Jennifer Rostock: Knappe Outfits, Schnaps und das Konzert des Jahres

Im Rahmen ihrer, vorläufigen, Abschlusstour machte Jennifer Rostock auch im Posthof Linz Halt. Gemeinsam mit Support Blackout Problems wurde dem ausverkauften großen Saal eine musikalisch exzellente Reise durch die gesamte Bandgeschichte geboten. Sechs Alben, sieben Outfits, vier Schnäpse und zwei Stunden lang verzauberte vor allem Sängerin Jennifer Weist mit perfekter Show und ausgezeichnetem Gesang ihr Publikum. Ein starkes Konzert, welches jetzt schon gute Karten für den Titel Konzert des Jahres hat.

Bereits bei meinem eintreffen um halb Acht, war der Posthof zum bersten gefüllt mit gemischtem Publikum. Sowohl langjährige Fans als auch Neulinge dürften gestern da gewesen sein, schließe ich zumindest aus der großen Altersspanne und bei ersterem an der späteren Textsicherheit der Zuschauer.  Ganz besonders freute ich mich an diesem Abend aber auch auf den Support, sind die Jungs von Blackout Problems doch in den letzten Jahren zu Freunden geworden, ganz ganz liebe Menschen. Nach ihren beiden Konzerten in der Stadtwerkstatt zum ersten Mal im Posthof Linz lieferten sie ein meiner Meinung nach zu kurzes halbstündiges Set. Gute Setlist mit unter anderem „Polis Song“, „The City Wont Sleep Tonight“ und „Follow Me“, auch wenn ich persönlich doch gerne noch „How Should I Know“ und „Home“ dabei gehabt hätte. Aber klar: in der Kürze der Zeit ist nicht alles möglich. Guter Gig, ohne Fehler, einfach ein ehrlicher und energiegeladener Auftakt dieses Abends, der mich absolut zufrieden stellte, mich begeisterte und wo ich ehrlich gesagt nichts zu bemängeln habe. Achja und bald gibt es mit „Kaos“ ein neues Album, meine Quellen zwitscherten mir den Sommer 2018 als Release-Zeitraum und im Herbst geht es dann auch auf Tour, hoffentlich auch mit Linz-Stopp.

Hätten ein längeres Set verdient – Blackout Problems

Pünktlich um 21:00 war dann für die Fans der Moment gekommen, auf den sie gewartet haben. Wobei nicht ganz, denn zuerst hieß es Augen auf, der Film beginnt. Ein schön zusammengeschnittenes Video durch 10 Jahre Bandgeschichte, von den einfachen Anfängen im Jahr 2008 bis zur Neuzeit lieferte einen schönen Einstieg für das darauffolgende Konzert. Sehr sympathische Idee, die ich mir in Zukunft bei jeder Jubiläumstour irgendeiner Band wünsche. Generell merkte man, dass diese Produktion sehr gut durchdacht war, abgestimmt war auf den Anlass. Die Setlist war wie es sich für eine, möglicherweise, Abschiedstour gehört eine Reise durch alle Alben, das gesamte musikalische Schaffen der Band und damit auch entsprechend abwechslungsreich. So gehört sich das! Das mal zu den statistischen Fakten. Alles darüber hinaus lässt sich unglaublich schwer in Worte fassen. Die Stimmung war ausgelassen, leidenschaftlich und energiegeladen, aber nie traurig. Nie war Wehmut bei den Fans zu spüren dass dies vielleicht ihr letztes Jennifer Rostock Konzert war, viel mehr Freude über den Moment. Die Stimme von Jennifer Weist drang durch jeden meiner Knochen und zog mich in ihren Bann, so stimmgewaltig und intensiv fühlte und hörte sich das an, Hut ab! Mal ganz ehrlich, liebe Frau Weist, mit Ihrer Live-Stimme wäre eine Hardcore Band echt eine gute Idee, das würde sehr gut passen. Bitte gründen!

Wer es schafft bei so einem Konzert mehrere Moshpits und einen Circle zu initiieren, gehört ins Hardcore-Genre. Die Lichtshow außergewöhnlich gut und stimmig – und noch etwas viel Wichtigeres: wo man bei vielen Bands merkt, dass die Interaktion mit den Fans mehr Zwang ist, mehr das Gefühl der Pflichterfüllung, war diese im Posthof absolut ehrlich und herzlich. Ganz bewusst wurde das mittlere Bühnenelement weiter nach vorne gesetzt, damit die Fans hautnahen Kontakt zu ihrem Idol leben können, die Band genoss auch diese Nähe zu den Fans, integrierte sie, so gut es sinnvoll ging, in das Konzert. Das war kein Konzert von der Stange beim Winterschlussverkauf, sondern eine Show, mit allem was ich mir wünsche, wenn ich gutes Geld dafür ausgebe, eine Band live zu sehen. Zur Vervollständigung noch die Liste der getrunkenen Schnäpse –  Jägermeister, Mexikana, Pfeffi und Kirsch. Achja und eines noch: als starker Konzertgeher hab ich ja befürchtet, dass diese vermaledeiten Smartphones wiedermal während dem Konzert bei 90 % der Besucher auf Dauerbetrieb sind. Eine Unart, die ich hasse. Danke, liebes Linzer Publikum, dass dies nicht der Fall war. Klar vereinzelt sah man hier und dort mal ein Handy aber das war von der Menge her absolut erträglich. Dankeschön. Jetzt noch ans Rauchverbot im Saal halten und dann bin ich wunschlos glücklich.

Was soll ich noch sagen. Ich bin kein großer Jennifer Rostock Fan, habe keine ihrer Platten zuhause in meiner Sammlung und das war  mein erstes Konzert dieser Band. Und ich wurde nicht enttäuscht. Nein, ich wurde viel mehr, ich wurde vom Hocker geworfen. Perfekte Produktion, atemberaubende stimmliche Leistung, tolle Setlist, und viel, viel Herzlichkeit und Ehrlichkeit. Man muss kein riesiger Fan ihrer Musik sein um diese Live-Performance großartig zu finden. Wer noch die Möglichkeit hat diese Band live zu sehen, tut es! Von daher zum Abschluss zwei bitten an Sie, Frau Rostock. Erstens: Hardcore-Band gründen. Zweitens:  rein ins Studio, neue Platte und dann bitte möglichst schnell wieder eine Tour mit Halt im Posthof. Nicht aufhören!

Fotos: Andreas Wörister (Homepage / Facebook Page )

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geschrieben von

Musikliebhaber, Festivalreisender, Konzertsüchtig, Vinylnerd, Photograph, Konzertveranstalter, Linz-Liebhaber

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