SAITAYME: „Es wird eine Show an die man sich erinnert“

Der junge Linzer Künstler Saitayme ist Vertreter einer spannenden Genrebewegung, die sich neuerdings auch in Linz etabliert. Rap und kratziger Gesang, gepaart mit düsteren Bildern, Industrial Sounds und gerne auch mal ein bisschen Kunstblut. Heute, am 4. September erscheint seine neue Single „Ashes“, eine Verneigung vor dem Sound, mit dem Mariyln Mason, Rob Zombie & Co. anfang des Jahrtausends für Furore sorgten. Wir haben mit ihm über seinen ungewöhnlichen Start als Musiker und die Einflüsse der Szene gesprochen. Den Link zur Single findet ihr am Ende des Interviews.

subtext: Woher kommt der Name saitayme (ausgesprochen: [seɪteɪm]) und was bedeutet er?

Sprachlich kommt das von den verschiedenen Wörtern für Satan. Von „Schaitan“ welches eher aus dem Islamischen kommt angefangen gibt es da ganz viele verschiedene Versionen. Irgendwann hab ich mich da für eine Mischung aus verschiedenen Begriffen entschieden. Dazu kommt dann das englische „tame“, also zähmen.

subtext: „To tame your inner demons“, steht ja auch auf deiner Homepage…

Ja genau. Das umschreibt die Bedeutung des Namens.

subtext: Wie sieht dein musikalischer Werdegang aus? Hast du dich schon immer in dieser alternativen Rap-Szene bewegt, oder hast du davor auch schon was anderes gemacht?

Eigentlich ist das eine ziemlich schräge Geschichte. Ich bin zwar schon länger in dieser Szene unterwegs, anfangs aber gar nicht als Künstler, sondern einfach eher als Zugehöriger davon. Ich hab dann einen Instagram Acount gestartet wo ich einfach begonnen hab Sachen, die von der Ästhetik her dazu gepasst haben, hochzuladen. Mit Blut, SFX Make-Up und so Zeug.
Irgendwann hat mich aus dem Nichts jemand angeschrieben. Ein Rapper aus Amerika mit dem Namen „Txrzxn“ (ausgesprochen: Tarzan), der sich auch im Untergrund dieser Szene bewegt. Anhand meiner Bilder und dem Image hat er sich gedacht dass ich ein Rapper bin und hat gefragt ob er einen Song mit mir gemeinsam machen kann. Ich saß dann da und hab mit einem iPhone mit einem Socken als Pop-Schutz drübergestülpt meine ersten Lines recorded und ihm das dann über Whatsapp geschickt. Also so ziemlich die unprofessionellste Weise wie man arbeiten kann, aber es war eben meine erste Annäherung. Er war beim Mixen dann auch echt gut und hat da tatsächlich was cooles rausgeholt. Das wurde dann tatsächlich meine erste Single „Anxiety“, die kann man sich auch jetzt noch auf Spotify anhören.

subtext: Hast du davor in irgendeiner Form auch schon selbst Musik gemacht?

Es war fast ein unterdrückter Wunsch meinerseits irgendwann mal Musik zu machen. Ich bin früher in ein Musikgymnasium gegangen, aber die Musik die dort praktiziert wurde und die Musik, die ich gemocht habe, waren sehr weit voneinader entfernt.
Sprich: Die wollten, dass ich Jazz Nummer von Ray Charles singe und mich persönlich hat es da eher zu Marylin Mason oder Slipknot gezogen. Das wurde dort natürlich nicht sehr supported. Auch meine Stimme, die beim Singen dann doch sehr kratzig ist, sehr experimentell teilweise … das war dort in Chören und so weiter natürlich nicht sehr gern gesehen. „Versuch doch normal zu singen! Krieg das Kratzen aus der Stimme! Weniger Luft!“, wurde mir da eben gesagt. Es war aber einfach meine bewusste Entscheidung so zu singen, weil sich das für mich am besten angehört hat. Da hat mich das Ganze natürlich sehr demotiviert selbst Musik zu machen. Als dann dieser erste Song fertig war hab ich das echt vielen Leuten vorher geschickt und gefragt, ob ich das wirklich veröffentlichen soll und das Feedback war „Mach’s einfach!“.

subtext: Hast du das auch alten Weggefährt*innen aus der Schulzeit geschickt?

Ja, tatsächlich! Das mache ich teilweise immer noch, dass ich meinen alten Musiklehrern meine Songs schicke. Auch so ein bisschen als „Fuck you“.

subtext: Ein Unbekannter aus dem Internet hat dich also letztlich dazu gebracht Musik zu machen. Seitdem sind im Laufe des letzten Jahres noch einige weitere Songs von dir erschienen, zuletzt „Reset Of The Mind“. Nachdem dieses Projekt jetzt eigentlich genau zur Zeit der Pandemie entstanden ist – Siehst du dich in Zukunft auch auf der Bühne, um diese Tracks live zu performen?

Ich hatte dann schon einen inneren Konflikt, ob ich das wirklich machen soll, zwischen Angst mich zu blamieren und dem Gefühl „eigentlich wollte ich das schon immer machen“. Ich hab mich dann fürs Probieren entschieden und daraus ist dann alles entstanden. Ja, die Songs sollen jetzt auf jeden Fall auch in den Club kommen. Also ich habe schon die Vision irgendwann live auf der Bühne zu stehen, nicht nur alleine, sondern mit den Leuten die mich auch dorthin begleitet haben. Ich hatte immer viel Hilfe bei der Produktion und möchte das dann unbedingt mit diesen Menschen gemeinsam machen. Jetzt arbeite ich gerade daraufhin dass ich nicht nur ein paar Lieder habe, die ich performen kann, sondern auch wirklich eine Show. Für mich persönlich gehört da live einfach so viel mehr dazu. Kann auch sein, dass das nur ich bin, aber mir geht es da wirklich um die Expression, darum sich in kleinsten Details zu verlieren. Genau so ist das live auch. Da wird alles durchgeplant sein.

subtext: Wie sieht der nächste Schritt dabei aus?

Jetzt arbeite ich gerade an einer EP. Wenn die fertig ist, dann folgt darauf die Show. Bis dahin habe ich vor, wenn es sich ergibt, bei ein paar Konzerten als Vorband oder Feature Gast ein paar meiner Songs zu performen, um noch ein bisschen mehr auf mich aufmerksam zu machen.

subtext: Du hast vorhin erwähnt, dass die Produktion gemeinsam mit einer Gruppe von Freunden passiert, wo sich einige Hobby Producer tummeln. Wie ist da der Anknüpfpunkt? Kommen die mit Ideen zu dir, oder kommt da der erste Funke von dir durch deine Texte?

Am Anfang steht eigentlich immer eine Emotion, irgendein Gefühl, oder eine Situation die ich gerade durchlebt habe. Oft sind das Dinge wie Frust und Trauer. Ich durchstöbere dann die Beats meiner Freunde, suche mir etwas was dazu passt und schreibe dann darauf die Lyrics. Es fällt mir einfach viel leichter auf einem Beat die Texte zu schreiben als das irgendwie umgekehrt aufzubauen.

subtext: Die Emotionen und die inneren Dämonen, die es zu zähmen gilt stehen also immer irgendwo im Vordergrund, daneben ist aber auch der Sound, der bei dir und deinen Freunden daraus entsteht, hierzulande im Rap doch ziemlich außergewöhnlich. Was sind so eure Inspirationen und Vorbilder?

Das gibt es wirklich ganz schön vieles. Wenn ich es ein bisschen eingrenzen soll, dann würde ich sagen Marilyn Manson. Den habe ich in meiner Kindheit dauernd gehört, das war fast schon sowas wie ein Idol. Dann natürlich aktuelle Sachen wie KILLSTATION, Lil Peep und auf jeden Fall auch Brennan Savage. Vor allem auf dem nächsten Song, der jetzt kommen wird, hört man den Marilyn Manson Einfluss aber sehr deutlich raus, so viel kann ich verraten. „Ashes“ wird der Name sein. Das ist fast schon eine Art Respekt zu zeigen vor diesem Vorbild, das mich auch sehr stark motiviert hat das zu versuchen.

subtext: Gibts auch in der österreichischen Musikszene Leute die dich inspirieren oder als eine Art Vorbild dienen?

In der österreichischen Musikszene gibt es jetzt nur wenige die meine Art von Musik machen, aber wenn ich so an die Oldschool Szene denke, dann ist da KS Kopfsache auf jeden Fall der mich immer sehr unterstützt hat und der das was ich mache auch von Anfang an cool fand. Er hat mich auf eine freundschaftliche Art immer ein bisschen durchgecoacht und mir Tipps gegeben – vor allem was das „Musiker sein“ angeht. Musik machen und Musiker sein sind ja nochmal zwei ganz unterschiedliche Dinge. Ich muss ihm da sehr dafür danken und finde es wichtig, dass man sich auch über unterschiedliche Genres hinweg unterstützt. Es gibt ja soetwas wie „honour among thieves“ und „honour among Künstlern“ sollte es da meiner Meinung nach auch geben.

subtext: Die Ästhetik hat ja bei dir von Anfang an eine große Rolle gespielt. Kann man erwarten dass du diesen visuellen Stil dann auch in deine Liveshow mit einfließen lässt? Stichwort: Kunstblut & Co.?

Oh ja, das kann man erwarten! Ich habe da auch schon ziemlich viele interessante Ideen – Kunstblut könnte da auf jeden Fall eine Rolle spielen. Also wenn ich diese erste Show habe, dann sag ich mal so: Es wird es auf jeden Fall eine Show an die man sich erinnert.

subtext: Warum denkst du ist dieses Genre, nennen wir es mal Alternative Rap oder Emo Rap mangels besserer Begriffe, in Österreich noch immer eine eher kleine Bubble? Weil bei uns alles 10 Jahre länger dauert?

Meine persönliche Einschätzung dazu ist, dass ich denke, das Musikbusiness wird bei uns in Europa durch die Bank von eher älteren Leuten gesteuert. In Amerika sieht man da bei Sony und Co. schon Leute in höheren Positionen, die nicht älter als 25 oder 30 sind. Bei uns ist da der Zeitgeist noch ein anderer. Wahrscheinlich würde ich auch von anderen Musikmagazin hierzulande eher die Rückmeldung kriegen, dass ihnen das zu underground und zu komisch ist. Wahrscheinlich braucht es wirklich einfach nur noch länger um sich einzubürgern. Sobald sowas aber erstmal in Deutschland ankommt, dann geht es auch bei uns schneller. Aber ich bin trotzdem der Überzeugung dass unsere kleine Szene hier in Linz Potenzial hat.

saitayme – „Ashes“
VÖ: 03.09.2021

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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