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Berlin Bouncer: Berlins Vergangenheit

Der Dokumentarfilm „Berlin Bouncer“ erzählt von drei der legendärsten Türsteher Berlins Frank Künster, Sven Marquardt und Smiley Baldwin. Alle Drei sind um die 50 und sind entweder in Berlin geboren oder kamen Ende der 80er in die Stadt. Sie schildern von der geteilten Stadt und den darauf folgenden gesetzlosen Wendejahren, in denen plötzlich nicht mehr klassiche Diskos, sondern verlassene (Fabrik)Hallen der  “place to be” für das Nachtleben in der Metropole waren, als auch den Gentrifizierungsprozess im neuen Jahrtausend. Der Film vom Regisseur David Dietl wurde bei der diesjährigen Berlinale für die Kategorie “Perspektive deutsches Kino” eingereicht und gezeigt.

Der gebürtige Schwarzwälder Frank Künster, der sich selbst einen “Exzessbetreuer” nennt, wird im Film neben seiner Türsteherei auch als Künstler beleuchtet. Er zeigt viele Fotos aus seiner Jugend in den 90ern und erzählt aus seiner weniger lang vergangenen Zeit, als er ab 2010 fünf Jahre lang vor den Toren der “King size Bar” in der Friedrichstraße wachte. Als aufgrund von Streitigkeiten mit den Vermietern 2015 die Bar geschlossenen werden musste, konnte er im Jahr darauf mit ihnen einen Einigung erzielen, sodass er als neuer Geschäftsführer die Location neu eröffnen konnte. Zu Ende des Streifen sieht man wie er das Lokal 2017 freiwillig, aber mit einem weinenden Auge endgültig schloss. Seinen privaten Ausgleich sucht er bei seiner Schwester im hessischen Hanau.

Sven Marqauard, gebürtiger Berliner und berüchtigster Pförtner der Stadt im weltweit bekannten Techno-Club “Berghain”. Er erzählt von seinen jungen Jahren als Pummelpunk in der Subkultur der “Zone”, wo er bereits den Beruf der Fotografie erlernte, den er bis heute leidenschaftlich ausübt. Auch er kann diese mit ausreichenden Bildern aus dieser Zeit belegen. Zeitgleich mit dem Aufstieg des Berghains wurde auch er zur Symbolfigur des Nachtlebens in der deutschen Hauptstadt. Seinen Ruhepol sucht der Modefotograf an der Ostsee gelegenen Großstadt Rostock.

Smiley Baldwin kam als Soldat der US-amerikanischen Armee nach Berlin. Nachdem er dort seinen Dienst beendete, begann er als Einlasser in verschiedenen Berliner Clubs zu arbeiten, heute betreibt der zweifache Vater eine eigene Securityfirma. Er erzählt von der Perspektivenlosigkeit in seiner Heimat, den Amerikanischen Jungferninseln in der Karibik und seiner kürzlich verstorbenen Mutter. Smiley ist wohl nur sein Künstlername, aber passt bestens zu ihm, da der Afroamerikaner in so ziemlich jeder Szene des Films ein Grinsen auf den Lippen hat.

Der Film widerlegt, als auch bestätigt Klischees die gegen Wachpersonal landläufig gehegt werden. Auf der einen Seite zeigt er Drei durchaus sentimentale Persönlichkeiten die sich ausgezeichnet artikulieren als auch als auch die Kontakte zum Rotlichtmilieu wie bei Frank Künster. Der Film zeigt dass auch Türsteher Menschen nicht gerne abweisen aber aufgrund des großen Andrangs bei manchen Lokalen auf Bauchentscheidungen angewiesen sind. Größter Kritikpunkt ist wohl, dass Frauen bestenfalls als Beiwerk dargestellt werden. Wie der Text vielleicht bisher erkennen lässt, ist es kein feministischer Hochgenuss, was wohl auch ein wenig der Szene geschuldet ist. Die 90 Minuten lange Doku ist überaus sehenswert, vor allem wenn man sich für das Nachtgeschehen und der jüngeren subkulturellen Geschichte der Stadt interessiert.


„Berlin Bouncer“ ist am kommenden Freitag, 17.05., um 20 Uhr im Moviemento Linz zu sehen. Danach gibt es im Solaris die passende Untermalung mit Memet Acuma & David Krieger. Mehr Informationen findet ihr hier

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Chemiewerker in der Stoistodt. Gesellschaft, Musik und Fußball

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