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Foto: Christoph Leeb

Roy Bianco: mit Haltung im Schlagerstrudel

Freitagabend: Bella Napoli in Linz. Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys gastierten an diesem ausverkauften Konzertabend im Posthof Linz. Eine Italo-Schlagernacht, wo sogar der Wettergott ein Einsehen hatte und das Weinen einstellte.

Restlos ausverkauft, seit langem. Das Gastspiel der Bayrischen Italo-Disco-Formation Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys brachte so etwas wie italienische Lebensfreude ins an diesem Tag verregneten Linz. Zumindest die Lebensfreude, die uns Acts wie Eros Ramazotti, Umberto Tozzi, Adriano Celentano, Gianna Nannini und viele mehr als die Freude ihrer Heimat verkaufen wollen. Roy Bianco und seine Boys nehmen dabei auch im Rahmen ihrer Tour zu ihrem dritten Album Kult so gut wie jedes Klischee, das diese Musikrichtung zu bieten hat, aufs Korn. Haben sie ja auch schon 43 Jahre Bandgeschichte – gleich viele wie in den letzten Jahren – auf dem Buckel, oder so. Das Publikum: buntest gemischt, gehüllt in Roy Bianco-Merch. Wahlweise angelehnt an den SSC Napoli oder bekannte Schlager-Festivals, denen hier im Schlagerstrudel gehuldigt werden sollte.

Eröffnung mit Nikotin

Aber der Reihe nach: denn Support pünktlich um 19 Uhr – ja, so bald, Curfew um 10 Uhr abends sei Dank – gab es auch. Der stammte an diesem Freitag aus Wien und hörte auf den Namen Nikotin. Nun, eine halbe Stunde Settime sind jetzt nicht unbedingt üppig, wurde durch Nikotin aber dann doch bestmöglich und motiviert genutzt. Spaßige Selbstcharaktarisierungen sind ja immer so eine Sache – Nikotin triffts auf Instagram aber auf den Punkt. Da gibt’s Bezeichnungen wie Bohemian Punk und Rambazamba – das fasst das musikalische Happening auf der Bühne dann auch gut zusammen. Rosa Schnee, Kaiser von Österreich, 1010 – da ist eine gehörige Portion Ironie im zeitgenössischen Pop dabei, dem aktuell viele Wiener Acts fröhnen. Macht Spaß, schönes Aufwärmprogramm für den Ausflug in die Spiaggia, die danach folgen sollte!

Roy Bianco: Über den Brenner nach Neapel

Nun, Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys sowie ihre Fanschar sind in den letzten Jahren gewachsen. Ihre Konzerte? Fast so überrannt wie die Strandbäder zwischen Caorle und Rimini, ihr Humor seit drei Alben und ihrem Debut Greatest Hits aus dem Jahr 2020 fast unverändert. Es folgten Mille Grazie und aktuell Kult, die der Sehnsucht nach italienischen Nächten neuen musikalischen Nachschub gegeben haben. Das funktioniert immer noch, oder vielleicht besser denn je, denn als Roy Bianco die ersten Takte von Quanto Costa ins Mikrofon trällert, kennt die Crowd kein Halten mehr. Und hey, hier ist alles live – egal ob Cosenza bei Nacht besungen oder Santorin gehuldigt wird. Auch wenn die Insel nicht in Italien liegt – auch wurscht, was zählt ist die Lebensfreude.

Ernsthafter wird’s zwischendurch, wenn Roy Bianco gegen Intolerante auf Konzerten auftritt (die es unserer Beobachtung in Linz nicht gegeben hat) und betont wird, dass sich jede:r an diesem italienischen Abend wohlfühlen soll. Ekstatisch wird’s bei der Anreise über die Brennerautobahn, tanzbar bei der Rimini Disco, und bei Bella Napoli (in der Originalversion) gibt es endgültig kein Halten meh. Und so manch Konzertbesucher würde auch als Tifosi in einer italienischen Fußball-Kurve keine ganz schlechte Figur machen. Einen Ausflug ins Publikum mit akustischem Schlagerstrudel gibt’s auch, und spätestens wenn Weiße Rosen über die Lautsprecher erklingen, ist um gut 21:30 Uhr jeder happy. Egal ob mit Bier oder Vino Bianco.

Fazit

Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys sind ein Phänomen. Es ist erstaunlich, dass es schon drei Alben lang funktioniert, dem Italo-Schlager musikalisch-ironisch zu begegnen. Zweistellige Millionenstreams auf diversen Streamingdiensten zeugen davon, dass die Geschichte immer noch nicht zu Ende erzählt zu sein scheint. Spaß scheint es der Combo auch immer noch zu machen – und hey, hier ist zumindest alles live und handgemacht bei einem Konzert. Eine Band, deren Reise nach Neapel man sich gerne anschließen möchte!


Foto: Christoph Leeb

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockey- und Fußballfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.