Voodoo Jürgens: Ohne Angst vor dem Unwetter

Donnerstagnachmittag, 17:30, Linz: it was raining cats and dogs, wie der gemeine Engländer sagen würde. Dass der Wiener Liedermacher Voodoo Jürgens zweieinhalb Stunden später auf der Frischluft-Bühne des Linzer Posthofes stehen würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht sicher. Aber: das Wetter hat gehalten, gut 550 BesucherInnen genossen einen wunderbaren Konzertabend mit dem wohl morbidesten Artist, den die Bundeshauptstadt derzeit zu bieten hat.

„’s Klane Glücksspiel“ – die aktuelle Platte des mittlerweile 37-Jährigen David Öllerer alias Voodoo Jürgens darf man bereits getrost zu den Klassikern an Alben österreichischer Musiker zählen, genauso wie das Debutwerk „Ansa Woar“. Gemeinsam mit der „Ansa Panier“, seiner Begleitband, hat sich der Wiener in den letzten Jahren eine treue Fanbase erspielt. „Austropop“ wird oft als Attribut verwendet – bitte hier nur als Qualitätsmerkmal sehen. Denn tiefgründig-morbid sind seine Texte, sie erzählen von den Abgründen des sozialen Lebens im Generellen und von Wiener Abgründen im Besonderen. Egal ob bei „Gitti“, der Hommage an Österreichs legendärsten Boxer, Hansi Orsolics, bei „2L Eistee“, „Heite grob ma Tote aus“. Aber auch emotional wird es – etwa beim „Ohrwaschlkräuler“, genauso wie ein Voodoo Jürgens’sches Set politisch bei „Angst hams“ wird. Ein Set, dem die gut 550 BesucherInnen im Posthof an diesem Abend gerne lauschten – da werden auch Texthänger verziehen, spätestens beim oftmals lautstark geforderten „Tulln“. Drei Zugaben inklusive, kein Regenguss von oben – geschundene Konzertseele, was willst du mehr?

Fotos: Christoph Leeb

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geschrieben von

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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