Machine Head: Tourauftakt mit Wehmut
Tourauftakt in Linz: Machine Head aus Oakland starteten ihre aktuelle Europa-Tour am Dienstagabend im sonst oft beschaulichen Linz. Ein ausverkaufter Tourauftakt ohne Schnörkel und viel Pomp – und einem unfreiwillig traurigen Höhepunkt.
Stell dir vor, du bist in einer der angesagtesten Metal-Bands des Planeten. Stell dir vor, dass du gerade mit zwei Trucks voller Equipment aufbrichst, um eine große Europa-Tour zu spielen. Metal-Mekkas wie Wacken inklusive. Stell dir vor, dass Tausende nur deinetwegen Konzerttickets kaufen. Dann legst du in Linz an einem Dienstag einen ersten Tourstopp ein und lädst einen Teil des Equipments auf die große Posthofbühne. Weil das gesamte Setup nicht mal auf dieser Platz hätte. Du bist motiviert, um die Setlist ein erstes Mal live zu performen und 1200 Feierwütigen einen guten Abend zu bereiten. Und eine halbe Stunde vor Beginn des Konzerts kommt die Hiobsbotschaft. Ozzy Osbourne ist tot, und damit nicht nur der Wegbegleiter wohl fast aller Metal-Bands, sondern natürlich auch für Machine Head. Eine ganz, ganz besondere Stimmung also, die Robb Flynn und Co an diesem Abend ertragen und konzerttechnisch verarbeiten mussten.
Start in den Abend mit Black Inhale
Aber der Reihe nach. Denn einen heimischen (!) Support gab es auch, die sich ein paar Quadratmeter Bühne um 20 Uhr mit den Metal-Giganten Machine Head aus Kalifornien teilten. Black Inhale wurde diese Ehre zuteil, dem verstorbenen Prince Of Darkness wurde natürlich auch kurz gehuldigt. Die Combo aus Wien überzeugt mit Spielfreude und einem sehr eingängigen Mix aus Thrash-Elementen und Groove – das ohrwurmtaugliche A Doctrine Of Vultures sticht dann aber schon aus der knapp halbstündigen komprimierten Setlist heraus. Ein knappes, zusammengekürztes Set, das die feierwütige Meute schon früh aus dem SchaGaGa, dem schattigen Gastgarten des Posthofbeisls, in die Sauna des großen Saales trieb. Schön – und endlich mal wieder local Support!
machine Head: ohne Kompromisse
Die eingangs erwähnte Situation führte dann auch dazu, dass Machine Head sich dem Tode des Metal-Pioniers Ozzy Osbourne widmeten. Die Setlist wurde kurzerhand geändert, und mit den Black Sabbath-Klassikern War Pigs und Children Of The Grave ein Konzert eröffnet, dass das Attribut epic mehr als nur verdient hatte. Würdig und zurecht, diese Remineszenz an jemanden, der jede Metal-Band dieses Planeten beeinflusst hat. So auch Robb Flynn, dem man die ehrlichen Worte zu Ozzy zu jeder Zeit abkaufte. Und auch merkte, dass es für ihn und seine Truppe nicht einfach war, zu Business as usual überzugehen. Was folgen sollte, waren aber 130 Minuten (!) pure Ekstase, die spätestens mit den ersten Takten zu Imperium begann. Zudem hatte der Linzer Posthof schon lange kein so großes Light- und Stagesetup mehr gesehen, was das Dargebotene nur noch stärker unterstützte. Eine über zwei Stunden dauernde Metal-Messe, die auf der Setlist auch eine bunte Mischung aus der Machine Head’schen Diskografie beinhaltete. Von Ten Ton Hammer samt Aufblashämmern über das per Abstimmung ausgewählte Aesthetics of Hate bis hin zu neuen Songs wie BØNESCRAPER und BLEEDING ME DRY samt Basssolo. Gut aufgelegte Band, gut aufgelegte Crowd, die einen Circle Pit nach dem anderen anzettelte, beim Fangen von halbleeren Robb Flynn’schen Bierbechern aber noch Verbesserungspotenzial hat. Dazu eine Konfetti-Kanonen-Salve, wo die Reinigungskräfte des Posthofes wohl länger beschäftigt sind. Und spätestens wenn um kurz nach 23 Uhr mit Halo einer der Klassiker zuletzt gespielt wird, ist jeder happy. Und wehmütig natürlich auch. Aber dennoch: die wohl opulenteste Show des Jahres im Posthof bislang, wo auch Machine Head um nichts nachstanden. Hell yeah!
