Ausstellungsansichten, freundinnenderkunst GLAUSHAUSFANTASIE
Foto: kunst-dokumentation.com / Manuel Carreon Lopez

Mit Steinen werfen

Donnerstagabend ist das Francisco Carolinum Linz hell erleuchtet. Die Ausstellung Glashausfantasie der freundinnenderkunst lockt die LinzerInnen trotz niedriger Temperaturen aus den Wohnungen. Zur Eröffnung am 2.10.2025 wurde zudem auch das 25-jährige Jubiläum des Künstlerinnen-Kollektivs gefeiert.

Draußen ist es frostig. Es ist schon fast ganz dunkel, als zahlreiche Besucher*innen in das Francisco Carolinum eintreten. Nachdem man es durch die obligatorische Rauchwolke vor dem Eingang geschafft hat, betritt man das schöne Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Der breite Stiegenaufgang teilt sich und führt nun beidseitig weiter nach oben auf eine schlichte Galerie. Neugierig beugen sich die Menschen über das Geländer und warten auf etwas.

Wer den Blick hebt, bleibt unvermittelt hängen. In der großen Kuppel des Gebäudes hängt ein riesiges Mobile. An fast nicht sichtbaren dünnen Seilen, auf viel zu zerbrechlich wirkenden Stangen, schwingen die einzelnen Teile eines handelsüblichen Glashauses durch den Raum. Die langsamen, in sich verdrehten Bewegungen der einzelnen Teile haben eine fast hypnotisierende Wirkung auf die Betrachter*innen. Das 12. Glashaus.

Eröffnung

Musik ertönt. Und zu GUSTAV – We shall overcome startet die Tanzperformance der vier freundinnenderkunst. In Schwarz gekleidet schreiten die vier Frauen barfuß die kalten steinernen Stufen herauf. Am Ende der Performance stehen sie oben an der Kopfseite der Galerie. Nach dem Verstummen des lauten Applauses ruft eine Kinderstimme laut „Super Oma“ – und das Eis ist für diesen Abend offiziell gebrochen. Es folgen einleitende Worte von Alfred Weidinger, dem wissenschaftlichen Geschäftsführer der Landes-Kultur GmbH, und Genoveva Rückert-Sommerauer, der Kuratorin. Gefolgt von Worten des Dankes der freundinnenderkunst CLAUDIA DWORSCHAK, MARION KLIMMER, HELGA LOHNINGER, VIKTORIA SCHLÖGL, die mittlerweile strahlend gelbe Stoffjacken angezogen haben. Danach eröffnet Vasco Samupofu, der Botschafter von Namibia in Österreich, die Ausstellung.

Drei Räume

Die Ausstellung Glashausfantasie zog sich über drei große Räume. Betritt man den ersten, so steht ein steril sauberes Glashaus. An den Wänden eine chronologische Reise durch die ersten zehn Glashausfantasien. Über die letzten fünf Jahre veranstalteten die freundinnenderkunst in Linz mehrere Performances und bauten urbane Installationen auf. Eine davon: drei scheinbar in den Boden versunkene Glashäuser im Botanischen Garten. Eine weitere war 2020 eine Performance auf den Stiegen des Ars Electronica Centers. Dort wurde im Glashaus eine riesige Popcornmaschine aufgebaut, und 48 Stunden lang füllte sich das Glashaus von selbst. Zusätzlich wurden Maispflänzchen auf dem Platz unter den Stiegen aufgestellt. Alle diese Arbeiten zentralisieren das Glashaus. Und wie die Pflanzen darin wachsen würden, wächst in den Köpfen die Fantasie.

Zwölf Glashäuser

Im zweiten Raum steht als zentrales Element ein großes rostiges Metallkonstrukt, das die Umrisse der im Boden versunkenen drei Glashäuser hat. Schlichter als der erste Raum zieren hier große Fotos die Wände. Und der dritte Raum ist ganz der Reise nach Namibia und dem 11. Glashaus gewidmet. Wie ein Reisetagebuch führt der Raum einen durch die Arbeiten der vier Frauen vor Ort. Wie der Botschafter in seiner Eröffnungsrede sagte, sei Kunst ein wichtiger Anknüpfungspunkt, um zwei Kulturen miteinander zu verbinden.
Das macht Künstler*innen somit zu einer wichtigen Verbindungsstelle, um einen breiten kulturellen und gesellschaftlichen Austausch zu ermöglichen.

Fanta – sie

Den ganzen Abend drangen die Stimmen der Gäste durch alle Räume des großen Gebäudes. Im Veranstaltungssaal wurden Oldies noch auf Platte von DJ Redlips aufgelegt, und die Stimmung war ausgelassen. Es wurde getanzt, getrunken und fantasiert. Für ruhigere Momente konnten sich die Leute in eine der anderen Ausstellungen zurückziehen. Wobei an diesem Abend der Fokus eindeutig auf den Freundinnen und ihren Glashausfantasien lag.


Glashausfantasie

freundinnenderkunst

3.10.2025 bis 8.2.2026
im FC Linz, Museumsstraße 14, 4020 Linz

Mehr zur Ausstellung: ooekultur.at

freundinnenderkunst.at
glashausfantasie.at

Für den Kopf im Labor, für die Seele am Schreiben. Wenn ich über ein gutes Buch rede, einfach unterbrechen. Das könnte sonst lang dauern.