Daughter: Not To Disappear

Nach drei Jahren melden sich Daughter wieder zurück – und wollen uns erklären, wie man nicht verschwindet.

Das mit dem Verschwinden ist ja immer so eine Sache. Die einen versuchen, komplett zu verschwinden (Radiohead), andere erklären, dass verschwinden nicht automatisch weglaufen bedeutet (Bernhard Eder). Die Gruppe Daughter hingegen stellt sich gegen das Verschwinden und will mit ihrem neuen Album nicht nur gegen ihr eigenes Verschwinden ankämpfen.

Das Bandprojekt, welches eigentlich als Soloprojekt Elena Tonra gestartet wurde und sich schon rasch nach dem Start 2010 um Igor Haefeli und Remi Aguilella erweiterte, hat schon zu Beginn mit ihren EPs für Furore gesorgt. Die Lieder „Landfill“ oder „Home“ sind meist auch Nicht-Singer-/Songwriter-Fans zumindest vom Hören bekannt. 2013 war es dann mit „If You Leave“, dem allerersten richtigen Album soweit – der Erfolg war da. Und doch dauerte es ganze drei Jahre, bis man sich getraut hat, an das gefeierte Debüt anzuschließen.

Um es kurz zu machen: Sie haben es geschafft. Sie schließen an die Qualität des Debütalbums eindeutig an, hüllen melancholisch-schönen Gesang in ein Bett aus elektronischen Eindrücken und haben dabei offenbar die richtige Ausgewogenheit gefunden. Tonras Stimme wird zwar manchmal, und wohl öfter als früher, von den elektronischen Klängen bewusst stark übertönt, was einerseits schade ist, man andererseits aber als interessante Weiterentwicklung des Daughter-Sounds verstehen kann.

Mit Doing the Right Thing und Numbers haben sie die zwei wohl besten Songs des neuen Albums bereits als Single veröffentlicht. Aber auch das Druck-erzeugende, schnelle No Care oder das berührend-schöne Mothers zeigen die gewaltige musikalische Vielfalt, die Daughters hier auf nur einem einzigen Album liefern.

LDe_2015__178, 27/09/2015, 15:10, 8C, 6000x5980 (0+1377), 100%, Oct 5th -2013 , 1/8 s, R43.1, G22.1, B44.7

Nach mehrmaligem Durchhören das Albums kann man eigentlich nur sehr, sehr froh darüber sein, dass Verschwinden für die drei Musiker und ihrer Formation Daughter keine Möglichkeit ist. Die dunklen, traurig-düsteren Texte im elektronisch-schwebenden Ambiente überzeugen auch 2016 noch und lassen einen nur hoffen, dass man nicht wieder drei Jahre auf 10 neue Songs der Band warten muss.

Daughter im Netz:

Artikel teilen
geschrieben von

29 Jahre alt - Literarischer Blogger (Neon|Wilderness), Autor ("Volle Distanz. Näher zu dir"), Medienblogger (dominikleitner.com), Printschreiber (MFG Magazin), freier Journalist (u.a. BZ), CD-Kritiker (subtext.at) und Detektiv (365guteDinge)

Suchbegriff hier eingeben und mit Enter bestätigen