Kakkmaddafakka: wie immer herausragend
Indierock quer durch Europa – so konnte man das Motto am zweiten Ahoi! Pop-Tag am Donnerstagabend im Posthof zusammenfassen. Von Norwegen über Salzburg nach Bologna, mit einem Abstecher nach Amsterdam, und leider schütterem Publikumsandrang.
Zuallererst: Lineuptechisch ist das schon ein ziemlich guter Konzertabend, der sich da am Donnerstagabend angekündigt hat. Die norwegische Live-Partyband Kakkmaddafakka, heimisches Aushängeschild im Indie mit Please Madame, dazu mit Leatherette und Noise Diva zwei entdeckungswürdige Artists. Umso erstaunlicher, dass dann nur gut 150 Leute den Weg in den Posthof gefunden hatten. Rein vom Turnout eher enttäuschend, musikalisch dafür umso weniger, wie sich bald zeigen sollte.
leatherette: Indierock aus Bologna
Zu früher Stunde um 19 Uhr eröffneten Leatherette aus Bologna den Konzertreigen. Das Quintett aus der Emilia-Romagna beeindruckte dann auch gleich mit einer Bühnenpräsenz, die sich gewaschen hatte. Bei näherer Betrachtung fällt dann auch gleich auf, warum das so ist, sind Leatherette doch bereits seit 2018 aktiv. Drei Alben umfasst die Discografie, laut Pressetext soll sogar Iggy Pop ein Fan sein. Nunja: Energie on stage haben die Leute, malträtieren dabei die Instrumente und nicht selten fragt man sich während des 45 Minuten dauernden Sets, warum man Leatherette noch nicht früher entdeckt hat. Macht Spaß, hat das anfangs schüchterne Publikum in den Saal gespielt – alles richtig gemacht. Ein Beweis, dass Liveurope eine richtig gute Initiative ist, und man hier Acts entdecken kann, die wohl zu Unrecht unter dem riesengroßen Radar hierzulande bleiben.
Please Madame: Salzburger Charme in Linz – oder doch Wels?
Danach standen mit Please Madame „Alte Bekannte“ auf der Bühne des Linzer Posthofes. Mit Easy Tiger haben sie ihre zweite Platte am Start, das sie schon im vergangenen Oktober in Linz präsentierten. Damals bummvoll, an diesem Donnerstag andrangtechnisch zu Unrecht ausbaufähig. Das Herz haben die vier Musiker am richtigen Fleck, sind um keinen Schmäh verlegen, und scheuen auch nicht davor zurück, persönliche Themen aufzugreifen. Ja, es ist keine Schande, sich in Therapie zu begeben. Genausowenig, wie es keine Schande ist, aus Wels zu sein, wie sie mit einem Augenzwinkern meinten. Stilistisch? Tanzbarer Indierock nach internationalem Vorbild, mehr als routiniert und eingespielt vorgetragen. Happy schienen sie, „endlich mal im Posthof zu sein“ nach dem Gewinn des Austrian Newcomer Awards 2014. Stimmte halt dann doch nicht so ganz, waren Please Madame ja auch schon 2017 als Voract von LP in der Zeitkulturhalle am Hafen zu Gast. War aber eh schon viel zu lange her, wie wir finden, und jederzeit gerne wieder! Immer noch eine der mitreißendsten Indiebands des Landes.
Kakkmaddafakka: tanzbar wie eh und je
Danach: Kakkmaddafakka. Die norwegische Indie-Rock-Urgewalt. Live uns immer als „Brett“ in Erinnerung geblieben – und auch an diesem Abend enttäuschten die Bergener rund um Front-Rampensau Axel Vingenes nicht. Nicht nur, weil österreichischer Rotwein gut mundet, sondern weil Kakkmaddafakka sich auf der Bühne mal salopp gesagt „einfach nix scheißen“. Das ist pure Lebensfreude, auch ein Freed From Desire-Cover wirkt nicht fehl am Platze. Indie-Hymnen wie Your Girl sind auch 2025 immer noch so tanzbar, wie übergroße Kakkmaddafakka-Flaggen immer noch zu ihrem Repertoire gehören. Kakkmaddafakka sind eine der Bands, die live nicht enttäuschen und den Anwesenden ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Sofern sie nicht gerade mit Abtanzen beschäftigt sind. Nächstes Mal dann vor ausverkaufter Hütte, gell!
Etwas undankbar danach der Slot von Noise Diva. Spätere Stunde, Headliner over – die Amsterdamer Produzentin und DJ hatte es dann doch schwer. Unverständlich, denn tanzbar ist das auf alle Fälle. Auch so ein Liveurope-Act, den man entdecken kann. Und es vor allem sollte, wie wir meinen!
Fazit: schöner, abwechslungsreicher Konzertabend mit wie immer großartigen Kakkmaddafakka. Leider halt zu viel Platz im Konzertsaal.
