Neuanfang & Nostalgie: Samu Haber in Moosburg
Der ehemalige Sunrise-Avenue-Frontsänger Samu Haber und seine Band statten dem Süden Österreichs am 26. Juli einen Besuch ab. Special Guests sind die österreichischen Acts Lemo und folkshilfe.
Das Kärntner Publikum erwartet den Finnen, der bis 2022 mit seiner Band Sunrise Avenue aktiv war und sich auch durch seine Tätigkeit als The-Voice-of-Germany Coach im deutschsprachigen Raum einen Namen machen konnte. Nun tritt er die Reise aus Finnland nach Österreich an – erstmals mit seinem aktuellen Soloalbum im Gepäck.
Party und Flashbacks mit Lemo

Der österreichische Musiker Lemo läutet den Abend um 18 Uhr mit einer Mischung aus Radiohits und neuen Titeln ein. Seine mitreißende Begeisterung und eingängigen Melodien sorgen bereits in der ersten Dreiviertelstunde des Konzertabends für Stimmung. Das Publikum habe Party im Blut, bemerkt der Sänger sichtlich erfreut, genau wie er in seiner wilden Jugend. Eine Zeitreise dorthin zurück gibt es in Alte Seele. Viele seiner Songs handeln vom Thirtysomething-Sein oder von früher. Einige wenige Zuschauende, die Hits wie „So wie du bist“ noch nicht überzeugen, werden spätestens beim Münchner-Freiheit Cover Ohne dich (schlaf‘ ich heut Nacht nicht ein) endgültig aufgeweckt.
Folkshilfe sind musikalisch bunt

Die Selbstbezeichnung „interaktive Band, die nirgendwo wirklich hinpasst und deswegen überall“ nimmt man dem Austropop-Trio sofort ab. Musikalisch sind folkshilfe irgendwo zwischen Quetschn und Synthesizer angesiedelt. Mit Najo eh wird das Publikum begrüßt und von Anfang bis Ende zum Mitsingen und -klatschen aktiviert. Vor allem Titel wie Mir laungts oder Schena Mensch scheinen vielen gut bekannt zu sein. Auch ihr aktuelles Album bunt zeigt, was die Gruppe zu bieten hat.
Austrian Audience Never Fails
Pünktlich um 20:45 betritt dann endlich Samu Haber die Open-Air-Bühne. Er startet mit mehreren Songs aus seinem aktuellen Album Me Free My Way. Dass er auch ohne Sunrise Avenue etwas drauf hat, wird so rasch klar. Auch Fans der mittlerweile aufgelösten Band kommen aber auf ihre Kosten. So ist bereits der vierte Song Lifesaver ein Hit der Band, bei dem viele Hände nach oben gehen. Nach einer Begrüßung mit charmantem Akzent und einem Lob ans österreichische Publikum fliegen dem Sänger und seiner Band immer mehr Sympathiepunkte zu. Das Vorurteil der finnischen Distanziertheit erfüllt er keinesfalls. Er nähert sich im Bühnengraben den vordersten Zuschauer:innen und überlässt manchen sogar für einzelne Songzeilen sein Mikrofon. Gegen Ende erklärt sich, warum so viele selbst gemalte Plakate hochgehalten werden: Samu Haber holt drei Fans als Backgroundtänzerinnen zu sich auf die Bühne, wo sie ihm einen ganzen Song lang die Show stehlen dürfen.
A Little Bit Crazy
Während bei der Sunrise Avenue-Hymne Heartbreak Century viele Stimmen aus dem Publikum zu hören sind, traut Haber ihm beim Song Hiljaisuus etwas zu viel zu – einen finnischen Refrain mitzusingen übersteigt dann doch die kollektiven Fähigkeiten. Auch ernstere Themen finden auf humorvolle Weise Platz auf Samu Habers Konzerten. Er spricht kurz das in seinen Songs präsente Thema mentale Gesundheit und Therapie an und meint: „There is nothing to be ashamed of, we are all a little bit crazy“. So leitet er zum Titel Crazy über, bei dem unter anderem Kuhglocken als ungewöhnliche Instrumentalbegleitung dienen. Ein bisschen crazy wird es auch bei Elephant, hier scheint es die Tradition zu geben, dass Fans in den ersten Reihen Plüschelefanten mitbringen und ein rhythmischer Publikumschor entsteht, der tatsächlich entfernt an eine Elefantenherde erinnert.
I Don’t Wanna Go
Das Publikum hat kaum Zeit, eine Zugabe zu fordern, so schnell rast der Sänger wieder auf die Bühne zurück und performt Fairytale Gone Bad, einen der ersten Sunrise-Avenue Hits. Danach stellt er in seinem aktuellen Song Seasons unter Beweis, dass seine Hände nicht nur auf der Gitarre, sondern auch am Klavier geübt sind. Hollywood Hills kann bereits nach den ersten Takten als Höhepunkt des Abends deklariert werden. Die Konzertbesucher:innen geben ein letztes Mal alles, was nach drei Performances und vier Stunden noch an Energiereserven vorhanden ist. Die Zeile I don’t wanna go legt sich wie eine euphorische Gruppenumarmung über die Schlosswiese und wird wohl viele als Ohrwurm nachhause begleiten.
Fotos: Luisa Angermann
