As In Heaven
Foto: Crossing Europe

Crossing Europe 2022: As in heaven

Wir befinden uns Ende des 19. Jahrhunderts, Dänemark. Die 14-jährige Lise wächst bei ihren Eltern auf einem Bauernhof auf. Sie wird dabei die Erste sein, die auf eine Schule gehen darf, selbst wenn ihr Vater das nicht unterstützt. Für ihre vielen Brüder und Schwestern ist sie ein Vorbild, und noch ein Geschwisterchen ist schon auf dem Weg. Ihre hochschwangere Mutter liegt bereits in den Wehen. Bald wird zwischen vorhersagenden Träumen und vertrauendem Gottglauben aber klar, dass diese Geburt nicht wie geplant vonstattengehen wird.

Es ist schwierig, diesen Film einzuordnen. Lässt der Trailer einen Folk-Horror vermuten, wird dabei der:die ein oder andere wohl enttäuscht werden. Er hat seine Momente, auch jene, welche einem den Magen verdrehen können. Darüberhinaus schafft er es auch, lange Spannungen zu halten, welche besonders von der Performance der Hauptdarstellerin getragen werden. Allerdings ist es dann doch eher ein langsam entfaltendes Drama.

Die Kamera liefert jedenfalls komplett ab. Der nostalgische Filmlook mit seinem Rauschen schafft es ab Sekunde Eins, einen in seinen Bann zu ziehen. Bei Tag überzeugen helle, malerische Farben, die fast an Ölgemälde aus der Zeit erinnern. Bei Nacht und dunklen Innenräumen werden einem dann einengende Szenerien auferlegt, welche die Aufmerksamkeit hochhalten.

Dabei ist es am meisten der Sound, der es schafft, einen durch die ganzen Stimmungslagen zu tragen. Musik hält sich meist im Hintergrund, es ist Windesrauschen oder auch klagendes Schreien, dass sich ins Gehört bohrt und Eindruck hinterlässt. Ein Horrorfan wird dabei zwar nicht auf seine Kosten kommen, aber atmosphärisch ist das Ganze trotzdem.

Spannung durch Warten

Besonders bezeichnend ist das lange Warten. Lise wird auf eine harte Geduldsprobe gestellt, gezwungen, ihren Glauben an Gott und ihre sicher geglaubten Pläne für die Zukunft zu hinterfragen. Was, wenn sie plötzlich die Erwachsene im Elternhaus sein muss? Hat sie es sich durch Sünden selbst zuzuschreiben? So tänzelt der Film zwischen Hoffnungsschimmern, grimmigen Großmüttern und beängstigendem Gewitter auf einer Linie, die das Publikum lange hinhält, bis es zu einer Auflösung kommt. Das ist in dem Fall aber gar nicht störend, da der rote Faden bis zum Ende so gut gesponnen wird, dass einen die Neugier auf das Ende nie loslässt.

As In Heaven ist schlussendlich ein Werk, von dem man sich durchaus etwas mitnehmen kann, wenn man sich kein falsches Genre erwartet und den Mix aus gleichzeitig schleppender und packender Handlung mag.

Du som er i himlen / As In Heaven
Tea Lindeburg
Dänemark 2021
86 Minuten
Dänisch
OmeU

www.crossingeurope.at

Macht mal dies, mal das. Manchmal kommt dann dabei sogar Design, Filmografie oder was Geschriebenes raus.