In Extremo: Solide Kost
Der Wettergott war den vielen in schwarz gekleideten Gästen an diesem Samstag dann doch gnädig. Bei trockenem Wetter war die legendäre deutsche Rockband In Extremo zu Gast auf der Frischluft Bühne. Ein mehr als solider Auftritt, der Fans mehr als zufrieden gestellt hat. Support kam von der Power-Metal Band Dominum.
Es war dann doch eine Zitterpartie, den ganzen Tag hinweg. Hält das Wetter oder wäre dunkle Bademode wohl das bessere Outfit? Gott sei Dank war es dann ersteres. Wäre auch schade darum, denn eines muss man diesem Publikum auf jeden Fall zusprechen: nämlich einen kleidungstechnisch sehr guten und auch sehr abwechslungsreichen Stil, von der Farbwahl mal abgesehen. Auch ansonsten ein sehr angenehmes und motiviertes Publikum, dass in großer Anzahl erschienen ist.
Eins muss man aber dann doch sagen: Wenn In Extremo Sänger Michael Robert Rhein von der Bühne aus spricht, wie schön es ist, dass so viele Kinder, die doch ihre Zukunft sind, anwesend sind und dass diese ihr Taschengeld für den Besuch eines ihrer Konzerte ausgeben. Das klingt dann doch etwas wie Hohn, wenn man sich den Ticketpreis von 70 € vor Augen führt. Bandgröße und Produktionskosten hin oder her, das ist ein mehr als gesalzener Preis, den sich diese nächste Generation nicht zwangsläufig leisten kann. Auch nicht ideal für die Nachwuchsarbeit.
Dominum
Den Beginn machten Dominum aus Nürnberg. Weder mir noch glaube ich sehr vielen Besucher:innen an diesem Abend ein Begriff. Werden sie aber nach diesem Auftritt sein, denn der Auftritt war wirklich gut. Power Metal, der auch sehr viel mit typischen Bildern wie Kreuzen, nordischer Mythologie und Blut spielt. Sänger Felix Heldt könnte sofort irgendwo im tiefsten Norwegen als Pfarrer anfangen. Oder auch als Pfarrer im Spiel Outlast, wer es kennt.
Musikalisch war das dann sehr abwechslungsreich, muss man sagen. Das Schöne an Power Metal per se ist ja, dass er eigentlich immer funktioniert, eingängig ist, mit schnellen Beats viel Energie erzeugt und einfach Spaß macht. Dominum beschränkte sich aber nicht nur auf den klassischen Power Metal, wechselte nicht nur mit den Liedern, sondern auch innerhalb dieser immer wieder mal in klassischen Rock, Emo, Pop oder andere Richtungen. Auch Cover von unter anderem den Scorpions fanden sich im Programm und natürlich durfte ein Tribut für Ozzy Osbourne auch nicht fehlen. Obwohl das Publikum mit der Band nicht komplett warm wurde und bis auf die erste Reihe ruhig blieb, uns hat das sehr gut gefallen. Der Song The Dead Don’t Die lief am nächsten Tag öfters über die Anlage. Gerne wieder, well done!
In Extremo
Das Highlight waren dann aber natürlich In Extremo und ab jetzt war beim Publikum kein Halten mehr. Bereits ab dem Eröffnungssong Olafur war der Platz vor der sehr gut gefüllten Frischluft Bühne lautstark am Mitsingen. Das wurde mit jedem Song immer mehr und erreichte natürlich bei den letzten Hits Sternhagelvoll und Frei zu sein seinen Höhepunkt. Alles in allem wurde den Fans alles geboten, was sie wollten. Eine höchst motivierte Band, eine sehr abwechslungsreiche Setlist, die neben den Songs aus dem neuen Album Wolkenschieber auch die alten Hits und Alben beinhaltete. Ein perfekt abgemischter Sound mit nicht übertriebener, aber passender Lichtshow. Da fand man eigentlich nichts zum Aussetzen. Wobei eine Sache schon, die liegt aber zugegebenermaßen im Auge des Betrachters. So sehr man es natürlich positiv finden kann, dass ein Song den Toten und Verletzten des Amoklaufes von Graz gewidmet wird. Sosehr wirkt es dann aber wie billige Sympathie Hascherei, wenn das viele Wochen später in Linz von einer Band gemacht wird, die überhaupt keinen Bezug zur Stadt Graz hatte und hat. Kann man sich dann auch sparen, unserer Meinung nach. Ist aber zugegeben eine subjektive Ansicht, die das ansonsten wirklich großartige Konzert nicht weiter schmälern soll.
Fazit
Fans sind hochzufrieden, bisherige Verweigerer werden jetzt auch nicht zu neuen Verehrern. So lässt sich dieser Abend wohl zusammenfassen. Ein objektiv wunderbarer Konzertabend, dem eigentlich nichts fehlte, der das Publikum stimmlos und mit einem Lächeln zurückgelassen hat. Und mit Dominum eine sehr positive Überraschung hatte.
