Mira Lu Kovacs: Traurige Lieder machen glücklich
Nachdem das Linzer Publikum doch recht lange warten musste, steht Mira Lu Kovacs endlich wieder im Posthof auf der Bühne. Mit im Gepäck hat sie dabei Altbewährtes, Neues und sympathische Selbstironie.
Seit über zehn Jahren macht sie ihre Musik und steht auf Bühnen – sowohl als Bandmitglied von unter anderem My Ugly Clementine oder auch 5K HD. Am Mittwoch steht sie aber mit ihrem Solo-Projekt auf der Stage des kleinen Saals im Posthof – in intimer Atmosphäre mit eng aneinander gedrängtem Publikum.
Make them sad
Die ersten Worte, mit denen Kovacs ihr Publikum anspricht, sind „Seids schon traurig?“. Eine Frage, die sich durch den Rest des Abends ziehen wird. Immer wieder lockert sie zwischen ihren emotionalen Liedern die Stimmung mit sympathisch-peinlichem Humor auf. Das Publikum macht dabei heiter mit, redet persönlich mit ihr und etabliert über den Abend hinweg sogar Running Gags. Ein Ambiente, das Wohnzimmeratmosphäre pur ausstrahlt und kaum besser zur intimen Musik passen könnte.
Gespielt wird natürlich wieder multiinstrumental: Schlagzeug, (Kontra-)Bass, E-Gitarren, Akustikgitarre und Keys – alles ist mit dabei und wird mit Mehrstimmigkeit gesanglich harmonisch ergänzt. Selbst die Hintergrundgeschichte um den auf Sascha getauften Bogen wird erzählt – die gatekeepe ich hier aber mal ganz süffisant.
Mit sich selbst im Einklang
Das musikalische Thema des Abends lässt sich am besten darin zusammenfassen, indem man einfach sagt: die letzten elf Jahre des Musikmachens von Kovacs. So sind sehr viel Lyrics dabei, die sowohl von Selbstakzeptanz als auch von Unsicherheiten handeln, genauso auch Wut durch Machtlosigkeit. Die Setlist tänzelt dabei gut balanciert vom selbsternannten Sad Surf zu Indie-Pop, Blues, Rock und sogar Jazz-Elementen. Ob das Publikum dabei wirklich trauriger wird, sei dahingestellt – aber mitfühlen tut es auf alle Fälle. Bei Make It Stop oder auch Stay A Little Longer lassen die Besucher:innen (die übrigens der Generation Smartphone-Querformatfilmer angehören – sehr sympathisch) davon ab, Handys in die Höhe zu strecken, um voll und ganz im Moment zu sein.
So entsteht ein wundervoll magischer Raum, in dem homogen mitgeschunkelt wird. Da ist dann sogar Platz für einen Poetry-Slam. Alle lauschen gebannt und saugen die Gefühle wie ein Schwamm auf. Je länger der Abend, desto tiefer sinkt man in diesen Raum ein und wird erst dann wieder herausgerissen, wenn man bemerkt, wie heiß es auf einmal im Saal geworden ist. Nach 16 Tracks ihres Gesamtwerks will aber trotzdem noch niemand gehen. Das Cover von Only Time als erste Zugabe darf man aber auch wirklich nicht verpassen. Mit dem sanften You Can Go Now werden die beglückten und beseelten Fans dann in die Nacht entlassen. Man kann an der Stelle nur Kovacs selbst zitieren: „Traurige Lieder machen mich glücklich.“
