Szene Openair 2025: Regen, Schlamm und noch mehr Regen …
Schlechtes Wetter ist mittlerweile nichts Neues mehr beim Szene Openair in Lustenau. Das zeigte sich auch dieses Jahr wieder, aber mit Gummistiefeln, Regenponcho und Auftritten von etwa Provinz, Ski Aggu und Ikkimel störte das dort niemanden.
Wenn in Lustenau das Szene Openair startet, heißt das drei Tage Ausnahmezustand direkt am Alten Rhein. Camping, laute Bässe und tausende Menschen, die gemeinsam feiern. Das besondere daran? Es wird einzig und alleine durch die Mitarbeit von hunderten freiwilligen Helfer:innen ermöglicht. So gehört das Festival schon seit Jahrzehnten zum Sommerprogramm in Vorarlberg. Auch fast immer mit dabei ist schlechtes Wetter und ganz viel Schlamm.
2025 startete das Szene Openair wieder typisch. Tage voller Regen hatten das Gelände schon im Vorhinein in eine Schlammlandschaft verwandelt. Pünktlich zum Festivalauftakt riss der Himmel aber auf und es gab sogar die ein oder anderen Sonnenstrahlen. Das hielt aber leider nicht lange an, die gute Stimmung blieb jedoch trotzdem. Schließlich konnte man auf 3 Tage und mehrere Bühnen aufgeteilt die verschiedensten musikalischen Highlights live erleben:
JULIA ZISCHG
Die Mainstage des diesjährigen Szene Openair durfte eine lokale Musikerin eröffnen. Ihr Name ist Julia Zischg und gemeinsam mit einer kleinen Band performte sie ihre emotionalen Songs vor den ersten Zuschauer:innen. Während ihres Auftritts füllte sich das Festivalgelände langsam und ruhig, passend zu ihrer Musik. Die Show war zwar noch nicht wirklich fürs Feiern geeignet, aber das Publikum tanzte trotzdem schon voller Freude mit. Party gab es dann später eh noch genug.
Leap
Direkt als Nächstes kam mein persönliches Highlight des Festivals. Wie sich nach ihrem Auftritt herausstellte, auch zu Recht. Die englische Rockband Leap stach aus dem überwiegend deutschsprachigen Line-up schon von Anfang an heraus. Ihre energiegeladene Performance und sympathische Art aber noch mehr. Frontsänger Jack interagierte viel mit dem Publikum und sorgte sogar selbst für die ersten Moshpits des Festivals. Nach ihrer Performance nahmen sie sich sogar noch einige Zeit für ihre Fans. Man konnte Fotos machen, sich ein Autogramm holen oder den Festivaltag einfach mit ihnen ausklingen lassen.
Ennio
Ein weiterer Act, der auf der großen Bühne spielen durfte, war Fan-Liebling Ennio. Es war nicht sein erstes Mal beim Szene Openair und das merkte man. Das Publikum liebte ihn und er auch das Festival. Seine deutschen Indie-Pop-Songs regten wieder zum Tanzen und Mitsingen an. Während seinem Auftritt zeigte sich auch das erste Mal am Donnerstag die Sonne. Vielleicht hatten wir das seinem warmen Auftreten beim Singen zu verdanken.
YU
Direkt darauf folgte Yu auf der Szene Bühne. Bei seinen Auftritten muss das Publikum wirklich alles geben. So begann er erst seine Performance, als alle in die Knie gegangen sind. Natürlich kam es dann auch zum ein oder anderen Moshpit während seines Sets. Yus selbstbewusstes Auftreten und die Energie seiner Show erinnert sehr an den englischen Sänger Yungblud. Sogar einen Special Guest hat er mitgebracht. Für den 3. Song holte er den Sänger Bac, den wir eh schon vom diesjährigen Lido Sounds kennen, auf die Bühne, um mit ihm gemeinsam zu singen.
Domiziana
Als nächstes performte dort die deutsche Sängerin Domiziana. Sie ist vor allem durch ihren Hit Ohne Benzin bekannt. Diesen und viele andere sang sie bei ihrem Auftritt am Szene Openair. Teilweise gemeinsam mit ihrem DJ Baran Kok. Die erste Reihe war stets gefüllt mit Fans von den beiden, aber auch der Rest des Publikums feierte mit. Ihre Show war so mitreißend, dass man nicht einmal alle Songs kennen musste, um eine gute Zeit zu haben.
Provinz
Headliner vom Donnerstag war die deutsche Indie-Pop-Band Provinz. Sie haben schon bei ihren Konzerten in Linz und Wien bewiesen, dass sie den Platz auf dem Line-up mehr als verdient haben. Auch beim Szene Openair überzeugte ihre Performance wieder. Sogar noch ohne Regen konnte man Songs wie Pazifik, Tanz für mich und Wenn die Party vorbei ist live genießen. Für ein Lied holten Provinz sogar Ennio erneut auf die Bühne, um mit ihnen gemeinsam zu singen.
ClockClock
Abgeschlossen wurde der erste Festivaltag von der deutschen Band mit wohl den meisten Radiohits in nur kürzester Zeit – ClockClock. Ihr Name sagt einem vielleicht nichts, aber Songs wie Someone Else und Brooklyn hat bestimmt jede:r schon einmal gehört. Zur Performance kann man eigentlich nicht viel sagen, außer dass sie definitiv würdig für die Mainstage war. Dem Publikum gefiel es auf jeden Fall, immerhin zeigte es sich teilweise sogar textsicher.
Kamrad
Am Freitag wurde der Regen um einiges mehr und so die Motivation, möglichst viele Acts zu sehen, deutlich weniger. Die einzigen paar Sonnenstrahlen des Tages bekam das Set vom deutschen Singer-Songwriter Tim Kamrad ab. Er ist vor allem für seine klassischen Radiolieder I Believe und Be Mine bekannt. Seine Performance war passend dazu auch eher basic, aber den Zuseher:innen machte das nichts aus.
Esther Graf
Was FLINTA-Artists (Frauen, Lesben, inter, nichtbinäre, trans & agender Personen) betrifft, gab es beim Festival nicht ganz so viel Auswahl. Eine, die man darum auf keinen Fall verpassen durfte, war Esther Graf. Die Österreicherin performte auf der Szene Bühne vor einem Publikum mit allen Altersklassen ihre deutschen Pop-Songs. Dass es sogar da, trotz des schlechten Wetters und dem matschigen Boden, zu Moshpits kam, hätte ich echt nicht gedacht.
Ski Aggu
Ski Aggu ist aus der deutschen Musikszene nicht mehr wegzudenken und typischer Headliner von den diesjährigen Festivals. Beim Lido Sounds in Linz hat er schon gezeigt, wie viel Stimmung er machen kann. Das tat er hier wieder, sogar mit verletzen Fuß und heftigem Regen während seines Auftritts. Das Publikum hatte lange auf die Show gewartet und darum das schlechte Wetter so gut wie es ging einfach ausgeblendet. Die Moshpits zu Songs wie Party Sahne und Friesenjung wurden dann einfach zu einer kleinen Schlammschlacht umgewandelt.
Zsá Zsá
Die von den wilden Hühnern macht auch Musik? Ja, genau und das vom Stil her in eine ganz andere Richtung als die Filme. Zsá Zsá startete erst dieses Jahr mit ihrem Hit bad bunnies so richtig durch, obwohl sie schon viel länger in der Branche tätig ist. Am letzten Tag vom Szene Openair perfomte sie dann diesen und weitere Deutschrap-Songs vor dem durchnässten Publikum. Für sie war es ein besonderer Auftritt, denn beide ihre Omas waren vor Ort, welche sie dann für das letzte Lied auf die Bühne holte.
Mathea
Eine weitere starke Performance einer Frau gab es dann von Mathea. Die Österreicherin kennt man schon länger durch ihre Radiohits 2x und Chaos. Der starke Regen und matschige Boden machte den Zuseher:innen bei ihrem Auftritt gar nichts aus. In den ersten Reihen waren schließlich wahre Fans von ihr. Diese hatten sogar ein kleines Fanprojekt vorbereitet: Bei einem ihrer Songs hielten sie Zettel mit der Aufschrift I love Mathea hoch.
Anda Morts
Nach Mathea durften wir dann einen Linzer auf der Szene Bühne begrüßen. Anda Morts ist mit seiner Indie-Punk-Musik weit aus mehr als nur in Oberösterreich bekannt. Trotz des weiterhin sehr schlechten Wetters konnte er das Publikum zum Mittanzen und Mitsingen motivieren. So wurde gemeinsam zu Songs wie Sie und Adidas Für Mama abgegangen.
Christina Stürmer
Weiter im Programm ging es dann mit noch mehr Musik aus Oberösterreich. Mit über 20 Jahren Bühnenerfahrung gehört Christina Stürmer längst zu den Klassikern der deutschen Pop-Rock-Szene. Bei ihrem Auftritt überzeugte sie genau wie Früher mit Hits wie Nie genug und Seite an Seite. Außerdem dokumentierte sie das Ganze für ihre MTV-Unplugged Reihe.
Eli Preiss
Eine gute Einstimmung auf Ikkimel war die Wiener Sängerin, Rapperin und Songwriterin Eli Preiss. Sie begeisterte mit selbstbewussten Texten und genreübergreifendem Sound. In Songs wie Bussi und Wein in Wien thematisierte sie weibliche Selbstbestimmung mit persönlicher Note. Ihr Auftritt kam vor allem beim jungen Publikum sehr gut an.
Ikkimel
Ein bisschen später war es dann auch schon an der Zeit für Ikkimel. Für viele war sie ein Highlight vom Festival, so auch für mich. Entweder mag man ihre provokanten Texte, oder eben nicht. An ihrer energiegeladenen Performance konnte aber keiner etwas aussetzten. Als sie dann passend zu den Lyrics „ein Mann bleibt ein Mann und ein Hund bleibt ein Hund“ einen freiwilligen Typen aus der Crowd für den Song „Böser Junge“ in den Hundekäfig auf ihrer Bühne sperrte, kassierte sie einige verstörte Blicke des älteren Publikums. Ein weiterer Höhepunkt ihrer Show war, als sie gemeinsam mit Paul von 01099 den gemeinsamen Hit „Nachtschicht“ sang.
01099
Die Ehre das Festival abzuschließen hatte die deutsche Rapcrew 01099. Ob das wirklich verdient war, war etwas umstritten, aber abgeliefert haben sie auf jeden Fall. Gustav, Zachi und Paul bringen einfach eine ganze Ladung Energie und gute Laune mit auf die Bühne. Da fällt der Fakt, dass ein wenig Autotune im Spiel ist, fast gar nicht auf. Neben Songs wie „Küssen“ und „Pistazieneis“ gab es auch eine Karaoke-Session mit einem Fan auf der Bühne.
Fazit
Müsste ich das diesjährige Szene Openair in einem Wort beschreiben, würde ich „Erlebnis“ wählen. Im Großen und Ganzen war es ein gut organisiertes Festival mit einem vielseitigen Line-up. Meine persönlichen Highlights waren Leap, Ikkimel und Zsá Zsá. Hat es sich trotz dem extrem schlechten Wetter ausgezahlt nach Vorarlberg zu fahren? – JA! Wäre es ohne Regen und Schlamm besser gewesen? -JA! Wenn nächstes Jahr das Wetter mitspielt, sieht man sich vielleicht noch ein zweites Mal.
Fotos & Text: Simone Grübl
