Crossing Europe 2021: Le monde après nous / The world after us

Mehr Realität in Liebesgeschichten könnte ein Ziel vom Filmemacher Louda Ben Salah-Cazanas bei der Produktion von „Le Mond après nous“ gewesen sein. Mit seinem Langspieldebüt sorgte er auf jeden Fall für sehr schöne 85 Minuten im Kino. 

Labidi verliebt sich quasi auf den ersten Blick in Elisa. Einen etwas unkonventionellen Anmachspruch später sind sie auch ein Paar. Er hat das intrinsische Bedürfnis, so schnell wie möglich mit ihr zusammen in Paris zu leben und der Wunsch nach einer eigenen Familie ist sehr stark. Dieses Vorhaben lässt sich aber mit seinem Bestreben, ein bekannter Schriftsteller zu werden, nicht ganz vereinen. Wohnen in Paris ist teuer – und im Moment schafft er es mit seinen Teilzeitjobs als Essenslieferant mehr schlecht als recht über die Runden, in dem er sich eine winzige Maisonette mit seinem besten Freund teilt und dort am Boden auf der Isomatte pennt. Eine Unterkunft, die klarerweise nicht optimal für ein junges Paarleben ist – und Intimität per se fast unmöglich ist. Labidi schafft es vor dem Kennenlernen mit Elisa einen guten Deal mit einem Verlag an Land zu ziehen, dafür müsste er aber zu 100% fokussiert an dem Roman weiterschreiben – die Deadline von sechs Monaten ist nicht verlängerbar. Da er aber für Elisa sorgen möchte, befindet er sich in einem Dilemma. Über nicht ganz legalen Umwegen besorgt er für ihn und Elisa ein schönes Apartment, welches sich nicht ganz in seiner Preisklasse befindet. So verstrickt er sich weiter in ein Chaos zwischen finanziellen Problemen, Beziehungsdrama und kreatives Schaffen.


Mitten in der Stadt der Liebe kämpft der Protagonist, gespielt von Aurélien Gabrielli, für seine romantischen Gefühle. Louda Ben Salah-Cazanas hat mit Labidi einen Charakter geformt, welcher sehr strebsam seine Ziele verfolgt und während dem Film immer wieder kreative/illegale Problemlösungsstrategien findet. Einen Charakter, der aber auch sehr stolz ist und zum Beispiel seine finanzielle Not niemals gegenüber Freunden oder Familien erwähnen würde. So gibt er an, Essen nur als Recherche für seinen nächsten Roman auszuliefern.

Als Zuschauer*in hat man den doch etwas chaotischen Labidi schnell ins Herz geschlossen und umso schwerer ist es ihm dabei zuzusehen zu müssen, wie er sich quasi immer weiter in die Probleme hineinmanövriert. Die Realität funkt da immer wieder in die fast perfekte Liebesstory dazwischen und sorgt so bei den Hauptprotagonist*innen für Ernüchterung. Aber wie auch bei anderen romantischen Filmen gibt es ein Happyend – Liebe besiegt alles.


Louda Ben Salah-Cazanas ist mit dem Film ein wunderschönes Langspieldebüt gelungen und ich wünsche mir für ihn, dass der Film auch einen regulären Kinostart in Österreich bekommt. Liebesgeschichten dieser Art verdienen ein großes Publilkum.

LE MONDE APRÈS NOUS/ THE WORLD AFTER US

Louda Ben Salah-Cazanas
Frankreich 2021
85 Minuten
Französisch
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Konzerte - Filme - Bücher - Musik - Kunst // Sozialarbeiterin - Veranstalterin - Redakteurin - Fotografin

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