Texta & Chakuza: Linzer Rap-Crossover
Zwei Linzer Rap-Veteranen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten: Texta und Chakuza. Dass das dann aber durchaus zusammenpasst, wurde am Freitagabend im Posthof deutlich, wo Flip & Chakuzas neue gemeinsame Platte präsentiert wurde.
Texta und Chakuza? An einem Abend? Kann das funktionieren? Allen, die am vergangenen Freitag vor dem Konzert etwas skeptisch waren, sei gesagt: Das geht durchaus. Denn neben Textas aktueller Platte Gezeiten (hier zum Interview) wurde auch die neue Platte Hoss mi präsentiert. Diese ist eine Collabo von Texta-Urgestein Flip und dem Stahlstadtjungen Chakuza, der sich hier wieder im heimatlichen Mundart-Dialekt musikalisch wiederfindet.
Um die 500 (durchaus trinkfreudige) Leute werden es dann auch gewesen sein, die dem Ruf in den mittleren Saal des Posthofs gefolgt waren. Local Support?
Chakuza: in guter Form zurück
Um die 500 (durchaus trinkfreudige) Leute werden es dann auch gewesen sein, die dem Ruf in den mittleren Saal des Posthofs gefolgt waren. Local Support? Gab es. Mit K.S. Kopfsache stand einer der umtriebigsten Artists im Linzer Hip-Hop auf der Stage, der zuallererst gemeinsam mit Lenny420 den Abend eröffnen durfte. Als Mastermind hinter dem Kollapz Studio ist er nicht unverantwortlich für den Output vieler Hip-Hop-Musiker – und durfte danach auch gleich neben Chakuza während dessen Show auf der Stage bleiben.
Mit Hoss Mi schlägt Chakuza wieder neue Töne an. Der hochdeutsche Sprechgesang ist dem oberösterreichischen Dialekt gewichen. Der Spallerhofstyle ist die neue Großstadt geworden für den Stahlstadtjungen. Ausflüge in die Chakuza’sche Vergangenheit gibts natürlich auch, und auch wenn nicht nur Chakuza-Hardcore-Fans anwesend waren, waren auch die Texta-Affinen dem gebotenen nicht abgeneigt. Zugaben wurden gleich gestrichen, damit Chakuza danach mit Texta noch Auszüge aus der Platte gemeinsam präsentieren konnte. Ein buntes Set eines Künstlers, der zu den wohl schillerndsten Figuren der Stahlstadt zählt. Schön, ihn wieder in guter Form auf der Stage zu sehen!
Texta: eine Hip-Hop-Zeitreise
Zugegeben, über dreißig Jahre Musik in eineinhalb Stunden zu komprimieren, ist kein leichtes Unterfangen. Wenn die Geschichte dann noch dazu eine solch bewegte ist, wie die von Texta, umso weniger. Gut, Flip, DJ Dan und Laima machten dann zwar gleich ein zwei Stunden langes Set daraus, brachten dabei aber so einiges unter. Egal ob ganz, ganz erste Nummern wie 3Uhr10, So oder So und ein Ausflug in Laimas Dimension. Oder Dancehall-Varianten von Hediwari oder Kraut, da wird eine bekannte Nummer nach der anderen rausgehaut. Inklusiver mittlerweile leider rar geworderner Live-Varianten wie Die Dramaturgie der Ereignisse. Nuance um Nuance wird sich bis in die Gegenwart vorgearbeitet, die heuer mit Gezeiten wieder ein neues Texta-Album hervorgebracht hatte. Ist bei Chakuza der Spallerhof der geografische Ort der Platte, ist es bei Gezeiten die Solar City geworden. Fast schon urbanes Großstadtflair, wenn man so möchte.
Gäste aus der Tonträger-Familie gibt es natürlich auch, egal ob Average oder die beinahe gesamte Tonträger-Crew bei der Zugabe von Bleibt so. Überhaupt wirkt die gesamte Show wie ein knapp zweistündiges Homecoming, so viele bekannte Gesichter sieht man selten im Rahmen eines Posthof-Konzertes. Eine Show, die mit einer gut aufgelegten Texta-Crew wie im Flug verging, oder, um Attwenger zu zitieren: so schö kannst gar net schaun war es gefühlt wieder vorbei. Auf viele weitere Texta-Shows, die freitägliche im Posthof hätte sicher auch Huckey gefallen!
