Filmstill Sonne
© Stadtkino Filmverleih

Sonne – Kinostart

Kurdwin Ayubs fiktionales Langfilmdebüt SONNE trifft die Leinwand mit ernsten Themen, begleitet von frischem Humor und nahbarer Darstellung. Der Film, behandelt die Geschichte von Yesmin und ihrem Umfeld, welche sich durch Fragen der Identität, Zugehörigkeit, Religion, Freundschaft und Familie schlägt. Das alles inmitten des Chaos zwischen Selbstverwirklichungsdrang, Social Media und „Wer bin ich eigentlich?“

Ein Video von drei Mädchen, welche in Hijabs zu dem 90s-Hit „Losing My Religion“ tanzen und singen, eröffnet den Film. Dieses wird von einem grellen aufleuchten unterbrochen. SONNE!
Das Video landet auf YouTube und die drei Mädchen erlangen rasch, vor allem in der muslimischen Community Wiens, große Bekanntheit. Sie wollen zeigen, dass Frauen mit Kopftuch eben auch tanzen, singen und lustig sein können. Tatsächlich trägt von den Dreien jedoch nur eine im Alltag ein Kopftuch, Yesmin. Entlang ihres Erfolges wird die Freundschaft der drei Schülerinnen auf die Probe gestellt. Probleme in den Familien und in ihren Beziehungen zu sich selbst, zu anderen und zu ihrer Identität machen ihnen zu schaffen. Labelfindung wird beispielsweise sichtbar, als sich Yesmin als Kurdin, Bella sich als „Halbjugo“ und Nati sich als Österreicherin beschreibt, wobei sie alle in Österreich geboren wurden.

Filmstill Sonne
© Stadtkino Filmverleih

Generationsportrait, Social Media und (Herkunfts-)Identität

SONNE erforscht, wie junge Menschen versuchen, sich selbst zu beschreiben und ihre Identität zu finden. Dabei wird die Verwirrtheit und Identifikationssuche in Verbindung mit Herkunft aufgegriffen und der Neuerfindungsdrang einer jungen Generation widergespiegelt.

Das Chaos der Schnelllebigkeit wird mit häufig wechselnden Bildformaten unterstrichen. Der Dreh wurde mit einer Handkamera durchgeführt und die dadurch oft wackelige Kameraführung als Stilmittel, übermittelt ein Gefühl der Nähe zu den Geschehnissen. Videoeinschnitte im Social Media Format durch Instagram Feeds und YouTube Videos sind ein wichtiger ästhetischer sowie inhaltlicher Bestandteil. Inhaltlich, weil eben diese Medien einen großen Bestandteil der Identitätsfindung vieler Jugendlicher darstellt. Die häufige Integration dieser Formate lässt die Probleme der Darstellenden, sowie den gesamten Film noch authentischer wirken.

Entlang ihrer Reise halten die Protagonistinnen an manchen Labels fest und verabschieden sich zugleich von anderen, sie verlieren sich und erfinden sich wieder neu. Yesmins Familie nimmt im Film auch eine wichtige Rolle ein. Sie bricht mit typischen Klischees über muslimische Haushalte. Der Vater stellt den scherzhaften, etwas weniger strengen Elternteil dar, der seiner Tochter den Zugang zu einer Universität ermöglichen will und seinen Sohn gegebenenfalls auch mal ignoriert.

Oh life is bigger

It’s bigger than you

And you are not me

The lengths that I will go to

The distance in your eyes

Oh no I’ve said too much

I set it up

Losing My Religion
Lied von R.E.M.

The Hint Of The Century

„Losing My Religion“ zieht sich als Botschaft für alle Jugendlichen durch den Film.
„Losing My Religion“ als Phrase muss nicht zwangsweise mit Religion zu tun haben.
Im übertragenen Sinne kann sie auf den Glauben an eine Person oder eine Beziehung und in weiterer Folge an sich selbst und den eigenen klaren Verstand und dessen Verlust projiziert werden. Das Lied zieht sich, als roter Faden durch den Film und kann zeitweise wörtlich, aber auch als die düsterere Seite der Identitätsfindung gelesen werden. Teil davon sich selbst zu finden kann auch sein sich selbst und andere zeitweise zu verlieren.

Bei einer Auseinandersetzung mit den Inhalten kann angenommen werden, der Film sei sehr hart und düster. Tatsächlich ist der Film jedoch, wenn auch gefühlsvoll, durchsäht mit Situationskomik und sorgt für einige lustige Momente.

Premiere

In den österreichischen Kinos startet der Film am 9. September.

Im Moviemento in Linz wird am 13. September ein Special Screening stattfinden mit anschließendem Filmgespräch in Anwesenheit der Regisseurin Kurdwin Ayub. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Jugendschiene YAAAS! des Filmfestivals Crossing Europe statt. Wir verlosen in den nächsten Tagen 2×2 Tickets auf unserem Instagram-Kanal!

Kurdwin Ayubs fiktionales Langfilmdebüt wurde als Eröffnungsfilm bei der Diagonale 2022 gezeigt und erhielt unter anderem die Auszeichnung Bester Erstlingsfilm bei der diesjährigen Berlinale. (Für Interessierte: In einem Interview mit Kurdwin Ayub im Rahmen der Berlinale erzählt sie detailreich über ihren Prozess und ihre Ideen hinter dem Film, ohne große Spoiler: Berlinale Meets… Kurdwin Ayub).


Filmplakat Sonne

SONNE

Regie/Buch: Kurdwin Ayub, Österreich 2021
Darsteller*innen: Melina Benli, Law Wallner, Maya Wopienka
Kamera: Enzo Brandner
Schnitt: Roland Stöttinger
Originalton: David Almeida-Ribeiro
Szenenbild: Julia Libiseller
Kostüm: Carola Pizzini
Produktion: Ulrich Seidl Filmproduktion