Krautschädl: England. wir kommen!

Krautschädl war – nach einer Stunde warten – so gnädig und opferten uns einige Minuten ihrer kostbaren Zeit, um uns zwischen Spritzer X und Spritzer Y einige Fragen zu beantworten. Kurz und schmerzlos, wurde das Interview im Stehen abgehalten. Was die Burschen der Welt mitzuteilen hatten könnt ihr im folgenden Interview lesen. 

subtext.at: Heimspiel in Wels –  wie war es für euch?
Mölgie: Ja saugeil, uns hat es sehr gut gefallen, dass so viele Leute da waren und mit uns die Veröffentlichung des neuen Albums gefeiert haben. Das jetzt endlich fertig ist.

subtext.at: Du sagst es selbst, endlich ist das neue Album fertig. Was hat solange gedauert?
Mölgie: Mhm. Zum Einen haben wir ein Studio gehabt, das wir nicht nach Zeit bezahlen haben müssen, sondern einfach so wenn die Produktion fertig ist. Das war natürlich gut für den Kreativprozess, weil mal keinen Druck hatte und alles ausprobieren konnte, was einem einfiel. Aber auf der anderen Seite haben wir nie gewusst, wenn Schluss ist. So könnte man sagen – wir haben da ein Jahr lang herum „gedoktert“.
Sonti: Wir haben auch einen personellen Wechsel gehabt, der Fizl hat uns den Lukas ersetzt am Schlagzeug. Und wir haben eine Zeit lang gebraucht, um wieder ein neues Team aufzustellen. Dann ist uns noch das Booking weggefallen, wir haben dann nicht genau gewusst, welches Label wir dann stattdessen nehmen sollen. Und ein Albumsrelease hat nicht wircklich einen Sinn, wenn dann nichts damit passiert. Und wir wollten diesmal echt alles geregelt haben, bevor wir scharf schießen. Und das hat halt etwas gedauert.

subtext.at: Okay, Sonti, du hast es gerade angesprochen – Booking. Ihr seits jetzt die „Neuen“ bei Inkmusic, warum genau diese Bookingagentur?
Mölgie: Weil der Valentin mit dem Sonti früher schon Fußball gespielt hat, mit den Jungs von Bilderbuch. Das ist im Prinzip der Grund. Der Valentin kennt uns schon von früher und da war schon ein Vertrauen da.
Sonti: Der Valentin ist zwar technisch nicht besonders gut, aber er ist einfach sehr schnell. Also jetzt bei Fußball. Er raucht auch nicht, das kommt ihm auch zu gute. Da ist er in der Musikbranche einer der ganz wenigen. Und ich komm ihn auf fünf Meter noch nach und dann muss ich die Blutgrätsche anwenden, weil sonst ist er auf und davon.

subtext.at: Überspitzt gesagt, typische Freunderlwirtschaft?
Sonti: Voll.
Mölgie: Komplett.
Sonti: Obwohl nein, es ist eigentlich keine Freunderlwirtschaft, wir haben uns von früher kennt und wir mögen uns. Und dann haben wir was gemeinsam gemacht. Aber es ist nicht so, dass der Valentin auf uns zugekommen ist und gemeint hat „ Komm machen wir was gemeinsam, weil das Kicken war immer so cool“.  Sondern „Ich find euer neues Album toll, deswegen würde ich euch gerne buchen“. Wir finden er macht eine tolle Arbeit für seine Bands – und deswegen sind wir froh, dass er es auch für uns macht.

subtext.at: Wie geht es bei euch jetzt weiter? Wie lange dauert die Tour, was steht als nächstes an?
Möglie: Wir haben jetzt noch so ca. 15 Gigs, wir spielen jetzt mal die Tour und schauen, was dann auf uns noch so zukommt.
Sonti: Das war eigentlich auch unser Ziel….
Möglie: Nein, wir haben kein Ziel.
Sonti: Doch, viel Spielen, viel live auftreten, das ist das was Spaß macht an der gesamten Geschichte.

subtext.at: Apropos Live-Auftritte, ihr hab doch im Posthof die Releaseshow schon angekündigt gehabt. Der Ticketverkauf ist auch schon gestartet worden. Gab es dann irgendwelche Rückmeldungen vom Posthof, wie ihr dann die Show abgesagt habt? Wie war da die Stimmung?
Sonti: Das war okay, die vom Posthof haben das verstanden, dass wir den Termin nicht einhalten. Wir haben auch gute Gründe dafür gehabt. Des sind eigentlich interne Angelegenheiten, die wollen wir nicht öffentlich besprechen. Aber wir sind immer noch befreundet mit dem Posthof.
Möglie: Das passt noch alles.
Sonti: Also alles im Lot.

subtext.at: Ihr habt ja auch einen personellen Wechsel gehabt, warum und wieso?
Möglie: Der Luki hat eine Ausbildung gemacht und hat dann tatsächlich einen Job gefunden, der ihm richtig gut gefällt. Es ist halt doch so – als oberösterreichische Goschnrockband muss man doch auch viel opfern. Und er meinte, er ist jetzt in fester Hand und er bleibt dabei. Wir respektieren die Entscheidung sehr und haben auch immer noch Kontakt.
Sonti: Ja. Der Luki war auch heute da, und wir sind immer noch sehr gut befreundet. Der Luki ist dann auch oft zu uns ins Studio gekommen, während wir das Album aufgenommen haben, und hat nach geschaut, ob da alles mit rechten Dingen zugeht. Wir sind immer noch „best Buddies“.
Möglie: Es war tatsächlich auch der Luki, der gesagt hat, ruft doch den Fizl an, ich glaub der würde gut passen.
Sonti: Und er hat recht gehabt.

subtext.at: Also hat es kein Hearing gegeben, so a lá „Wer will Schlagzeuger bei Krautschädl werden?“
Sonti: Also so „casting-mäßig“ war das nicht, aber der Plescha hat uns den Fizl empfohlen. Uund da haben wir dann den Fizl angerufen, der Fizl hat gemeint: „Passt, ich komm zu einer Probe“. Dann haben wir ein, zwei Riffs vorbereitet, haben die gemeinsam gespielt,  nach ca. 3-5 Sekunden haben sich da Möglie und ich angeschaut – und da war es für uns klar das wir ihn haben wollen.
Mölgie: Das war tatsächlich die erste Nummer des neuen Albums.
Sonti: Der Fizl hat dann eine Woche gebraucht, aber dann waren wir uns einig und mittlerweile sind wir „dicke“.

subtext.at: Goschnrock bzw. Mundartmusik in Österreich – warum macht man Musik auf Mundart und nicht auf Hochdeutsch oder Englisch?
Sonti: Ich finde es immer komisch, dass wir uns die Frage stellen, warum wir auf Mundart singen. Das ist halt die Sprache, in der wir auch im Alltag kommunizieren, und dementsprechend ist das auch die Sprache, in der es uns am einfachsten fällt, Bilder zu erschaffen. Um das zu kommunizieren, was wir kommunizieren möchten. Mein Englisch beschränkt sich halt auf Klischees wie „ „I love you“ oder „It is nice“, aber Mundart ist einfach die Sprache, die uns am meisten Möglichkeiten bietet.
Möglie: Man fragt ja auch selten die oberösterreichischen Bands, die Englisch singen, warum sie das tun.
Sonti: Oder den Bon Jovi, warum er nicht auf Mundart singt.
Möglie: Genau, warum singt der eigentlich nicht auf texanisch?

subtext.at: Zu eurem neuen Album. Was waren da die Hintergedanken zu gewissen Songs wie zum Beispiel bei dem Lied „Sommla“ bzw. auch dann beim Video?
Möglie: Das Video haben wir mit dem Jürgen Hackl gemacht, das ist ein sehr cooler Regisseur. Also ein extrem cooler Regisseur. Der hat früher bei „Eye of the betrayer“ gespielt. Mittlerweile macht er Videos für Left Boy zum Beispiel. Und er hat sich den Song angehört, und hat sofort einen Plan gehabt. Sommla, Trashgesellschaft, Konsumwahnsin, und es muss alles bunt sein, und Fotoshooting, und dann kommt die Badewanne ins Spiel, wir haben uns da einfach darauf eingelassen. Wir haben einen coolen Ausstatter gehabt, den Daniel, der hat uns immer gezeigt wie wir cool aussehen.
Sonti: Mit dem haben wir die Modeshooting-Szene gedreht. Und ich hab mich dann wirklich wie ein Model gefühlt. Das war halt dann nicht mehr gestellt, ich hab mich dann wirklich echt gefühlt wie am Laufsteg. Ich glaube was das Video einfach cool rüberbringt ist, der kritische Wink mit dem Zaunpfahl, aber nicht das erhobene Zeigefingerding, so a lá „He es is voi Orsch, und he denkts moi noch“, sondern einfach die Message, dass der Spaß auch einen Preis hat. Wir hätten ja auch einen kaufsüchtigen in der PlusCity filmen können, des wollten wir aber nicht – das wäre zu plump gewesen.

subtext.at: Des Video zum song „Sommla“ ist ein sehr aufwendig produziertes Video im Gegensatz zu dem anderen, was vor kurzen releast worden ist…
Möglie: Das hat auch der Jürgen gemacht. Ich bin zu ihm gekommen und hab gemeint, dass wir ganz schnell ein Lyrik-Video brauchen. Weil Ö3 gesagt hat, dass sie die Single spielen, und wir da noch kein Video hatten. Der Jürgen meinte darauf, dass das nicht geht, weil es nicht zu uns passe. Dann sind wir ins Weinhaushittl gegangen, am Gürtel in Wien. Wer des nicht kennt, muss unbedingt hingehen -da kommt man rein und man denkt man ist mitten in einem „Mundlfilm“. Es ist nicht renoviert, es ist restauriert.
Sonti: Und es ist auch noch nicht so hipsterverseucht.
Möglie: Absolut nicht. Da bekommt man kein 1/8 da bestellt man ein ¼ Hauswein, rot oder weiß, dann bekommt man Debreziner dazu, oder Pommes. Und da haben wir uns hingesetzt und das Video irgendwie gemacht. Ein Schuss, also first Take.
Eigentlich haben wir uns hauptsächlich mit ihm getroffen, weil wir ihm von „Sommla“-Video noch Geld geschuldet haben. Wir haben ihm das Geld gegeben, und haben dann gefragt ob es möglich wäre das Video zu „Feiah fonga“ zu machen. Er war schnell einverstanden und so wurde das Video dann gleich vor Ort produziert.

subtext.at: Also ist es deine Handschrift?
Möglie: Ja.
Sonti: Ja aber des ist seine Reinschrift, ich kenne ja Möglies Textblock, und das im Video ist doch sehr gut lesbar im Vergleich zu anderen Texten. Das im Video ist Möglies Sonntagshandschrift.

subtext.at: Abschließend noch. Wie ist bei euch die Stimmung, wollt ihr nach der Tour gleich wieder ins Studio oder ist die Stimmung momentan so, dass man das Studio am liebsten nie wieder sehen möchte?
Sonti: Also nein, ich glaub wir freuen uns alle schon aufs Livespielen. Ich besonders ich freu mich schon seit einem halben Jahr drauf.
Möglie: Tatsächlich gehen wir aber bald wieder ins Studio, weil wir haben die Zusage bekommen für einen englischen Kinofilm von BBC, dass wir den Soundtrack machen. Da geht es um eine fiktive Band –  die nennen sich „The Black Dogs“, benannt nach einem Led Zeppelin Song. Wir machen nur den instrumentellen Teil, die Texte wird der Mark Eden singen. Wir sind quasi die Backingband. Die Zusage hat zwei Monate lang auf sich warten lassen, weil es noch nicht sicher war, ob die Engländer eine Band stellen, oder ob wir es einspielen dürfen. Aber jetzt ist es fix, dass wir es machen dürfen.

Mehr Infos über die Band findet ihr unter:

Konzerte - Filme - Bücher - Musik - Kunst // Sozialarbeiterin - Veranstalterin - Redakteurin - Fotografin