Sziget 2025: Coachella hier in Europa
Meistens wird das Coachella als bestes Musikfestival der Welt bezeichnet. Sobald man aber beim Sziget in Budapest war, weiß man, dass es eigentlich den Titel verdient hätte. Das hat es dieses Jahr von 6. bis 11. August 2025 mit Acts wie Charli XCX und Shawn Mendes wiedermal bewiesen.
Schon seit mehr als 30 Jahren wird die mitten in Budapest gelegene Donauinsel Óbuda einmal jährlich zum Festivalgelände umgewandelt. Dort entsteht für eine Woche das wohl vielfältigste und größte Musikevent der Welt – das Sziget. Menschen aus aller Welt reisen an, um auf der sogenannten „Island Of Freedom“ gemeinsam zu Singen, Tanzen und Feiern. Neben den internationalen und nationalen Acts gibt es dort noch so viel mehr zu entdecken. Das Sziget ist nicht nur ein Festival, es ist ein Erlebnis!
Die Vorfreude auf die diesjährige Ausgabe war unglaublich groß. Hauptsächlich wegen dem sehr coolen Line-up und dem wunderschönen Wetter. Für mich ging es dann am 6. August zum ersten Mal nach Budapest sowie aufs Sziget und ich wurde direkt von einer angenehmen Atmosphäre begrüßt. Fast eine ganze Woche konnte ich dann eins der größten Festivals erkunden und einige meiner Lieblingsmusiker:innen live erleben:
Palaye Royale
Nachdem ich den Auftritt von Alessi Rose durch die etwas lange Schlange bei der Sicherheitskontrolle leider verpasst hab, ging es direkt zu der amerikanischen Rockband Palaye Royale. Die 3 Brüder Remington Leith, Sebastian Danzig und Emerson Barrett machen schon seit 2008 gemeinsam Musik und das spiegelte sich auch in ihrer starken Performance wieder. Interaktionen mit dem Publikum, wie das Crowdsurfing auf einem aufblasbaren Schlauchboot, sind ein fixer Bestandteil ihrer Show. Genau das und ihre generell sehr gute Musik war der perfekte Start in die Festivalwoche.
Charli XCX
Direkt darauf folgte auch schon das Highlight von mir und den meisten Festivalgästen – Charli XCX. Nach dem Release ihres Albums „Brat“ letztes Jahr ist sie nicht mehr aus der aktuellen Popszene wegzudenken. Laut ihr ist der „Bratsummer“ aber noch lange nicht zu Ende und das zeigt sie auch mit ihrer Performance immer wieder. Dazu gehört Tanzen, auch im Regen, und ganz viel Partystimmung. Für das Publikum ist ihre Show im Prinzip ein Workout. Schließlich ist es unmöglich bei Songs wie „Guess“ und „Von dutch“ still zu stehen. An sich war es für mich das erste Konzert von Charli und ich würde alles tun, um es noch einmal erleben zu können.
Kenya Grace
Der erste Festivaltag war an dem Punkt noch lange nicht vorbei, denn das Sziget bietet auch immer ein Top-Nachtprogramm. Kenya Grace stand da als erstes auf meiner Liste. Sie kennen wir schon vom diesjährigen Lido Sounds, wo sie mich aber nicht 100 Prozent überzeugt hatte. Beim Sziget fand ich das Zeitfenster und das Publikum für ihre elektronische Musik auf jeden Fall viel passender. Es hat sich also ausgezahlt ihrer Show nochmal eine Chance zu geben.
Empire Of The Sun
Weiter ging es dann mit dem australischen Musikduo Empire Of The Sun. Sie gibt es in dieser Konstellation schon seit 2007, jedoch sind besonders ihre Songs „We Are The People“, „Walking On A Dream“ und „Alive“ gerade jetzt wieder mega im Hype. Das zeigte sich auch bei ihrer Performance. Die Revolut Stage war prall gefüllt und die Crowd rastete bei den Liedern förmlich aus. Für mich selbst war es auch einer der magischsten Auftritte.
The Dare
The Dare am selben Tag wie Charli spielen zu lassen ist immer eine gute Idee, denn die beiden sind nicht nur gute Freunde, sondern haben auch die gleiche Fanbase. Er wird immerhin in einem ihrer Songs erwähnt und bei ihrem Auftritt fragte sie, wer nachher noch zu seiner Show geht. Mir brauchte man das nicht zweimal sagen, denn ich wollte The Dare ohnehin schon lange live sehen. Was soll ich sagen, er kann genauso wie Charli die Menge zum Feiern bringen. Sein Mix aus DJ und Sänger war definitiv die beste Performance, die ich je um drei Uhr in der Nacht gesehen hab und an sich auch eins meiner Festival-Highlights.
Caity Baser
Nach einer sehr langen Nacht startete ich in den zweiten Tag mit Caity Baser. Die Britin macht relativ klassische Popmusik und auch ihre Performance war nicht unbedingt außergewöhnlich. Das Publikum wirkte leider auch noch ein wenig verschlafen. Im Großen und Ganzen war es trotzdem ein netter Auftritt, den ich aber schon jetzt nicht mehr wirklich in Erinnerung hab.
The Beaches
Als nächstes ging es zur Mainstage, wo gerade The Beaches performten. Sie sind eine kanadische Girl-Rockband und ich hab schon oft von ihnen gehört, aber sie tatsächlich vorher noch nie live gesehen und auch keinen ihrer Songs gekannt. Vom Vibe her erinnern sie sehr stark an The Last Dinner Party, die dann ein paar Tage später auch noch aufgetreten sind. Die Performance von The Beaches hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen und ich hätte gerne noch mehr von ihnen gesehen.
Balu Brigada
Balu Brigada ist eine der Bands, auf die ich mich im Vorhinein schon sehr gefreut habe. Sie besteht aus den beiden neuseeländischen Brüdern Henry und Pierre Beasley. Seit ich sie im April als Support von Twenty One Pilots in der Wiener Stadthalle gesehen hab, bin ich ein großer Fan ihrer Musik, vor allem von dem Song „Backseat“. Beim Sziget hat mich ihr Auftritt erneut überzeugt und er war auch im Nachhinein eins meiner Highlights vom ganzen Festival. Ihre rockige Indie-Musik war einfach perfekt für den zweiten Tag. In zwei Wochen erscheint übrigens ihr Debütalbum „Portal“.
Shawn Mendes
Headliner am 7. August war Fan-Liebling Shawn Mendes. Nach einer kleinen Pause für seine mentale Gesundheit ist er mit einigen Festivalshows zurück. Sein Auftritt war aber nicht nur für das Publikum besonders, sondern auch für ihn selbst. Es war bereits sein zweites Mal beim Sziget und dieses Jahr konnte er gemeinsam mit über 60.000 Zuseher:innen in seinen Geburtstag reinfeiern. Er ist jetzt zwar bereits 27, seine Musik und sein Auftreten hat sich jedoch gar nicht verändert. Shawn bringt immer noch dieselbe positive Energie und Freude auf die Bühne. Auch seine unzähligen Hits wie „There’s Nothing Holdin‘ Me Back“ oder „In My Blood“ werden weiterhin geliebt. Ich finde man muss ihn einfach einmal live gesehen haben und das Sziget war definitiv die beste Möglichkeit dafür.
Scarlet Pleasure
Den dritten Festivaltag verbrachte ich hauptsächlich bei der Revolut Stage. Den ersten Auftritt, den ich dort sah, war von der Band Scarlet Pleasure. Vorher stellte ich mir noch die Frage, warum genau ein dänisches Trio bei einem Festival in Ungarn spielt. Als ich dann aber die ersten Reihen gefüllt mit Fans von ihnen sah, machte es natürlich Sinn. Das Publikum war im Prinzip eine Versammlung aller Dänen vom Festival und man konnte auch einige große Dänemark-Flaggen entdecken. Für alle anderen war es trotzdem auch eine coole Show, denn ihre Musik ist immerhin auf Englisch und sie konnten richtig gut Stimmung machen.
The Kooks
Danach ging es für mich einmal zur Mainstage für die britische Indie-Rock Band The Kooks. Sind sind zwar erst im Nachhinein zum Line-up hinzugefügt worden, um für Michael Kiwanuka einzuspringen, aber das fand ich in dem Fall sogar gut, denn ich wollte sie ohnehin schon einmal live sehen. Letztes Jahr beim Lido Sounds hab ich sie ja leider verpasst. Auch die Crowd war sehr happy mit ihrem Auftritt. Bei Songs wie etwa „Naive“ und „Seaside“ sang fast jede:r mit.
Blossoms
Ich würde nicht für viele Musiker:innen auf einen Headliner verzichten, aber für Blossoms definitiv. Sie gehören, seitdem ich sie zweimal als Vorband von Inhaler gesehen hab, zu meinen absoluten Lieblingsbands. Wie man schnell merkte, bevorzugten viele andere auch englische Indie-Musik über den amerikanischen Rapper Kid Cudi, denn die Revolut Stage war prall gefüllt. Ich spreche glaub ich für die Mehrheit, wenn ich sage, dass es die richtige Entscheidung war. Blossoms und ihre Show fühlen sich wie eine Zeitreise in die 80er an. Ganz viel Tanzen und das Singen auf den Schultern von jemandem gehören da einfach dazu.
Sevdaliza
Nach drei ganzen Tagen Festival wurde der Schlafmangel langsam bemerkbar. Am Samstag schaute ich darum nicht ganz so viele Auftritte. Für Sevdaliza ging ich aber gerne zur Mainstage. Sie wurde mir von einigen vorher empfohlen und obwohl mir ihr Name nichts sagte, kannte ich sogar den ein und anderen Song wie zum Beispiel „Alibi“. An sich war sie nicht schlecht und hatte auch ein paar sehr coole Dance-Breaks, aber ich wusste da geht noch mehr.
FKA Twigs
Was eine wirklich gute Show ist, zeigte mir dann kurz darauf FKA Twigs. Auch sie kannte ich vorher nicht wirklich und sie war ebenfalls eine Empfehlung, die ich sehr oft bekommen hatte. Den Hype um sie und ihre Konzerte kann ich jetzt aber absolut verstehen. Ihre Performance ist nicht nur ein bisschen Singen und Tanzen, es ist Kunst! Ich hab noch nie so viele talentierte Tänzer:innen und einen so kreativ konzipierten Auftritt auf einer Bühne gesehen. Dazu kam dann auch noch ihre sympathische Art und der Fakt, dass sie auch ihre Crew in das Rampenlicht lies. Man muss ihre Musik nicht einmal mögen, um von ihrer Show zum Stauen gebracht zu werden.
Ecca Vandal
Der vorletzte Festivaltag startete für mich wieder bei der Revolut Stage, die bisher unter anderem perfekt war, um neue Musiker:innen zu entdecken. Darum wollte ich dort gerne die australische Singer-Songwriterin Ecca Vandal sehen. Ihre Alternative/Indie-Musik ist vielleicht nicht für jede:n etwas, aber mir hat sie sehr gut gefallen. Das gleiche gilt auch für ihre sehr energetische Performance.
Isabel LaRosa
Eine Sache die mir beim Sziget auch sehr positiv aufgefallen ist, war die Anzahl an FLINTA-Artists beim Line-up. Am Sonntag hatte ich zum Beispiel die Möglichkeit eine starke Frau nach der anderen live zu sehen. Dazu zählte natürlich auch die amerikanische Sängerin Isabel LaRosa. Sie könnte schon fast als Kopie von Tate McRae durchgehen. Schließlich sehen sie sich nicht nur ähnlich, sondern auch ihre Songs und ihre Performance beziehungsweise ihre Tanzchoreografien gehen in dieselbe Richtung.
Zaho de Sagazan
Danach gab es für mich einen Exkurs zur französischen Musik. Um ehrlich zu sein höre ich normalerweise hauptsächlich englische Songs und ab und zu vielleicht ein bisschen was Deutsches. Als mir dann aber Zaho de Sagazan empfohlen wurde, musste ich der französischen Sängerin auch eine Chance geben. Ich muss sagen ihre Live-Stimme und ihr Bühnenbild waren wirklich beeindruckend, haben aber meinen Geschmack nicht ganz getroffen.
Fat Dog
Bevor es für mich zum Headliner des Abends ging, schaute ich noch kurz bei einer Band namens Fat Dog vorbei. Sie machen englische Alternative/Indie-Musik und ganz viel Stimmung. Innerhalb der ersten drei Songs passierte gefühlt schon so viel wie die letzten ganzen Festivaltage. Der Award für die meisten Moshpits in kürzester Zeit geht auf jeden Fall an sie.
Post Malone
Der Sonntag auf der Mainstage wurde dann mit einem dieses Jahr sehr klassischen Headliner abgeschlossen – Post Malone. Von ihm kennt man sehr viele Lieder, wie zum Beispiel „Circles“, „Better Now“ oder „Sunflower“. Diese haben mich live, trotz der sehr coolen Pyrotechnik und ein paar Interaktionen mit den Zuseher:innen, nicht vollkommend begeistert. Das Publikum wirkte auch, vor allem weiter hinten, sehr abwesend und unterhielt sich teilweise sogar während seines Auftritts. Darum machte es mir nichts aus, ein paar Songs früher zu gehen, um zumindest die Schlange bei den Öffis zu vermeiden.
Luvcat
Am 11. August fuhr ich extra früh zur Óbuda Insel, um nochmal so viel wie möglich vom Festival zu sehen. Den letzten Tag durfte die englische Musikerin Luvcat eröffnen. Sie hab ich eh erst im Juni bei einer Cute Concerts Introduction Night live in Wien gesehen. Dementsprechend war ich mir sicher, dass ihre erste europäische Mainstage-Festival-Show wieder ein Erfolg wird. Das war sie absolut, denn ihre Alternative/Indie-Musik kam bei den Fans von Chappell Roan, die schon seit der Früh auf sie warteten, sehr gut an.
Jude York
Als eine Person, die hauptsächlich Indie, Alternative und Rock-Musik hört, finde ich es oft schwer klassische Pop-Musik zu beurteilen. Natürlich gibt es auch Musiker:innen, wo mir der Stil gefällt, aber die sind eher schwer zu finden. Jude York zählte da leider nicht dazu. Ich fand seinen Auftritt und seine mega sympathische Art zwar nicht schlecht, aber mir persönlich fehlte einfach das gewisse Etwas.
Portugal. The Man
Auch, wenn die Musik von der amerikanischen Band Portugal. The Man an sich meinen Geschmack trifft, kann ich zu ihrer Performance leider nur das Gleiche sagen. Ich hab zwar nicht die ganze Show gesehen, aber zumindest am Anfang war weder von der Band, noch von der Crowd, Energie zu sehen. Meiner Meinung nach sollte das bei Alternative/Indie-Musik schon dazugehören.
The Last Dinner Party
Es kann natürlich auch sein, dass sich jede:r die Kraft noch für den Abend aufheben wollte. Bei der britischen Girl-Rockband The Last Dinner Party sah das Ganze dann nämlich schon anders aus. Das Publikum tanzte viel und sang bei Songs wie „Nothing Matters“ oder „The Feminine Urge“ lautstark mit. Auch die Musikerinnen selbst lieferten eine starke Performance ab, obwohl Leadsängerin Abigail sogar krank war. Außerdem fand ich gut, dass sie auf die aktuelle Situation in Israel aufmerksam machten, weil die Band Kneecap ja genau wegen dem nicht auftreten konnte. Für mich war es auf jeden Fall einer der besten Auftritte des ganzen Festivals.
Chappell Roan
Wie man relativ schnell erkennen konnte, waren am Montag 90 Prozent der Besucher:innen für Chappell Roan da. Das kann ich auch vollkommend verstehen, denn sie war der perfekte Abschluss für die sechs Tage Festivalerlebnis. Neben ihrer mega Live-Stimme und dem coolen Bühnenbild überzeugte sie auch mit ihrer sympathischen Art. So konnte sie etwa während einem ruhigeren Song nicht ernst bleiben, als sie das Bungee Jumping im Hintergrund sah. Außerdem ist das Vorlesen und gemeinsame Ausbuhen von Ex-Freunden ihrer Fans und deren Taten ein witziger Bestandteil ihrer Show. Das Publikum liebte sie und so sangen bei ihrem Hit „Good Luck, Babe“ alle mit sowie bei „HOT TO GO!“ der dazugehörige Tanz gemacht wurde.
Joey Valence & Brae
Für mich war das Festival an dem Punkt aber noch nicht vorbei. Spontan schaute ich mir noch die Performance von dem amerikanischen Hip-Hop-Duo Joey Valence & Brae auf der Revolut Stage an. Am Anfang wusste ich noch nicht, dass ihr Auftritt zu einem meiner Festivalhighlights wird. Sie brachten mit ihren mitreißenden Songs das Publikum in nur kürzester Zeit zum Ausrasten. Es gab alles von wilden Moshpits bis zu Crowdsurfing mit einem Rollstuhl oder auf einer Luftmatratze. Sehr cool fand ich auch ihr Cover des Songs „365“ von Charli XCX und, dass sie sich nachher noch kurz Zeit für ihre Fans genommen haben.
Brutalismus 3000
Irgendwann musste das Sziget leider zu Ende gehen und so war mein letzter Stopp das gehypte Berliner DJ-Duo Brutalismus 3000. Ich persönlich bin kein recht großer Fan von elektronischer Musik, aber ihre Show fand ich trotzdem nicht schlecht. Es war definitiv das perfekte Nachtprogramm für alle, die nochmal richtig feiern wollten. Nüchtern wurde ihre Musik nach der Zeit etwas eintönig. Für mich war das ein schöner Abschluss und ein gutes Zeichen zu gehen.
Fazit
Sobald man einmal beim Sziget war, weiß man, dass man es absolut nicht mit anderen Festivals vergleichen kann. Es ist so viel mehr als sechs Tage Live-Musik und Party machen. Die Óbuda-Insel wird nicht ohne Grund als „Island Of Freedom“ bezeichnet. Die Community, die ganzen verschiedenen Aktivitäten und das Campen sind nur ein paar Details, die es bereits besonders machen. Dazu kam das diesjährige Line-up und das sommerliche Wetter. Meine Highlights waren Charli XCX, The Dare, Balu Brigada, Blossoms und The Last Dinner Party. Mal abgesehen davon war die ganze Woche eigentlich ein Highlight von diesem Jahr. In meinen Augen hätte das Sziget definitiv den Titel „Bestes Festival“ verdient. Hoffentlich nächstes Jahr dann wieder.
Fotos & Text: Simone Grübl
