Feministischer Kampfgeist
Rebekka Endler schreibt in ihrem zweiten Buch über die patriarchalen Märchen. Sie zerlegt Geschichten, die dazu dienen, Frauen dem Mann unterzuordnen. Diese Mythen werden korrigiert und mit viel feministischem Wissen ergänzt.
Wie tief in unserem Verständnis der Welt und der gesellschaftlichen Normen Misogynie und patriarchale Strukturen verstrickt sind, wird bei der Lektüre von Witches, Bitches, It-Girls klarer. Rebekka Endlers zweites Buch beschäftigt sich mit den großen und kleinen Mythen der Geschichte und Gegenwart. Wie gefährlich der Begriff „normal“ ist oder warum sich Frauen Frauen in den Weg stellen, solche und viele andere Themen werden aufgearbeitet. Wie sich Männer mit Lügen, Märchen und Verzerrungen in Machtpositionen halten und ihr Privileg rechtfertigen. Thematisch wahrscheinlich kein feministisches Einsteigerwerk, obwohl sehr verständlich und verdaubar geschrieben. Endlers teilweise etwas zynischer Humor unterstreicht nur die Dringlichkeit feministischer Aufklärung und gibt allen Lesenden einige hilfreiche Werkzeuge und Argumente in die Hand. Zumindest einige misogyne Denk- und Verhaltensweisen lassen sich danach erkennen und benennen.
Hinter dem Vorhang
Gegliedert ist das Buch in acht plus zwei Kapitel, die alle ein eigenes Oberthema als roten Faden haben. Jedes Kapitel ist sozusagen ein Blick hinter die Kulissen eines patriarchalen Märchens, erzählt, um Frauen klein und kontrolliert zu halten. Es ist kein leichter Roman oder ein nettes Sommerbuch, keine ironische, lustige, feministische Lektüre. Es ist ein Schlag auf den Tisch. Die hohe Informationsdichte verlangt einige Lesepausen: einordnen, verstehen, nachdenken und verdauen. Außerdem verlieren sich manche Passagen in Randgeschichten und Detailanalysen, die es manchmal ein bisschen schwierig machen, den roten Faden im Blick zu behalten. Hat man sich aber einmal durch die knapp 400 Seiten – plus fast 100 Seiten Quellenangaben – gearbeitet, hat man ein volles Repertoire an Argumenten und Gedanken und ist voller feministischen Kampfgeists.
Frau am Mikrofon
Rebekka Endler ist Autorin, Journalistin und Podcasterin. Ihren Podcast Feminist Shelf Control mit Annika Brockschmidt kann man guten Gewissens weiterempfehlen. Die beiden Frauen zerlegen mal mehr, mal weniger gnadenlos klassische Liebesfilme und -bücher. Doch diese Film- und Buchkritiken dienen oft nur als Aufmacher, um über feministische Kernprobleme und Personen zu sprechen, die sich gegen die Gleichstellung von Frauen und anderen marginalisierten Gruppen stellen. Der Podcast ist zudem etwas humorvoller und leichter zu verdauen als das Buch.
Fazit
Sich in der gespaltenen Welt in den sozialen Medien zurechtzufinden, wird immer schwerer. Zudem werden die rechten bis rechtsextremen Stimmen aus Amerika immer lauter. Da ist es Balsam auf der Seele, seine Nase in so einen feministisch reichhaltigen Schinken zu stecken. Nervennahrung für alle links-feministisch Versifften unter uns. Und falls selbst die vielen Argumente dieses Buches in einer Diskussion nicht helfen, kann man sich ja noch immer die Hardcover-Ausgabe kaufen.

Witches, Bitches, It-girls
Wie patriarchale Mythen uns bis heute prägen
von Rebekka Endler
Verlag Rowohlt
464 Seiten, Deutsch, gebundene Ausgabe
€ 25,00 – jetzt bestellen
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