Ninjababy
Foto: Crossing Europe

Crossing Europe 2022: Ninjababy

23 Jahre alt, Studentin und keine wirkliche Richtung im Leben. Das Leben von Rakel läuft etwas schief, ihre dusselige Art bringt sie dabei allerdings nicht wirklich weiter. Der Gipfel des Eisbergs ist dann noch, als sie plötzlich erfährt, dass sie schwanger ist.

Dann steht sie da, nach einem Arztbesuch, als sie gerade erfahren hat, dass sie schon im 6. Monat ist. Noch nicht einmal den Vater kennt sie. Und ab da begibt man sich – unterstützt durch aufgemalte Comic-Elemente – auf eine wunderbar witzige Reise der Selbstfindung.

Es ist ein fast direkter Einstieg, mit dem man in diese Komödie hineingestoßen wird. Und schon in den ersten paar Minuten wird der Stil des Films ganz klar. Gewitzte Dialoge, geniale Situationskomik und perfekt getimter Schnitt. Das ist so ein schönes Gesamtpaket, man kann gar nicht anders, als es in sein Herz zu schließen. Die Kamera mag auf den ersten Blick nicht aufwendig wirken, aber das Set-Design ist gut durchdacht. Am auffallendsten sind aber natürlich die Comic-Zeichnungen, die immer wieder als Overlay gezeigt werden und fantasierte Gespräche der Protagonistin mit ihrem Baby veranschaulichen. Eine so charmante Lösung für eine Auseinandersetzung mit Themen wie Abtreibung oder auch Adoption hat man mit Sicherheit noch nicht gesehen.

Ganz viel empathie

Dabei hat er auch seine ernsten Momente, in denen es richtig emotional wird. Dazu stimmen dann auch die Performances. Der ganze Cast nimmt zwar im Großen und Ganzen eine etwas karikaturhafte Rolle ein, dennoch wirkt nichts gestellt. Hinzu kommen die Charakterentwicklungen, in denen man sich in den verschiedensten Momenten selbst wiedererkennen kann, egal bei welchen Figuren. Das einzige, woran man sich eventuell stören könnte, sind die Tonalitätswechsel, die meist durch einen etwas unsensibel platzierten Soundtrack sehr abrupt eingeführt werden. Darüber kann man aber hinwegsehen. Die Stimmung am Ende ist dann dafür besonders herzergreifend.

Schlussendlich ist Ninjababy eines der absoluten Highlights des diesjährigen Crossing Europe Filmfestivals. Es ist eine norwegische Komödie zum Einfach-Wohlfühlen. Sie behandelt ein seriöses Thema auf eine witzige und verdauliche Art und Weise, ohne sich über das Thema selbst lustig zu machen. Dabei gibt es unglaublich herzliche Charakterentwicklung mit Lachgarantie, während man vielleicht sogar das ein oder andere Tränchen verdrückt.

Ninjababy

Ninjababy

Yngvild Sve Flikke
Norwegen, 2021
103 Minuten
Norwegisch, OmdU

www.crossingeurope.at

Macht mal dies, mal das. Manchmal kommt dann dabei sogar Design, Filmografie oder was Geschriebenes raus.