Foto: Christoph Leeb

Max von Milland: Handschlag-Qualität

Es sind die oft unerwartetsten Konzerte, welche am meisten Spaß machen. Das wurde am vergangenen Freitag im Posthof Linz deutlich. Der Südtiroler Max von Milland gastierte im kleinen Saal vor illustrer Runde.

Manchmal sind es die Konzerte, von denen man es am wenigsten erwartet, die am längsten in Erinnerung bleiben. Ein Vertreter eines solchen fand am Freitagabend im Posthof Linz für all jene statt, die nicht zu „Schneckerl“ Prohaska gepilgert waren. Es war eine kleine Runde, die das Gastspiel des Südtirolers Max von Milland miterleben durfte. Aber enttäuscht wurde niemand.

Servus, grias di

Max von Milland stammt aus Südtirol, genauer gesagt aus Brixen. Seit eineinhalb Jahrzehnten steht er auf der Bühne – an diesem Abend dann halt doch nur vor ca. 50 Leuten im Posthof. Wer jetzt glaubte, dass deswegen der Spaß zu kurz kam, wurde gleich mal eines Besseren belehrt. Hier wird noch jede Besucherin und jeder Besucher per Handschlag begrüßt, als er mit 1796 und Brennende Herzen den Konzertabend eröffnet. An diesem Abend als Trio samt bestens aufgelegter Begleitung on stage absolviert wird in den nächsten eineinhalb Stunden auf Tuchfühlung mit Max von Milland gegangen. Es scheint der Heimatbegriff zu sein, der einen großen Teil des Schaffens von Max von Milland antreibt.


Egal ob bei Songs wie Dahoam (wo es seids) über den oft sehr subjektiven Eindruck von Heimat gesungen wird, oder ob bei Kloaner Bauer überbordender Tourismus samt einhergehenden Investments angeprangert wird. Oder ob der wohl berühmteste Südtiroler Ötzi bei Spuren im Eis musikalisch als Schablone für Vergängliches dient. Max von Milland bringt das mit einer Intensität herüber, dass man relativ schnell in seinen musikalischen Kosmos eintauchen kann. Und von dort möglichst lange nicht mehr auftauchen möchte.

Von Wir sind Helden zum Tonz

Die zweite Säule, mit der Max von Milland spielt, ist dann natürlich eine in der Popmusik sehr oft bediente: die Emotion. Eine Acoustic-Version von Toal von Ins und Genau Deswegen geht dann schon in Mark und Bein, Abermillionen und ein dazugehöriger Ausflug ins Publikum folgen. Der Heimatdialekt aus Südtirol ist auch für die oberösterreichischen Anwesenden zu jeder Zeit verständlich, und Herr von Milland dürfte in seiner Jugend wie Viele ein Wir Sind Helden-Fan gewesen sein. Hier heißt das Programm dazu dann halt Lei A Wort. Hoi, Red Mit MIr und ein tanzbarer Song mit Ciao Servus beenden dann ein Set, das wenige Wünsche offenließ. Zugaben? Klar, und angesichts der Konzertbesucher-zu-Merchverkauf-Ratio dürfte auch das Publikum mehr als zufrieden gewesen sein. Ein Konzerthighlight – dann das nächste Mal vor zehnfacher Besucherzahl, gell!

Foto: Christoph Leeb, Andreas Wörister

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockey- und Fußballfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.