenig später überraschend das Handtuch geworfen: John Frusciante ist nicht mehr an der Gitarre vertreten, doch würdiger Ersatz wurde schnell gefunden. Josh Klinghoffer, Multiinstrumentalist und enger Vertrauter der Band, darf sich nun beweisen.

Schwierige Gefühle auf starke Bilder runterzubrechen – damit kennen sie sich aus, das können sie. Im Gegensatz zu „Stadium Arcadium“ konzentriert sich „I’m With You“ wieder auf das Wesentliche. Große Wendungen oder stilistische Grenzbereicherungen sind kaum vertreten, eher ist es die klassische Form der Melange, die angewendet wird. Die Gitarre bestimmt nicht mehr zwingend wie früher das Geschehen, sondern weicht eher zurück. Es ist die Rhythmusgruppe um Flea und Chad Smith an der Basis, die das Standbein bilden. Das Klavier darf in Stücken wie „Police Station“ oder „Even You Brutus“ prominenter in Erscheinung treten.

Karamelisierte Melodien, federnder Rock – „I’m With You“ will immer in Bewegung bleiben, da rumpelt („Factory Of Faith“, „Ethiopia“, „Goodbye Hooray“) und rasselt es zuweilen ganz gewaltig („Did I Let You Know“). Dabei fängt die Platte mit „Monarchy Or Roses“ enttäuschend und durchschnittlich an. Eine brauchbare Melodie ist kaum erkennbar.

Das Album ist dann am stärksten, wenn es wie aus dem Autoradio eines Roadmovies klingt, die kalifornische Küste immer im Blickfeld. „Brendan’s Death Song“ soll hier angeführt werden, weil es die großen Themen des Albums, der Tod und das Leben, das Ankommen und das Verlassen, wunderbar zusammenfasst.

Ihre Gegensätze ziehen sich an wie Motten das Licht. Ihre Erfahrungen und Erinnerungen bilden den Nährboden für „I’m With You“, welches erneut unter der Ägide von Rick Rubin entstanden ist.
Mit selbstverliebten Altmännerphantasien muss man hier bis auf weiteres nicht vorliebnehmen.

Facts:
Red Hot Chili Peppers – I’m With You
Gesamtspielzeit: ca. 60 Minuten
Warner Music

Links & Webtips:
redhotchilipeppers.com
facebook.com/ChiliPeppers
twitter.com/ChiliPeppers

Foto: Warner Music

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