BERTRAM: Nie zu spät
Mit schnellen Schritten durch steile Kurven: „Gegenlicht“, das Debütalbum von Bertram, hebt die Welt kurzzeitig aus den Angeln. Dabei ist der Name des Sängers aus Wien keiner, der für sich allein im Gedächtnis hängen bleibt. Es benötigt ein Dutzend Songs mit analogem Charme und einer guten Portion Americana-Chuzpe, um sich Gehör zu verschaffen. Ob dieser Einstand das Zeug zum Dauerbrenner mit Ü40-Appeal hat und es Musik ist, auf die sich zukünftig immer mehr Menschen im Grätzl „einigen“ können?
Die Songs klingen, als wären sie natürlich gewachsen, eigenständig und berauschend. Das Material fühlt sich mal meditativ, mal wie ein aufwühlender Traum an. Manche Interpretationen sind eigenwillig und exzellent, andere gefallen sich allerdings zu sehr in ihrer Kauzigkeit („Das Ultimative“, „Hengst“). Der stimmigen, verspielten Dramaturgie von „Gegenlicht“ tut das dennoch keinen Abbruch. Bertram schlägt einen Spagat zwischen Bürgertum und Anarchie. Ein Spiegelbild einer widerspenstigen Zeit. Sozialkritisch angehauchte Erkenntnisse, die geradeaus, ehrlich und echt klingen. „Gegenlicht“ ist eine Platte, von der man den Eindruck hat, jeder Song möchte sich selbst überraschen, mit Einfallsreichtum, frechen Twang-Gitarren und griffigen Indie-Pop-Momenten.
Tracklist:
01. Gegenlicht
02. In Konstanz
03. Bohemian
04. Das Ultimative
05. Volatile Lifecycle Blues
06. Hengst
07. Einsnullfuenf
08. Propheten und Erlöser
09. Wunderschön
10. Niemand soll im Sommer frieren
11. Doch dich wird der Teufel holen