Mount Misery: Psychiatrie auf Sarkastisch

Mount Misery: Psychiatrie auf Sarkastisch

Samuel Shem – der Autor des Kultbuches „House of God“, das unter Ärzten und Krankenschwestern wohl zur Pflichtlektüre gehört – hat auch noch ein weiteres Buch verfasst. In „Mount Misery“ erzählt er vom ersten Jahr des Arztes Roy Basch in seiner Ausbildung zum Psychiater – und mit nicht minder schwarzem Humor wie in seinem Erstlingswerk.

Shem liebt den schwarzen Humor  – das beginnt schon bei den Charakteren. Da wäre zum Beispiel Dr. Schlomo Dove, der eine seltsame Hingabe zu Bananen hat und so ziemlich alles zu vögeln scheint, was bei ihm durch die Tür spaziert. Dummerweise ist dieser Arzt so hässlich, dass es unvorstellbar scheint, dass jemand sexuellen Kontakt mit ihm haben könnte. Dieser Handlungsstrang zieht sich durch das gesamte Buch – mit skurrilen Änderungen, wie sich herausstellt. Daneben gibt es noch den „Pharma-Faschisten“ Blair Heiler, der, um Medikamentenstudien durchführen zu können, alle Patienten einfach zu Borderlinern erklärt, sowie Dr. A.K. Lowell, die sich Sigmund Freud verschrieben hat und in allem einen Penis sieht. Dr. Roy Basch sowie seine Kollegen Henry, ein weißer Rasta, und Hannah, die auf der Suche nach dem Sinn ist, lernen im Laufe des Jahres alle Seiten kennen – und verfallen den psychiatrischen Theorien. Der Einzige, der Roy davon abhalten kann, komplett im Wahn des Analysierens, der Medikamentenverschreibung und der Supervisionen unterzugehen, ist Dr. Leonard Malik – eine zentrale Figur des Buches, wie sich später herausstellen wird.

Um dieses Buch nicht nach den ersten Kapiteln angewidert wegzulegen, muss man eine gesunde Einstellung zu schwarzem Humor in der Medizin mitbringen. Ansonsten wird man nämlich ob der Vorstellung, dass auch nur ein Quäntchen dieser Story wahr sein könnte, geschockt sein. Kann man jedoch mit dem Humor etwas anfangen – und sich darauf einlassen, dass in der großen weiten Welt der Schulmedizin auch nicht immer alles Gold ist, was glänzt,  dann wird man bei diesem Buch bestens unterhalten. Vorausgesetzt, man sieht Schokobananen nicht als Süßigkeit, Borderline-Patienten nicht als grundsätzlich unheilbar, und Sigmund Freud nicht als den „Heilsbringer“ der Analyse.

Samuel Shem – Mount Misery,  ISBN 978-3426614600, erhältlich unter anderem bei amazon.de

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geschrieben von

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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