Dreimal PILAR PALOMERO
Pilar Palomero zählt zu den wichtigsten Stimmen des neuen spanischen Kinos. Ihre Filme zeigen mit großer Sensibilität das Aufwachsen junger Frauen und thematisieren gesellschaftliche Erwartungen, Identität und weibliche Selbstbestimmung. Mit drei ihrer Werke war sie beim diesjährigen Heimatfilmfestival vertreten.
Pilar Palomero gilt als eine der spannendsten Stimmen des aktuellen spanischen Kinos. Mit ihr hat sich eine neue Ära des Filmemachens in Spanien etabliert. Beim Heimatfilmfestival in Freistadt waren drei ihrer bekanntesten Werke in Kooperation mit der Kulturinitiative Fraustadt.Freistadt zu sehen.
Vor rund 50 Jahren erlebte das spanische Kino einen tiefgreifenden Wandel, geprägt von politischen Umbrüchen und deren Nachwirkungen. Nach dem Ende der Franco-Diktatur 1975 setzten sich viele Filme mit der Aufarbeitung dieser Zeit auseinander. Ohne Zensur und mit neuen Freiheiten entstanden kraftvolle Werke – etwa von Pedro Almodóvar, der eng mit der Kulturbewegung Movida Madrileña verbunden ist. Diese Szene feierte das Schrille, Exaltierte und suchte den Hedonismus. Diese Phase wird oft als Nueva Ola (Neue Welle) des spanischen Kinos bezeichnet.
In den letzten Jahren lässt sich ein neuerlicher Wandel beobachten – eine stille feministische Revolution. Junge Filmemacherinnen erobern zunehmend die spanische Filmwelt. Eine der ersten und bekanntesten Vertreterinnen dieser Bewegung ist Isabel Coixet. Gemeinsam mit vielen anderen erzählt sie mit großer Sensibilität Geschichten aus weiblicher Perspektive.
Pilar Palomero geht noch einen Schritt weiter. Sie lässt uns tief in die Welt junger Frauen eintauchen. Im Fokus steht das emotionale Erleben. Die drei folgenden Filme zeigen die Erwartungen der Gesellschaft an das weibliche Geschlecht – subtil, eindringlich und bewegend.
LAS NIÑAS
In ihrem Langfilmdebüt erzählt Pilar Palomero die Geschichte der jungen Celia. Sie lebt mit ihrer Mutter in Saragossa, ihren Vater kennt sie kaum. Ihr Alltag besteht aus katholischer Mädchenschule, Hausübungen, Kreuzworträtseln und Fernsehen. Die Ankunft einer neuen Klassenkameradin wirbelt Celias Welt auf: Christliche Normen werden infrage gestellt, erste Erfahrungen mit Sexualität gemacht, und sie beginnt, nach ihrer Herkunft zu fragen.
Der Film porträtiert das Aufwachsen im konservativen Spanien der 1990er-Jahre. Gedreht wurde in Palomeros Heimatstadt, mit Ausnahme von Andrea Fandos und Natalia de Molina ausschließlich mit Schauspieler*innen aus der Region Aragonien – für viele von ihnen war es das Schauspieldebüt.
Einfühlsam und nah an der Protagonistin erzählt Palomero vom Übergang zur Jugend. Mit feinem Gespür für Zwischentöne lässt sie das Publikum in die Gefühlswelt eines Mädchens eintauchen, das beginnt, sich selbst zu entdecken.
LA Maternal
Carla ist 14 Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter in einem einfachen Restaurant am Stadtrand. Schule schwänzen und zielloses Umherstreifen mit ihrem Freund Efraín gehören zu ihrem Alltag. Verantwortung, Respekt oder Regeln spielen kaum eine Rolle. Die Beziehung zur Mutter ist angespannt – schon vor der ungewollten Schwangerschaft.
Nach der Diagnose wird Carla vom Jugendamt in das Heim La Maternal für minderjährige Mütter gebracht. Dort begegnet sie anderen jungen Frauen, die wie sie viel zu früh in die Verantwortung des Erwachsenseins gedrängt wurden. Der Kontakt zu ihnen und die Unterstützung durch das Betreuungspersonal helfen Carla, sich in der neuen Situation zurechtzufinden.
Doch die emotionale Belastung ist groß. Ihre Mutter verhält sich egoistisch, verschärft die Lage zusätzlich. Zwischen Babygeschrei, Windeln und Schlafmangel bleibt kaum Raum für Carlas eigene Identität. Selbst kleinste Ausbrüche aus der neuen Realität müssen mit den Bedürfnissen ihres Sohnes abgestimmt werden.
Mit psychologischer Tiefe und beeindruckender Figurenzeichnung lässt Pilar Palomero das Publikum Carlas innere Zerrissenheit hautnah miterleben. La Maternal gibt einen berührenden Einblick in das Leben junger Mütter – zwischen Selbstfindung und Verantwortung für ein neues Leben.
Los Destellos

Los Destellos bildet den Abschluss der Werkschau.
Im neuesten Film von Pilar Palomero steht Isabel im Mittelpunkt. Ihre Tochter Madalen lebt zum Studium in einer anderen Stadt und kommt nur noch am Wochenende zu Besuch. Isabel lebt mit ihrem neuen Mann ihren Traum: Sie renoviert liebevoll alte Gebäude und vermietet sie an Feriengäste.
Als Madalen sie bittet, sich regelmäßig um ihren Vater Ramón zu kümmern, wehrt sich Isabel innerlich. Trotzdem folgt sie dem Wunsch ihrer Tochter und nimmt Kontakt zu ihrem Ex-Mann auf. Der Groll über die Vergangenheit ist noch immer spürbar. Doch Ramóns Verletzlichkeit eröffnet Isabel die Möglichkeit, ihre gemeinsame Geschichte aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten – und vielleicht einen versöhnlichen Abschluss zu finden.
Pilar Palomero begleitet diesen Prozess auf einfühlsame und intime Weise. Gleichzeitig zeigt sie auf, wie unkonventionelle Familienkonstellationen und neue Formen des Miteinanders gelingen können.

