Looking For Venera
Foto: Crossing Europe

Crossing Europe 2022: Looking for Venera

Die pubertierende Venera lebt mit drei Generationen zusammen in einem kleinen Haus im Kosovo. Dabei versucht sie langsam, sich selbst zu emanzipieren, sowohl charakterlich als auch sexuell. Wirkliche Vorbilder hat sie dabei nicht. Am Ende ist es eine neue Freundin, die sie zu wagemutigeren Handlungen bringt, auch gegenüber ihrem strengen Vater.

Besonders bezeichnend ist für diesen Film die Kameraarbeit. In seinen ganzen knapp zwei Stunden Laufzeit wird so gut wie nie eine weite Einstellung gezeigt. In Innenräumen füllen mehrere Personen die Frames, ganze Räume werden nie gezeigt. Das ist einengend, richtig klaustrophobisch. Es ist auch desorientierend und sogar etwas anstrengend. Dafür untermalt es aber die Handlung. Denn auch die Protagonistin fühlt sich eingeengt, immer wieder auch alleingelassen, ganz ohne Ziel.

Obwohl es sich um eine fiktionalisierte Geschichte handelt, kommt Dokumentar-Feeling auf. Ein Grund dafür ist das zur Häufe eingesetzte harte Licht, was es weniger gestellt und geplant wirken lässt. Weiters gibt es auch noch viele übereinanderliegende Dialoge, die es noch authentischer werden lassen.

Eine andere Art der Emanzipation

Wer sich allerdings ein typisches Coming-Of-Age erwartet, ist hier mit Sicherheit an der falschen Adresse. Keine Musik im Hintergrund, nur mit Geräuschen oder praktischem Einsetzen davon wird Stimmung erzeugt. Blasse Farben komplettieren das Ganze dann noch.

Das Highlight ist aber keines dieser Dinge. Es ist die Hauptdarstellerin, die es mit nur ein paar Blicken schafft, das Publikum zu fesseln. Und so wird in den Szenen, in denen sie gar nichts sagt, doch am meisten transportiert.

Looking For Venera ist ein Werk, das einiges zu bieten hat, besonders auf künstlerischer Ebene. Dennoch gibt es auch ein paar Stolpersteine, an denen man sich stören kann. Eine etwas sprunghafte Story, etwas zu viel Laufzeit und ein paar Charakterdynamiken, die nicht ganz aufgehen, zum Beispiel. Man kann aber durchaus auf seine Kosten kommen, wenn man über diese paar Hürden hinwegblicken kann.

Në kërkim të Venerës / Looking for Venera
Norika Sefa
Kosovo / Nordmazedonien 2021
111 Minuten
Albanisch
OmeU

www.crossingeurope.at

Macht mal dies, mal das. Manchmal kommt dann dabei sogar Design, Filmografie oder was Geschriebenes raus.