Gewalt: Druck in den Gehörgängen
Es gibt Konzertmittwoche, die nachhallen. Einer davon fand zuletzt in der Linzer Stadtwerkstatt statt, wo mit dem Berliner Duo Gewalt ein Act gastierte, der Energie und Aussagen in seinem Schaffen vereint.
Mittwoch, Stadtwerkstatt, Linz. Gut 50 Leute sind gekommen, um einen Act zu erleben, wo man lange suchen müsste, um einen Ähnlichen zu finden. Wenn es einen solchen überhaupt gäbe, denn die Berliner Combo Gewalt rund um Patrick Wagner vereint Einflüsse von Industrial, Noise, Rock und Ekstase. Politische Inhalte natürlich inklusive.
Von experimentellem Pop zu doppeldenk
Support an diesem Abend gab es auch. Das Brüderpaar Daniel und Mario Gschwendtner alias Fantast eröffneten den Abend. Brüderliche Zwists um bandinterne Song- und Albenchronologien gabs zwar, aber ansonsten war das ein herzerwärmendes Set. Ein bisschen Hip-Hop, dann doch wieder ein ganzer Haufen Pop-Einflüsse, dazu können sie auch elektronische Wurzeln nicht leugnen. Das ist dann ein sehr tanzbarer Mix zu Songs wie Sick & Tired, die aktuellste Single-Auskopplung. In & Out ist dann unser heimlicher Anspieltipp bis zum nächsten Fantast-Konzert – da kann man als Besucher:in nicht viel falsch machen!
Danach: erstmal Überraschung, hatte ich Gewalt doch nicht als Duo in Erinnerung gehabt. Genau als solches stand Patrick Wagner mit Sol Astolfi auf der Bühne, Live-Schlagzeug fehlte. Und fehlte doch nicht. Denn Gewalt ist eine Band, die dennoch lebt. Egal ob Es Funktioniert, Gier, das immer aktuelle Deutsch, hier wird Politik mit einer Eingängigkeit in die Gehörgänge der Anwesenden gehämmert, dass es eine Freude ist. Der Fokus liegt klarerweise auf der aktuellsten Platte Doppeldenk, wo Songs wie Ein Sonnensturm tobt über uns auch andere Gewalt’sche Facetten zeigen. Genauso wie der Jahrhundertfick. Trans schlägt dann wieder in die politische Kerbe, und auch Gewalt haben eine Angewohnheit, die wir hier sehr schätzen. Nämlich auf unnötige Zugaben zu verzichten und während des regulären Sets das zu sagen, was ist. Und das ist im Fall von Gewalt ein politisches Statement, das man auch einige Tage danach noch verdauen muss. Nachdem man sich die Platte gekauft hat.
Foto: Christoph Leeb
