skunk anansie posthof linz
Foto: Christoph Leeb

Skunk Anansie: eine Audienz

Sie zählen zu den wichtigsten Vertreterinnen des Alternative-Rocks der späten 90er und Anfang der 2000er: Skunk Anansie. Im Rahmen des ausverkauften Konzerts im Linzer Posthof am Samstag wurde deutlich, dass sie auch 2025 nichts an Relevanz eingebüßt haben.

Samstagabend, Traumwetter, ausverkauftes Haus auf der Posthof Frischluft-Stage. Und das, obwohl die ganze Stadt auf den Beinen zu sein schien. Pflasterspektakel, Holi-Festival, erste Fußballhighlights. Aber auch ein Konzert im Posthof, das zurecht ausverkauft und umjubelt war. Mit Skunk Anansie waren wahre Legenden zu Gast, die sich aktuell mit der Platte The Painful Truth eindrucksvoll zurückgemeldet haben.

Tigress: heimliches Supporthighlight

Alle Konzertbesucher:innen, die vom Gastgarten bereits zu früher Stunde aufs Konzertgelände gewechselt waren, wurden dafür mit einer Supportband belohnt. Eine Supportband namens Tigress, die die frühe Beginnzeit vor schon relativ großer Schar vor der Stage perfekt nutzte. Tigress stammen aus Chelmsford und haben sich ebenso wie der Headliner des Abends ihre Wurzeln im Alternative Rock und mit Are You B-O-R-E-D? gerade ihre zweite Platte unter diesem Bandnamen veröffentlicht. Vor allem Frontfrau Katy Jackson zeigt sich motiviert und stimmlich auf der Höhe. Und hey, ehrlich gesagt – jede Band, wo die Saiteninstrumenten-Bearbeiter von Windmaschinen unterstützt werden, kann man eigentlich ja nur gut finden, oder? Ein kurzes, intensives Vergnügen, das durchaus Lust auf eine Clubshow machen würde!

Skunk Anansie: und wehe, wenn sie losgelassen …

Was eine kurze Umbaupause später folgen sollte, lässt sich schwer in Worte beschreiben. Dass Deborah Anne Dyer alias Skin zu den Frontdarstellerinen der Marke „Rampensau“ (diese Bezeichnung sollte im Rahmen des Konzertes noch wörtlich genommen werden) war vorher schon bekannt. Dass Skunk Anansie aber derart abliefern werden, überraschte dann aber doch. Auf hohem Niveau, wohlgemerkt. Dass die Band politisch ist: klar. Das wird auch auf der neuen Platte deutlich, wo Songs wie An Artist Is An Artist auch eine Portion Ironie hineinbringen. Während Songs wie Animal klingen, als wären sie eh immer schon da gewesen.

Auch Songs wie Shame fügen sich nahtlos in die Setlist ein, wenngleich natürlich die Hymnen wie Hedonism oder Weak As I Am besonderes Eskalationspotenzial bieten. Schade nur, dass es neun Jahre bis zum aktuellen Album gedauert hat – gesundheitsbedingt, und danach gabs ja auch noch eine Pandemie. Die Band selbst? Merklich gut aufgelegt, Skin unternimmt nicht nur einen Stagedive-Ausflug ins Publikum, sondern reitet auch auf einem überdimensionierten Schwein über den Posthof-Konzertparkplatz vulgo Frischluft-Stage. Ein Konzert, das auch im Zugabenblock wenige Wünsche offenließ. Auch ein AC/DC-Track namens Highway To Hell findet seinen Platz in der Setlist, und hätte es keinen Curfew um 22 Uhr gegeben, die Band hätte wohl noch weiter gemacht. Sollte man eine Floskel für das Konzert suchen: Tear The Place Up war hier mehr als nur Programm eines Gigs, der ganz weit oben auf der Best-of-Posthof-Shows steht!

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockey- und Fußballfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.