Strand mit Segelboot
Foto: Pixe Lart

Zweite Hälfte

Ein Buch für den Altweibersommer. Die Autorin Ildikó von Kürthy erzählt vom Start in das Leben nach dem Muttersein. Mit Humor und Scham begleitet man die Protagonistin Cora durch den Anfang eines neuen Kapitels ihrer Geschichte.

Cora fällt in ein schwarzes Loch. Nichts hätte sie auf die Ruhe und Stille vorbereiten können. Auf einmal fallen alle Anforderungen und Aufgaben weg. Niemand erwartet mehr einen gedeckten Tisch, gewaschene Wäsche, ein offenes Ohr oder allumfassende mütterliche Liebe. Der jüngste Sohn ist auf dem Weg in sein eigenes Erwachsenenleben – und zurück bleibt sie, die Mutter ohne Aufgabe. Noch vor ein paar Jahren war Cora über jede freie Minute dankbar gewesen, kurze Verschnaufpausen im gesprinteten Marathon der mütterlichen Aufgaben. 

Neue Freunde

Doch nun fehlt ihr der Trubel, die Sorgen, der Alltag. Als sie dann auch noch einen Gruß aus ihrer eigenen Zeit als junge Erwachsene erhält, bricht sie vor einem Altpapiercontainer zusammen. In diesem Zustand wird sie von einer Bekannten aufgesammelt. Nach Jahren, die sie ganz ihrer Familie verschrieben hatte, blüht Cora im Kreis dieser neuen-alten Bekanntschaft wieder auf. Sie wird aufgenommen in einen kleinen, bunten Haufen ungewöhnlicher Persönlichkeiten und Biografien. Diese zusammengewürfelten Menschen füllen laut und lachend den Platz in ihrem Herzen. So gelingt es, mit der Vergangenheit abzuschließen und neue Wege zu beschreiten.

Wohlfühlfaktor

Eine halbe Ewigkeit ist eine humorvolle und ehrliche Abrechnung mit den Anforderungen an das Frausein. Einfühlsam wird das Leben nach dem Muttersein beleuchtet und mit einer positiven Wendung eine aufbauende Geschichte erzählt. Fesselnd sind die vielen interessanten Persönlichkeiten und die lange Ungewissheit über die angedeutete Vergangenheit. Auch wenn man die Vorgeschichte Mondscheintarif nicht gelesen hat, lohnt sich dieses Buch. Zwar liegt der Fokus auf Frauen in der zweiten Lebenshälfte, doch beschränkt sich die Leserschaft nicht auf diese Altersgruppe.

RomAN-TIK

Manchen könnte die Geschichte allerdings zu überladen wirken: Frausein, Muttersein, partnerschaftliche Gewalt, Suizid, Liebe, Leidenschaft, Tod, Queerness und vieles mehr. Thematisch werden viele Enden aufgegriffen und auf eine dem echten Leben nicht ganz entsprechende, teils kitschige Weise verbunden. Das erinnert ein wenig an einen modernen Rosamunde Pilcher Roman – mit queerem Anstrich.

Fazit

Das Buch ist leichte Sommerlektüre mit humorvollem Tiefgang. Wer sich die restlichen warmen Tage noch ein wenig von seichten Lebenskrisen, aufflammender Leidenschaft, vielen Feel-Good-Vibes und einem Happy End verwöhnen lassen möchte, trifft mit Eine halbe Ewigkeit eine gute Wahl.


Cover "Eine halbe Ewigkeit"

EINE HALBE EWIGKEIT

von Ildikó von Kürthy

Rowohlt
318 Seiten, Deutsch, gebundene Ausgabe

€ 23,00 – jetzt bestellen

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Für den Kopf im Labor, für die Seele am Schreiben. Wenn ich über ein gutes Buch rede, einfach unterbrechen. Das könnte sonst lang dauern.