5/8erl in Ehr’n posthof ahoi pop
Foto: Christoph Leeb

5/8erl in Ehr’n: orchestrales Erlebnis

Epochal. So könnte man das Gastspiel des Wiener Soul-Quintetts 5/8erl in Ehr’n am vergangenen Freitag im Linzer Posthof beschreiben. Wobei Quintett hier eine Untertreibung ist, hatten sie sich mit dem Jazzorchester Vorarlberg zehnköpfige Verstärkung auf die Bühne geholt.

Freitagabend, ein im Vergleich zu den beiden besuchertechnisch doch enttäuschenden Vortagen guter Ahoi! Pop-Abend im Posthof. Kein Wunder, denn 5/8erl in Ehr’n ziehen immer, auch im Rahmen des einzigen Stehplatzkonzertes der aktuellen Tour gemeinsam mit dem Jazzorchester Vorarlberg.

Aber mal der Reihe nach, denn der Abend selbst begann Ahoi! Pop-üblich bereits um 19 Uhr. Bassic Chill eröffnete den Abend, der ebenso wie der folgende Act Pearz durch die Initiative Liveurope im Posthof gelandet war. Bassic Chill ist das Soloprojekt des polnischen Multiinstrumentalisten Marcin Majcherek. Er erschafft mit seinen Effekten und seinem Bass weitläufige Klangwelten, die nicht zufällig auf Songtitel wie Waves und Ocean hören. Auch Songs für seine Partnerin hat Bassic Chill geschrieben – ein Artist, in dessen Klanguniversum man sich verlieren kann. Die Anwesenden im Posthof dankten mit aufmunterndem Applaus für das halbstündige Set.

Tanzen und aufmerksam lauschen

Im Vorprogramm zum Headliner 5/8erl in Ehr’n folgten danach noch zwei Supports, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können. Zum einen der oben schon erwähnte Pearz, der aus Florenz stammt, seinen Lebensmittelpunkt aber aktuell in die britische Metropole London verlegt hat. Den Award für das auffälligste Hemd des Abends gewinnt der sympathische Italiener dann auch gleich mal. Auch vor einem nicht unbedingt seinen Dienst verrichtenden Gitarren-Strap lässt er sich nicht beunruhigen und liefert ein tanzbares Set ab, das nicht nur Fans von Synthie-Tracks in Bewegung versetzt. Einzelne zaghafte Tanzversuche werden zum Ende hin dann auch ausgelassener. Insofern also wenig falsch gemacht.

Eine ganz andere Kerbe schlägt dann Violetta Parisini ein. Die Wiener Songwriterin verteilt nämlich gleich mal Taschentücher im Publikum. Und bedankt sich artig bei den Anwesenden, dass sie mit ihrem Eintritt einen Teil ihrer Mietkosten beisteuerten. Stilistisch ist Violetta Parisini natürlich ein arger Stilbruch zu den beiden Vorgänger-Acts gewesen, mit ihrer gewinnenden Art hat die Songwriterin das Publikum im Posthof schnell im Griff, auch wenn Zwischenansagen mal in den emotionalsten Momenten kommen. Bei Ein Schritt nach dem Anderen stellt auch das Publikum Gesangsfähigkeiten unter Beweis – ein Konzert, das man mit einem Wort nur mit „herzig“ beschreiben kann. Im besten aller Sinne.

5/8erl in Ehr’n: In Spiellaune

Danach wurde es enger auf der Bühne. Neben dem Wiener Soul-Quintett hat sich auch das Jazzorchester Vorarlberg eingefunden, das den Sound von 5/8erl in Ehr’n gleich nochmals auf ein anderes Niveau hebt. Songs wie Siasse Tschick, der Vaporizer oder die Hommage an einen Tiroler Altlandeshauptmann mit Alaba – How Do You Do? werden in ein neues, erweitertes musikalisches Korsett gepackt – eines, das den 5/8erl in Ehr’n aber gut steht. Nicht selten sieht man die Protagonisten mit einem breiten Grinsen, wenn wieder mal ein längerer Instrumental-Part eingestreut wird. Max Gaier und Bobby Slivovsky führen gewohnt wienerisch durch den Abend. Unglaublich sympathische Heizdeckenverkaufsfahrt, pardon, Merch-Verkauf auf der Stage nach dem Konzert inklusive. Da wars dann auch wurscht, dass das Set sicher eher zu einem Sitzplatzkonzert getaugt hätte. Macht aber nix, kann man halt mittanzen und sich auf das nächste 5/8erl in Ehr’n-Konzert freuen!

Fazit

Ein besser besuchter Konzertabend mit einer breiten musikalischen Palette, der wenige Wünsche offen ließ!

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockey- und Fußballfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.