Beatsteaks: Laut wie eh und je!
Ausverkauft! Die Beatsteaks gastierten am vergangenen Donnerstagabend gemeinsam mit Support Salò im Posthof. Dieser durfte an diesem Abend ein Jubiläum feiern: die dreimillionste Besucherin passierte die Schleusen des Zeitkulturhafens.
Grund genug also, um ein bisschen stolz zu sein – das dachten sich wohl auch die Verantwortlichen im Linzer Posthof. Immerhin durfte sich die dreimillionste Besucherin in der einundvierzigjährigen Geschichte des Posthofes über ein Gratis-Jahresticket freuen. Einen Vorrat an Mineralwasser eines aktuell in der Kultur omnipräsenten Herstellers gabs obendrein. Der Konzertabend startete damit mit einem freudigen Ereignis, und der ausverkaufte Saal zeigte, dass sich dann der Besuchercounter im Posthof auf 3.102.000 Besucher hochgeschraubt hatte.
Salò: komprimierte Supportshow
Los ging es dann auch pünktlich um 20 Uhr mit dem heimischen Supportact Salò. Dieser hat sich in letzter Zeit als einer der lautesten Vertreter der NDW-Punk-Welle etabliert und durfte den Abend eröffnen. Leider halt dann nur als Support – hat dann halt zur Folge, dass die Show nur dreißig Minuten lang andauert. Da kriegt Jello Biafra nur einen kurzen Lied-Auftritt und Apollonia sitzt bei Edeka dann nur kurz an der Kasse. Dazwischen: Ansagen, die Salòs Humor, der trockener nicht sein könnte, angemessen herüberbringen. Und für all jene, die gerne mehr hätten: am 21. Mai 2026 kommt der Artist wieder in den Posthof. Als Headliner, dann auch mit mehr Stagetime. Und dann hoffentlich auch für all die Beatsteaks-Gäste, die den Support dann nur biertrinkend im Foyer des Posthofes mitbekommen haben.
BEatsteaks: zwei Stunden Punkrock „wie es früher einmal war“
Im Anschluss standen mit den Beatsteaks wahre Legenden des Punkrocks auf der Stage. Mit dem Attribut Legende wirft man ja gerne mal um sich. Aber was sich Arnim Teutoburg-Weiss und Co seit 1995 auf den Bühnen erarbeitet haben, genügt diesem Status dann doch. Please heißt die aktuelle Platte (hier zum dazugehörigen Interview), und nach Auftritten am eingestellten Lido Sounds Festival führt sie die aktuelle Tour auch wieder in verschwitzte Konzerthallen. Dort dürften sich Viren auch gut verbreiten, wie man in den letzten Jahren gelernt hatte – nach dem Gig in Linz mussten die Folgeauftritte in Graz, Luxemburg und Leuven krankheitsbedingt abgesagt werden.
Der Gig in Linz wurde dann aber noch standesgemäß durchgeführt. Fast zwei Stunden lang. Auch wenn es anfangs so schien, als ob es zu Beginn noch ein bisschen Aufwärmen in der Crowd brauchen würde. Für Beatsteaks-Verhältnisse wohlgemerkt. Wird aber dann im Anschluss besser, und spätestens bei Punkrock-Hymnen wie Gentleman of the year wird dann auch der Moshpit größer. Evergreens wie Hand in Hand, I don’t care as long as you sing, Let me In und Co werden dann aber doch übergebührender zelebriert. Textsicheres Publikum bei Hey Du inklusive. Auch schön: die niedrige Ich-schau-mir-mein-Konzert-durchs-Smartphone-an-Besucherdichte. Hier fühlte man sich fast in vergangene Zeiten versetzt, wo man wirklich noch des Konzertes wegen am Gig war und die Erinnerungen noch ausschließlich im eigenen Kopf hat. Eine Show, wo man die gesundheitliche Angeschlagenheit der Punkrock-Veteranen nicht spürte, die Energie im Publikum umso mehr. Eine würdiges Konzert, nicht nur für Besucherin #3.000.000!
Foto: Andreas Wörister, Christoph Leeb
