© Nurith Wagner-Strauss

Bis zur Erschöpfung: PARADA SELVAGEM bei den Wiener Festwochen

Raue Schale, weicher, nackter Kern: Regisseurin Mónica Calle arrangiert für die Wiener Festwochen eine Gruppe von Männern, die entblößt ihr Innerstes nach Außen kehren, um bei sich selbst zu sein.

In einer Art Tour-de-Force bilden fünfzehn Männer ein Kollektiv, welches immer wieder mit Ausreißern zu kämpfen hat. So wie unser heutiges Leben von Unsicherheiten und Krisen geprägt ist, sind auch die Darsteller permanent damit beschäftigt, sich neu zu sammeln, eine Einheit zu bilden und sich gegenseitig eine Stütze zu sein.

© Nurith Wagner-Strauss

Besteht die bis zur Erschöpfung agierende Gruppe aus Freunden, die zu Feinden geworden sind ? Oder sind es echte Kameraden, die hier wieder zusammenfinden? „Só eu tenho a chave desta parada selvagem“, so der Originaltitel auf Portugiesisch, ist eine ungeheuerlich befreiende Vorstellung, in der Empfindungen ohne Filter aufs Publikum einwirken. Calle präsentiert zwei Stunden lang zu den Klängen von Igor Strawinksky eine kraftvolle, vor Schweiß perlende Erzählung über Männlichkeit, die Den Blick schärft, befreit und auf etwas lenkt, was hinter der Fassade lauert, wenn wir nackt und verletzlich sind.

Es ist ein ständiges Geben und Nehmen, aus dem Calle mit ihren Darstellern ein Gesellschaftsbild formt und dabei einen Blick freigibt, der fortwährend ins Herz trifft. Ohne Dialog agieren die jungen und älteren Männer miteinander. Sie ringen, umarmen sich, küssen sich gar, um anschließend wieder davonzulaufen. Jede kleine Darstellung, jeder große Sprung, hat hier ein Gewicht. Im Jugendstiltheater am Steinhof wird mit der Vorstellung ein Raum für Gefühle und Gedanken geschaffen, der mittels gemeinsamer Interaktion zum Leben erweckt wird. Diese wilde Parade, betitelt nach einem Arthur Rimbaud-Gedicht, berührt und beschließt unsere diesjährige Festwochen-Berichterstattung mit einem ausschweifenden Paukenschlag.

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