Pfingstspektakel Attnang-Puchheim: Back to The Roots

22 Jahre lang wird Attnang-Puchheim zu Pfingsten bereits zum Schauplatz durchzechter Nächte. Das Pfingstspektakel Attnang-Puchheim wartete in den vergangenen Jahren mit hochkarätigen Acts und mal besser, aber auch mal schlechter besuchten Nächten auf. Heuer lag das Credo wieder unter dem Motto „Back To The Roots“, und die Konzerte wurden wieder auf den Baseballplatz der Attnang Athletics verlegt. Eine Änderung, die gut getan hat.

Zugegeben, das Prachtwetter am Pfingstwochenende 2018 tat natürlich sein Übriges, dass sich offiziell 2400 Besucher am Wochenende auf den Attnanger Spitzberg einfanden. Anlass dazu: primär natürlich das größte Baseball-Festival Europas, das Finkstonball, das seit Jahren zu _den_ Events der in Österreich leider immer noch unter dem Begriff „Randsportart“ kursierenden Sportart zählt. Der Ballpark der gastgebenden Attnang Athletics wurde allerdings heuer auch zum einzigen Konzertort umfunktioniert, wo nach dem täglichen sportlichen Treiben der Abend ausklingen konnte.

Freitagabend durfte man da noch als das „Aufwärmprogramm“ sehen. Wobei „Aufwärmprogramm“ an dieser Stelle durchaus wörtlich genommen werden darf – war es doch am Abend doch relativ kalt geworden. Wohl auch mit ein Grund, warum der Freitag der wohl verhältnismäßig am schlechtesten besuchte Tag war. An der Musik sollte es doch nicht gelegen haben – hatten sich doch zwei Acts eingefunden. Zum einen Chris Magerl, der aus Graz kommend gerade wieder durch die Republik tourt. Singer/Songwriter, mit durchaus politischer Message dahinter. Der durchaus schütteren Menge hat es zum Ende hin dann doch noch gefallen, und vereinzelte Mitsing-Versuche durften ebenfalls verzeichnet werden.

Headliner an diesem Abend? Onk Lou, gemeinsam mit seiner Better Life Inc.. Der gute Mann befindet sich hierzulande seit geraumer Zeit auf dem aufsteigenden Ast – leider sollte der Funke an diesem Konzertabend nicht so recht überspringen. So waren zaghafte Bewegungen zur – fast schon gezwungen anmutenden – Zugabe „1000 Voices“ dann auch das höchste der Gefühle.

Anders am Samstag. Bewaffnet mit Wombolinos (für alle nicht Finkstonball-Stammgäste: best Burger of the year!) und Bier machen wir es uns am Baseballplatz gemütlich, wo man durchaus hochkarätigen Performances auf dem Platz (The X-Presidents) und auch neben dem Platz (Sissach Frogs) bewundern durfte. Am Abend wurde es dann gerammelt voll: kein Wunder, war mit Wham Bam Bodyslam doch DIE Local Heroe-Legende am Start. Doch zu diesem Highlight kam es aber erst zu späterer Stunde. Zuvor auf der Konzert-Bühne: Harry Gump, bayrischer Singer/Songwriter mit Punk-Wurzeln. Kann man (wohlgemeint!) unter dem Motto „War Da, Hat Gespielt, War Cool“ verbuchen – nutzten doch viele Gäste die kurze Zeit nach dem letzten Baseball-Spiel zur Wombolino-Stärkung.

Danach wohl DIE Überraschung: Murder Murder aus Kanada. Was im Pressetext noch sperrig als „Bluegrass“ bezeichnet wird, entpuppt sich live zu einer unglaublich guten Mischung aus Theatralik, Melancholie und musikalischen Einflüssen aus Folk, Pop und Co. Hätten danach nicht noch Wham Bam Bodyslam aufgetrumpft, man wäre auch nach diesem Konzert sehr glücklich nach Hause gegangen.

Doch Wham Bam Bodyslam und Pfingsten, das gehört zusammen wie Tequila & Speiben, Hopfen & Malz, Baseball & Pfingsten. Da führt kein Weg drum rum. Und das ist auch schön so, denn die fünf Schutzpatronen des Finkstonballs feierten heuer ihr Zehnjähriges und im Vergleich zum ersten Auftritt beim Finkstonball XI zeigt sich, wie weit Festival, Turnier und Band schon gekommen sind. Auch heuer ließen sich WBB nicht lumpen und legten neben nahezu jedem veröffentlichten – und auch vielen bisher nicht offiziell veröffentlichten – Songs auch neues Material auf: „Angry Men“ – die Kampfansage gegen Rechtspopulisten und Politwölfe, die nicht mal mehr ein Schaffell tragen wollen. Hier tat es mal gut, die Tanzschuhe kurz verweilen zu lassen um dem Text zu lauschen.

Für feste Abnutzungserscheinungen an den Tanzschuhen und wohlig-besoffenes Geschunkel sorgte zum Schluss natürlich wieder der allseits beliebten, immer geforderten und selten gelieferten Fan-Favourite „Landla“. Zumindest bis ein etwas übermotivierter Ureinwohner des fernen Pinzgaus sich anbot, auch ein oder zwei Strophen zum Besten zu geben. Dass das dann in gefühlte zwanzig Reime ausartete, konnten dann aber weder die Wham Bam-Jungs, noch der Pinzgauer selbst ahnen. Das war aber auch egal und tat dem wohl schönsten Fest, das die heimische Konzertlandschaft zu bieten hat, keinen Abbruch.

Weiter ging es dann am Sonntag mit Nevertheless und Joe Witney. Beide Acts sind keine Unbekannten in diesen Gefilden. Bei Nevertheless stehen nämlich ein paar der Helden der Vöcklabrucker Punkszene um die Jahrtausendwende endlich wieder mal auf der Bühne. Zwar ohne „eigenes“ Material, da man sich explizit als Cover-Band gibt, doch das hinderte die Artefakte von VB-Institutionen wie Krasty nicht, ihre eigenen, früheren Songs zu „covern“. Akustisch natürlich. Und da tat es schon verdammt gut, alte Meisterwerke wie „Fred“ von Krasty nach über zehn Jahren endlich wieder mal live zu spüren.

Auch Joe Whitney kennt sich ganz gut am Attnanger Spitzberg aus. Der US-Amerikaner war lange beim Baseballteam der Bad Homburg Hornets und den Darmstadt Whippets aktiv. Dieses Jahr besuchte er das Pfingstspektakel jedoch nicht als (reiner) Sportler, sondern hatte mit seiner StreetLive Family Swing, Jazz, gute Stimmung und ganz schön viel Energie im Gepäck. Mit Charme und Hartnäckigkeit konnten Joe & Kumpanen das Publikum zu einem würdigen Pfingstspektakelabschluss hochtreiben. Hach, schön!

Fazit? Fazit! Dem Pfingstspektakel hat das „Gesundschrumpfen“ oder „Back To The Roots“ äußerst gut getan. Zumindest aus unserer Besucher/Stammgast-Sicht. In den letzten Jahren wurde der eigentliche Grund für das Spektakel – die finanzielle Unterstützung des Baseballvereins und der Ausbau der Schnittmenge zwischen Spektakel und Baseballturnier – von elektronischen Bullen, Beer Pong Turnieren und anderen Ablenkungen zu sehr in den Hintergrund gedrängt, in der Hoffnung, dass man dadurch das Ruder noch herumreissen könnte. Interessanterweise hat sich die Baseballbühne in dieser Zeit schleichend als der Teil des Spektakels herausdifferenziert, bei dem mehr Spaß und eine gemütlichere Atmosphäre herrschen. Dennoch heißt „kleiner“ natürlich vor allem eines: weniger Besucher. Die Frage, ob man 2019 wieder auf Quantität in der großen Mehrzweckhalle oder rein auf Qualität im familiären Ambiente setzt, wurde also beantwortet. Wir würden uns freuen, wenn sich dieser mutige Schritt ausgezahlt hat und hoffen, dass das Pfingstspektakel nach dieser botanisch notwendigen „Zurechtstutzung“ nächstes Jahr wieder stärker aufblüht. Auf dass sich die Wurzeln wieder mit neuer Kraft in den Spitzberg graben können!

Und zu guter Letzt wollen wir natürlich auch dem Österreichischen Baseball-Nationalteam zum wohlverdienten Sieg über die Attanng Athletics gratulieren. Wow! Selten ein dermaßen spannendes und bis zum letzten Inning nervernaufreibendes Spiel mehr gesehen. Respekt, das habt Ihr euch hart erkämpft!

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geschrieben von

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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