LEAP in der SiMM City
Foto: Fabian Schwarzinger

Absolute Rockstars und Safespace Moshpit: LEAP


Eine kleine Independent-Indie-Rock-Band aus Großbritannien hinterlässt immer mehr Spuren in der Rocklandschaft. Am 14. November gastierten sie in der ausverkauften SiMM City in Wien.


Seit mittlerweile vier Jahren gibt es die Band. Genug Zeit, um einen Stil und eine Fanbase aufzubauen. Dass sie das aber ohne Label geschafft haben, ist durchaus bemerkenswert. Dieses Jahr ist es nach mehreren EPs endlich soweit, und ihr erstes Album mit dem Titel Entropy erblickt das Licht der Welt. Ein Album, mit dem sie nun quer durch Europa touren und ihren eingängigen Indie-Rock mit ordentlich Wumms präsentieren.

Tally Spear

Zuerst aber Tally Spear: eine Rockerin, die gleich von Anfang an zeigt, wie viel Spaß man auf der Bühne der SiMM City haben kann. Wien steht schon lange auf ihrer Bucket List, wie sie zwischen den Songs zugibt. Zwischen ihren energiegeladenen Songs holt sie sich auch gleich mal Sightseeing-Tipps aus dem Publikum. Bei den teilweise noch unveröffentlichten Songs kommt einem unweigerlich Avril Lavigne in den Sinn – sowohl optisch als auch gesanglich. Ihre Stimme ist dabei jedoch etwas rauer und roher, was das Publikum ordentlich anheizt. Apropos Publikum: Auch die Mitglieder von LEAP selbst sind sich nicht zu schade, in den vorderen Reihen ausgelassen mitzutanzen.

LEAP

Mit etwas Verspätung zum angekündigten 20:45-Slot steigt dann endlich die Party, die sich jeder im ausverkauften Saal erwartet. Die Mitglieder um Frontmann Jack Balfour Scott betreten die Bühne und legen gleich richtig los. Sie schwingen Gitarre und Bass, das malträtieren das Schlagzeug und Scott interagiert gleich von Beginn an intensiv mit dem Publikum. Der ersten Reihe werden Hände gereicht, Zungen gezeigt oder einfach so Stimmung gemacht.

Schon bei den ersten Songs merkt man, dass die Band eine Qualität abliefert, die eigentlich große Hallen oder sogar Stadien füllen sollte. Der Vorteil in der SiMM City ist aber auf jeden Fall, dass sich die Fanbase wie eine eingeschworene Community anfühlt. Die Bandmitglieder kommen zwischen den Songs gar nicht mehr aus dem Dankesagen heraus. Bei anderen Bands würde das aufgesetzt wirken – hier keinesfalls. LEAP ist eine Rockband, die gefühlt mit Leichtigkeit Ohrwurm nach Ohrwurm abliefert, dabei aber nie das Wesentliche aus den Augen verliert: ihre Fans. 35 Venues spielen sie an 45 Tagen, 20.000 Tickets haben sie verkauft. Und wenn sie so weitermachen, wird es nicht lange dauern, bis sich diese Zahlen potenzieren. Zu Recht.

Man möchte bleiben

Auf ihrer Setlist spielen sie altbekannte Songs von ihren EPs, aber natürlich auch neue von Entropy. Ein Phänomen ist, wie reif selbst die alten Songs bereits klingen. Live läuft alles wie geschmiert, sie leiten emotionale Stellen wunderbar ein und die Refrains übertrumpfen sich immer wieder aufs Neue. Immer dann, wenn man denkt, dass das schon das Highlight war, kommt auch schon das nächste daher. Auch bis zum ersten Moshpit dauert es natürlich nicht lange. Und obwohl LEAP mit der typischen Rockattitüde auftreten, schaffen sie es dennoch, einen Safespace zu kreieren. So wird angesagt, dass jede*r, der/die mitmachen möchte, das tun darf – und alle anderen sich nicht schlecht fühlen sollen. Genau solche Momente schaffen Nähe und verleihen LEAP eine Authentizität, die man auf diesem Level nur selten erlebt.

Calling Anybody ist zum Beispiel ein Track, der sich in der Mitte des Abends damit auseinandersetzt, dass man nicht gehen möchte. Ein Gefühl, das sich spätestens nach dem Klimax und dem letzten Song vor der Zugabe, The Downfall, noch einmal richtig breitmacht. Denn LEAP schafft es, absolute Rockstar-Qualität selbst in kleine Venues zu bringen – und das mit Songs, bei denen einer besser ist als der andere. Ohne dass sie sich jemals zu schade wären, ganz nah bei ihren Fans zu sein.

Fazit

LEAP ist eine Rockband, deren Potential seinesgleichen sucht. Selbst beim Erfolg, den sie sich mittlerweile schon zuschreiben können, bleiben sie unendlich bodenständig und bringen eine Energie auf die Bühne, bei der man am Schluss nicht gehen möchte. LEAP hat mit Sicherheit eines der besten Konzerte des Jahres in der SiMM City abgeliefert. Wo auch immer LEAP noch spielen wird, in meinem Kalender sind sie markiert.

Im Zweifel vor dem großen Screen oder hinter der Kamera.