Filmrezension “Der Vorname”

Filmrezension “Der Vorname”

Die französische Komödie mit dem Titel “Der Vorname” (Originaltitel: Le prénom) wurde 2011 gedreht und ist seit 2.8. 2012 in den österreichischen Kinos, wo sie unter anderem im City Kino in Linz gezeigt wird.

Regie führten Alexandre de La Patelliére sowie Matthieu Delaporte. Der knapp zweistündige Film präsentiert vor allem eine längere Hauptszene und knüpft auch sonst an dasselbe Konzept wie „Der Gott des Gemetzels“ an: Als Schauplatz dient (nur) eine Wohnung, Fokus wird auf die Menschen in ihr und deren Dialoge gelegt. Die Altersfreigabe ab 12 erscheint mir gerechtfertigt, wenngleich ein paar Jahre mehr für ein besseres Verständnis nicht schaden.

„Der Vorname“ erzählt von Elisabeth (gespielt von Valérie Benguigui), ihrem Ehemann Pierre (Charles Berling), Elisabeths Bruder Vincent (Patrick Bruel), dessen schwangerer Lebensgefährtin Anna (Judith El Zein) und Claude, dem Freund der Familie (Guillaume de Tonquédec). Sie sind zum Abendessen in Elisabeths und Pierres Wohnung versammelt. Nachdem der werdende Vater den gewählten Vornamen seines Babys preisgibt, entfacht eine wilde Diskussion um Tabunamen oder ob originelle Namen ausdrücken sollen, dass das Kind einzigartig sei, was man Kindern mit Namen überhaupt antun könne und dergleichen mehr. Man wirft sich Dinge an den Kopf (Pierre wird etwa als geizig bezeichnet, Vincent als egoistisch.), Beziehungsprobleme werden offen dargelegt; Claude gesteht etwa, nachdem er als homosexuell bezeichnet wird, seit Jahren eine Freundin (gespielt von Francoise Fabian) zu haben, die speziell für Elisabeth und Vincent keine Unbekannte ist. Mangelndes Vertrauen wird kritisiert, die Paare beginnen untereinander zu streiten, Pierre und Vincent liefern sich ein Wortduell, Elisabeth und Anna geben ihre Versuche zu schlichten auf. Kurzum: Der Abend endet in einem Desaster.

Kennzeichnend für „Der Vorname“ sind die Dialoge und die guten schauspielerischen Leistungen, besonders von Valérie Benguigui, Charles Berling und Patrick Bruel. Die SchauspielerInnen wirken authentisch in ihren Rollen und unterstreichen das Gesagte, manchmal auch Geschriene, durch Mimik und Gestik. Die Kameras tragen mit Nahaufnahmen schließlich noch ihren Teil dazu bei.

Was die Filmmusik betrifft, ist diese eher im Hintergrund angesiedelt, wenngleich sie manchmal gar stört. Komplett weglassen hätte man ebenfalls die Szene mit dem Pizzaboten zu Beginn können, die bei mir eher für Verwirrung als Vorfreude auf den Film sorgte. Die anfängliche Informationsflut über das Leben der Charaktere hingegen war als Einleitung von Vorteil; man hätte deren Verpackung eventuell noch einmal überdenken sollen.

Von Vorteil ist es auch, etwas Hintergrundwissen über Literatur und Philosophie beispielsweise zu haben, um Pierres Vergleichen beziehungsweise Aussagen besser folgen zu können. Angeführt seien an dieser Stelle etwa der kategorische Imperativ Kants oder Platons Höhlengleichnis.

Besonders gefällt mir, dass „Der Vorname“ keine typische Komödie ist. Neben überraschenden Elementen ist das Ende ein unerwartetes. Es wird nicht nur mit Klischees gespielt, der Film enthält- möglicherweise aber erst bei näherer Betrachtung- genauso Gesellschaftskritik und politische Themen. Er geht auf Unterschiede zwischen den Geschlechtern ein-Elisabeth und Anna streiten eher über Zwischenmenschliches, wohingegen Pierre und Vincent über ihre unterschiedlichen Ansichten diskutieren-, wirft interessante Thesen auf und zeigt, was einzelne, manchmal banal wirkende Themen alles auslösen und an Gesprächsstoff bieten können. Der Humor ist nicht derb, sondern wird mehr in Richtung Schadenfreude und Satire gelenkt.

Abschließend sei noch gesagt, dass man sich um eine klare und deutliche Sprache bemüht hat, vor allem bei den Erzählpassagen. Dennoch wird man angesichts der Themenwahl oder ein paar Fachausdrücken auch als Französisch-Lernende(r) nicht darum herumkommen, Untertitel zu lesen.

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Katharina ist Sozialwissenschaftlerin und Redakteurin. Sie beschäftigt sich vor allem mit gesellschaftlichen (z.B. frauenpolitischen) und kulturellen (z.B. Film, Theater, Literatur) Themen. Zum Ausgleich schreibt sie in ihrer Freizeit gerne literarische Texte: https://wortfetzereien.wordpress.com/

1 comment

  • Katharina Wurzer

    Ich hätte dazu sagen sollen,dass „Der Vorname“auf einem Theaterstück basiert.

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