Im Namen aller Frauen
Tara-Louise Wittwer ist unter ihrem Instagram-Namen wastarasagt eine bekannte deutsche Feministin geworden. In ihrem dritten Buch „Nemesis’ Töchter“ beschreibt sie, wie die Wut von Frauen degradiert wird und wurde. Und warum female rage ein wichtiges Werkzeug gegen das Patriarchat ist.
Dass Frauen nicht das gleiche Recht auf Emotionen haben wie Männer, ist für viele keine Neuigkeit. Man vergleiche nur Fußballfans und Swifties. Wittwer beginnt in ihrem Buch mit der Geschichte der Nemesis, einer Göttin der Gerechtigkeit. Doch ihre Strafen wurden von den Männern als ungerecht und überzogen empfunden, und so wurde sie in den Erzählungen zu einer unkontrollierten Rachegöttin.
Verbindung
Wittwer nutzt wichtige geschichtliche Ereignisse wie die Frauenverbrennungen (Hexenverbrennungen) oder popkulturelle Einflüsse wie den Film „The Substance“ mit Demi Moore, um die vielen Facetten der in westlicher Kultur verankerten Misogynie zu veranschaulichen. Sie lässt immer wieder persönliche Erkenntnisse oder Erlebnisse einfließen. Natürlich sind das individuelle Erfahrungen ohne allgemeine Gültigkeit, doch entsteht dadurch eine Nähe zwischen Autorin und Leser:innen.
Meinung
Die Art der Erzählung und die Themen ähneln ihrem Social-Media-Content: freundlich und geduldig. Gedacht, um möglichst viele abzuholen und mitzunehmen. Dem Anspruch, einer breiten Masse mit so kontroversen Meinungen wie „Frauen sind auch Menschen“ gerecht zu werden, ist eine schwere Last. Wittwer beschreibt den Hass, der ihr entgegenschlägt, und die Stärke, die sie aus dem wachsenden Zusammenhalt unter Frauen und Gleichgesinnten schöpft.
Umdenken
Eher bei feministischer Einsteigerliteratur einzuordnen, erfüllt dieses Buch grundsätzlich die Erwartungen. Ein Allrounder, der wichtige Eckpunkte anspricht, viele nachvollziehbare Alltagsparallelen zieht und wirklich versucht, jede:n anzusprechen. Zugleich wird deutlich, wie häufig Wittwer sich gezwungen sieht zu erklären, dass sie keine Männerhasserin ist und nicht alle Männer meint. Ein Balanceakt für viele Feminist:innen, um möglichst niemanden zu verschrecken. Ob jemand, der bei feministischem Diskurs laut „Not all men“ schreit, sich dadurch umstimmen lässt, bleibt die Frage.
Weiter gehen
Wer sich nicht (nur) durch die ganzen 220 Seiten lesen will, kann sich auf Instagram von ihren Videos berieseln lassen. Doomscrolling im feministischen Rabbithole. Wittwer leistet auch vor der Kamera gute Arbeit und macht die Tür zum Feminismus humorvoll für alle auf.

Nemesis´ Töchter
3000 Jahre zwischen female rage und Zusammenhalt
von Tara-Louise Wittwer
Knaur Verlag
240 Seiten, Deutsch, gebundene Ausgabe
18,00 € – jetzt bestellen
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