Filmstill aus Frewaka
Foto: filmfestivalfreistadt.at

Fréwaka – zwischen Realität und Wahn

„Fréwaka“ ist kein klassischer Horrorfilm mit plakativen Schockmomenten, sondern ein subtiler, psychologischer Albtraum, der seine Zuschauer:innen schleichend in die Dunkelheit führt.

Der Titel leitet sich vom irischen „fréamhacha“ ab und bedeutet übersetzt „Wurzeln“ – jene Wurzeln, die verwoben, verschlungen und nur schwer auszureißen sind. Ein Sinnbild, das sich durch das gesamte Werk zieht.

Wenn Wurzeln in den Abgrund führen

Die Geschichte beginnt mit der jungen Protagonistin Shoo, die unmittelbar nach dem Suizid ihrer Mutter eine Zuweisung im Programm der Primary Care erhält. Als Heimhilfe soll sie sich um eine alte, psychisch auffällige Frau kümmern – ein scheinbar harmloser Job, der jedoch schnell zur existenziellen Zerreißprobe wird. Schon nach wenigen Minuten wird klar: Hier geht es nicht um soziale Fürsorge, sondern um die fragile Grenze zwischen Wahrnehmung und Wahn. Die alte Dame Peig ist mit beklemmender Intensität gespielt. Sie verkörpert Paranoia, Wahn und ritualisierte Zwänge in einer solchen Authentizität, dass sich Zuschauer:innen bald selbst fragen, wo die Realität endet und die Psychose beginnt.

Die Stärke des Films liegt darin, wie er seine Hauptfigur Shoo (und mit ihr das Publikum) langsam destabilisiert. Zunächst sind es kleine Irritationen – verschlossene Türen, wiederholte Rituale, unerklärliche Andeutungen – doch schon bald verschwimmen die Grenzen. Ist die alte Frau tatsächlich Opfer einer dunklen Verschwörung, wie sie behauptet? Oder wird die junge Frau selbst in den Strudel einer psychotischen Welt hineingezogen?

Regisseurin Aislinn Clarke inszeniert diesen Prozess mit kühler Präzision: Die Kamera bleibt oft nah an den Gesichtern, lässt Fluchtwege aus dem Bild versperrt, während das Sounddesign mit verzerrten Geräuschen und beklemmender Stille arbeitet. Dadurch entsteht eine Atmosphäre permanenter Unsicherheit und Zerrissenheit.

Besonders hervorzuheben ist die ambivalente Erzählhaltung: „Fréwaka“ verweigert einfache Antworten. Am Ende bleibt offen, ob die alte Frau jemals die Wahrheit sagte – oder ob beide Protagonistinnen längst in einem psychotischen Geflecht gefangen sind. Dieses Nicht–Auflösen ist zugleich verstörend wie faszinierend und macht den Film zu einer intensiven Erfahrung, die im Kopf nachhallt.

Fazit

„Fréwaka“ ist ist ein psychologischer Horrorfilm, der nicht auf Blut oder Jumpscares setzt, sondern auf die fragile Psyche seiner Figuren – und damit auch die seiner Zuschauer/innen. Mit einer gekonnten Balance bewegt sich das Werk zwischen Plausibilität und Absurdität – welche Seite überwiegt bleibt letztlich jedem selbst überlassen. Wer sich auf das langsame, klaustrophobische Grauen einlässt, wird mit einem Film belohnt, der ebenso unbequem wie hypnotisch wirkt.


Poster Frewaka

Fréwaka

Regie: Aislinn Clarke

IE, 2024 | 103 min
Clare Monnelly, Bríd Ní Neachtain, Aleksandra Bystrzhitskaya

New Europe Film Sales


Festival Der neue Heimatfilm

27. – 31. August 2025

www.filmfestivalfreistadt.at

Alle Artikel zum Festival hier auf subtext.at

Filmfestival Freistadt Logo