Crossing Europe: „Absolventi- Sloboda nie je zadarmo“

Crossing Europe: „Absolventi- Sloboda nie je zadarmo“

„Graduates- Freedom is not for free“, so der englische Titel des 2012 gedrehten slowakischen Filmes, ist eine Dokumentation über drei Absolventen der Kunsthochschule. Wirtschaftliche Zwänge werden der (künstlerischen) Freiheit und dem Glück gegenübergestellt.

Filip ist Medienkünstler und hat mit seinem radikalen Stil bereits während der Studienzeit Probleme, den Leuten seine Werke verständlich zu machen, geschweige denn mit ihnen Geld zu verdienen. Prägend ist dabei die Szene einer Auktion, bei der Bilder um €250 aufwärts verkauft werden, während er daneben selbst leer ausgeht. Nichts desto trotz und obwohl er laut eigener Aussage oft den Gedanken hegte, das Studium aufgrund von Gefühlen der Sinnlosigkeit abzubrechen, versucht Filip nach wie vor, sich selbst treu zu bleiben. In der Kunst könne man ausdrucken, was einen störe, wovon man träume oder schlicht und einfach Emotionen verarbeiten. Im anschließenden Gespräch erzählt der Regisseur Tomás Krupa, dass Filip mittlerweile einen weiteren Studiengang begonnen habe.

Pavol hingegen hat seine Schauspielkarriere auf Eis gelegt und als Flugbegleiter zu arbeiten begonnen. Er nennt ein regelmäßiges Einkommen von etwa 700 € monatlich, von dem man in der Slowakei aber bereits mit einer Familie leben könne, als klaren Vorteil. Freiheit sei auch von einer materiellen Grundlage abhängig. Er ergänzt jedoch, dass er nicht immer in diesem Bereich tätig sein möchte, er gehe von ein paar Jahren aus. Der weitere Verlauf des Filmes zeigt ihn bei Castings oder in Gastrollen.

Der dritte Protagonist Miro hat die Kunst komplett aufgegeben. Er arbeitet in der elterlichen Zoohandlung, welche er erweitern möchte. Miro spricht davon, dass Freiheit und Glück sehr stark von den Massenmedien vereinnahmt worden seien, man möchte uns vorgeben, wie wir zu leben haben. Aber für den Erfolg im Leben gebe es nur Richtlinien, kein Garantierezept. In den 1990er Jahren sei es noch weitaus weniger wichtig gewesen, die „richtigen Leute“ zu kennen, heute spielen der Ruf einer Schule oder das Anpassen an ökonomische Bedingungen eine wesentlichere Rolle.

Krupa bietet mit „Graduates- Freedom is not for free“ einen kritischen Blick, der mit gängigen Klischees aufräumt. Ausgelassen werden weder, dass KünstlerInnen tendenziell glücklicher seien oder dass sie sämtliche Freiheiten in ihrer Arbeitsausübung hätten. Die Wirtschaft macht vor diesem Sektor nicht Halt. Wer bestimmten Trends folge oder Erwartungen von Jury und KritikerInnen erfülle, sei erfolgreicher im Vergleich zu jemandem, der/die dies nicht tue. Das Zunehmen der prekären Situation wird durch das Annehmen von Nebenjobs oder Übergangsarbeiten in komplett anderen Berufsfeldern oder die Thematisierung der Wichtigkeit eines regelmäßigen Einkommens ersichtlich.

Eine Herausforderung für den Staat sei die steigende Anzahl von HochschulabsolventInnen. Über 90 Prozent dieser fänden keine adäquate Arbeitsstelle, die mit einer angemessenen Bezahlung einherginge. Der Film spricht in weiterer Folge von einer „Scheindemokratie“ in der Slowakei und stellt die Frage, ob mehr direkte Demokratie ein Lösungsansatz sein könne.

Eingesetzt wurden neben zeitgemäßer Musik aus den verschiedensten Kulturkreisen, metaphorische Bilder des ins Wasser Gehenden, des Laufens im Schnee oder eines Klippensprunges. Hier wurde die möglicherweise entstehende Erwartung einer Verletzung Filips bei der Einblendung eines Krankenhauses aufgelöst. Ein anderer Protagonist war Vater geworden. Ansonsten war es manchmal etwas schwierig, Bildern, die nicht mit dem Gesprochenen einhergehen, zu folgen. Beispielsweise wurde eine Hochzeit in dem Moment gezeigt, als ein Charakter über seine Eltern sprach.

Obwohl „Graduates- Freedom is not for free“ eine eher negative Sichtweise auf die Kreativbranche bietet, wird dem Zusehenden in Aussicht gestellt, dass es sich lohne, für die Umsetzung eigener Interessen Engagement an den Tag zu legen. Selbst wenn das heißt, kreativen Tätigkeiten nebenbei nachzugehen zu müssen.

Die Bewertung der subtext.at-Redaktion:

4/5 Punkte

 

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geschrieben von

Katharina ist Sozialwissenschaftlerin und Redakteurin. Sie beschäftigt sich vor allem mit gesellschaftlichen (z.B. frauenpolitischen) und kulturellen (z.B. Film, Theater, Literatur) Themen. Zum Ausgleich schreibt sie in ihrer Freizeit gerne literarische Texte: https://wortfetzereien.wordpress.com/

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