Filmstill Die Kunst der Folgenlosigkeit
Foto: Crossing Europe

Crossing Europe 2022: Die Kunst der Folgenlosigkeit

“Alle großen Ideen scheitern an den Leuten” – mit diesem Zitat von Berthold Brecht beginnt der vergangenes Jahr erschienene Film “Die Kunst der Folgenlosigkeit” des deutschen Regisseurs Friedrich von Borries und dem Österreicher Jakob Brossmann.

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Nach dem zu Beginn ein Dialog eines frustrierten und alkoholisierten Künstlers mit seiner Managerin (?) geführt wird, in dem er sich darüber beklagt, dass er als Bindeglied von Wirtschaft, Politik und Kultur nur für deren Greenwashing gebraucht wird. Danach ein Cut: der Spielfilm bekommt eine zweite Ebene und wird zu einer Dokumentation über die Produktion des Filmes. Das Besondere dabei ist, dass die Dialoge des Teams nicht gescriptet sind. Zugefügt werden noch Interviewsequenzen, in denen die Schauspieler:innen gefragt werden, welchen Einfluss Umweltschutz auf ihre künstlerische Arbeit hat. Fast einhellig ergibt sich – obwohl einige privat aktivistisch sind – keiner. Darf Politik folgenlos sein? Darf Kunst folgenlos sein? Die wilde Zusammensetzung von z.B. einem altlinken Schauspieler, eines jahrelangen Umweltaktivisten und eines Schauspielers aus Burkina Faso, der dort ein Sozialprojekt betreibt ,geben den Dialogen zu diesen Fragen den notwendigen Reiz. 

Aus den Diskussionen am Set ergibt sich, dass die so gut wie alle Protagonist:innen der Meinung sind, dass sich die Klimakatastrophe nicht im Rahmen unserer aktuellen kapitalistischen Ordnung abwenden lässt. Passenderweise hat der ursprüngliche Fördergeber, das deutsche Umweltministerium, während der Produktion den Hahn zugedreht – wohl weil er zu kritisch war. Durch eine österreichische Förderung konnte die Produktion jedoch fortgesetzt werden. Besonders spannend waren sowohl die gescripteten als auch die improvisierten Küchengespräche. Von Borries merkte an, dass, als er noch selbst in der Gastro arbeite, von dieser sehr viel mitgenommen hat. Die etwas versteckten Schmähs über den modernen Politikersprech geben, so wie die Schlagfertigkeit der Schauspieler sorgen immer wieder für Schmunzler. Unter dem Strich ist der Film alleine schon aufgrund des doppelten Bodens zwischen Spielfilm und Dokumentation absolut sehenswert.

Die KUNST DER FOLGENLOSIGKEIT / The Art of Inconsequentiality

Jakob Brossmann, Friedrich von Borries
Deutschland, Österreich, 2021
color, 67 Minuten
Deutsch, OmeU

Chemiewerker in der Stoistodt. Gesellschaft, Musik und Fußball