Was wir in Zukunft trinken: Wie vier österreichische Startups Genuss neu denken
Neue Geschmäcker, weniger Alkohol, mehr Bewusstsein: Österreichs Getränke-Startups stellen Genuss neu zur Debatte. Vier junge Unternehmen aus Sandl, Ebbs, Wien und Villach zeigen, dass handwerkliche Arbeit, neue Ideen, Nachhaltigkeit und klare Konzepte genug sind, um gegen große Marken zu bestehen.
Der Getränke-Markt verändert sich. In Bars und Lokalen tauchen immer öfter alkoholfreie Alternativen auf, und selbst klassische Getränke wie Bier oder Limonade werden neu gedacht. Viele Menschen wollen weniger Alkohol, aber nicht weniger Geschmack. Andere wollen wissen, wo etwas herkommt, wie es produziert wurde und welche Haltung dahintersteht. Dieser Trend öffnet Räume für kleine Produzenten. Sie müssen nicht die günstigsten sein, sondern die glaubwürdigsten. Statt Marketingkonzepten zählen lokale Herkunft, ehrliches Handwerk und transparente Lieferketten. So können Startups den Markt erobern, die Getränke als Statement verstehen, nicht als Massenprodukt. Bewusster Konsum bedeutet nicht Verzicht, sondern Aufmerksamkeit: auf Zutaten, auf Menschen, auf Prozesse.
Warum Startups gerade jetzt Chancen haben
Während große Konzerne mit Werbebudgets arbeiten, punkten Startups mit Nähe: zur Gastronomie, zu den Kund*innen, und oft auch regionalen Zutaten. Erste Vertriebsschritte passieren selten über den Supermarkt, sondern direkt dort, wo Feedback unmittelbar ist: im Lokal, auf Messen oder durch Kooperationen mit Händlerinnen. Viele junge Betriebe setzen auf flexible Produktionsmodelle – etwa Abfüllung bei Partnern oder Förderprogramme, die den Einstieg in den Handel erleichtern. Andere diversifizieren ihr Angebot, um wirtschaftlich stabiler zu werden: Kaffee wird zum Kapselprodukt, Bier wird durch Feinkost ergänzt. Das gemeinsame Muster lautet: klein anfangen, nicht alles besitzen müssen, aber alles verstehen. Bewusster Konsum beginnt auf Produzentenseite – mit Entscheidungen, die nicht nur das Ergebnis, sondern auch den Weg dorthin beeinflussen.
Schettis Braumanufaktur

Schettis Braumanufaktur kommt aus Sandl bei Freistadt und setzt auf handwerklich gebraute Spezialsorten: Münchner Alt, Wiener Lager, verschiedene IPAs inklusive eines Waldbiers mit Zirbennadeln sowie Session-Biere. Der Vertrieb richtet sich primär an die Gastronomie, zur Expansion in den Handel nutzt die Brauerei Förderangebote wie das Programm Genussland Oberösterreich. Schettis Braumanufaktur ist Mitglied der Vereinigung der österreichischen Privatbrauereien (rund 45 Betriebe) – ein Netzwerk, das konzernfreie Strukturen und kollegialen Austausch betont. Matthias Schett braut in kleinen Chargen, seine neue Brauanlage schafft 8 Hektoliter. Abgefüllt wird in kleine Stubbi Seiterl-Flaschen (mit auffallenden Etiketten von Stefan Beham) oder in 20-Liter-Fässer für Schankanlagen.
Daneben betreiben die Schettis einen Onlineshop und sind in Linz in Lokalen wie dem Gelben Krokodil und dem Biergartl in Alt-Urfahr vertreten. Ein zweites Standbein sind Feinkostprodukte unter dem Namen herbal nerd. Hier kreiert Katrin Schett aus lokalem und saisonalem Obst und Gemüse Chutneys, Fruchtaufstriche und Sirupe, die mit weniger Zucker als die Industrie auskommen. Als größte Herausforderung nennen Katrin und Matthias Schett Vertrieb und Logistik – während die Vorteile in Flexibilität und der Möglichkeit liegen, schnell neue Sorten oder Kundenwünsche umzusetzen. Netzwerke wie ein Tourismus-Inkubator, der sie auf die Messe nach Salzburg gebracht hat, stärken die regionale Vernetzung.
Soda Zitron aus der Dose

Wer in der Gastronomie ein Soda Zitron bestellt, weiß nie, was er bekommt. Frischen Zitronensaft, nur eine traurige Zitronenscheibe im Mineralwasser, ein Konzentrat oder überhaupt künstliche Zitronensäure im Soda. Diesen Markt hat die junge Firma aus Ebbs in Tirol erkannt und verfolgt ein bewusst simples Konzept: Sodawasser mit 10 % frisch gepresstem Zitronensaft aus Spanien und Portugal, ohne Konzentrate oder Konservierungsstoffe. Produziert und abgefüllt wird bei einem Lohnabfüller (Starzinger), wodurch eigene Anlagen als Investitionshürde umgangen werden. Zur Verpackung gibt es Dosen (Vorteil: UV-Schutz, längere Haltbarkeit) und Glasflaschen für die Gastronomie (Einweg).
Sogar die Wort-Bild-Marke haben sie EU-weit schützen lassen. Da merkt man, dass das Gründerteam aus dem Marketing kommt und als Branchenfremde einen Sprung ins kalte Wasser gewagt hat. Geholfen hat dabei auch die neue Gesellschaftsform FlexKapG, die erst seit 2023 möglich ist. Die Gründer*innen arbeiten noch unbezahlt in ihrem Startup, es gibt jedoch erste Festangestellte. Und der Erfolg gibt ihnen recht. Nach nicht einmal anderthalb Jahren steht eine Listung bei SPAR in ganz Österreich bevor (bisher ist das simple Soda Zitron nur in Tirol und Salzburg im Geschäft zu finden). Soda Zitron antwortet damit auf ein alltägliches Gastronomie-Problem und positioniert Convenience, Recyclingfähigkeit und klares Produktverständnis als Verkaufsargumente.
Bootch – Kombucha aus Wien

Bootch begann während Corona in einer WG-Küche in Wien. Da begann Alex Plut zu experimentieren und zu fermentieren. Seither scheint er auf einer Mission zu sein. Sein Konzept beinhaltet auch den Wunsch, dass jeder mal selbst zu Hause ausprobiert, wie Fermentation funktioniert. Wer sich selbst damit beschäftigt, lernt das Produkt zu schätzen. Er will den Prozess nachvollziehbar machen und erzählt gerne davon.
Kombucha ist ein Getränk auf Basis fermentierten Tees und existiert schon tausende Jahre. Die Herstellungsweise nutzt die natürliche Symbiose aus Hefen und Bakterien, die den gezuckerten Tee zu einem säuerlich-spritzigen Getränk wandelt. Durch Zugabe von Früchten, Kräutern oder Gewürzen entstehen verschiedene Geschmacksprofile. Kombucha hat dabei einen minimalen alkoholischen Anteil durch die Fermentation, wird aber vor allem als Alternative zu klassischen Softdrinks oder alkoholischen Mixgetränken positioniert. Bootch ist bereits in einigen Lokalen verfügbar, ein Store-Locator findet sich auf der Website. Damit richtet sich Bootch an Konsument*innen, die an fermentierten Getränken und neuen spannenden Geschmäckern interessiert sind.
Ella Coffee

Der Kaffeemarkt ist weltweit hart umkämpft und im Supermarktregal stehen zig Anbieter nebeneinander. Und trotzdem trauen sich neue Firmen auf den Markt. Ella Kaffee ist ein Beispiel dafür, wie ein Familienbetrieb neue Wege findet, statt stehenzubleiben. Während der Pandemie, als andere Standbeine der Familie Umsatzeinbußen hatten, wurde investiert – in eine eigene Rösterei in Villach. Heute, vier Jahre später, führt der Sohn die Geschäfte und hat daraus ein kleines, aber klar positioniertes Unternehmen entwickelt. Die Bohnen stammen aus Guatemala, Kolumbien, Indien und Brasilien und kommen in 60-Kilogramm-Jutesäcken nach Europa, wo sie selbst direkt im Hafen an der Adria abgeholt und in die Rösterei gebracht werden. Der Weg ist überschaubar, nachvollziehbar, bewusst gewählt.
Was als Produkt für die eigenen Gastronomiebetriebe begann, ist inzwischen im Handel angekommen: In Kärnten ist Ella bereits bei Billa gelistet, zusätzlich läuft der Vertrieb über den eigenen Onlineshop. Im Sortiment finden sich fünf verschiedene Röstungen, die als ganze Bohne angeboten werden, zusätzlich gibt es kompostierbare Kapseln. Die haben zwar eine geringere Haltbarkeit als Alu- oder Kunststoffkapseln, aber sie sind eben auch ressourcenschonender. Und die Rösterei hat noch mehr vor. Von gebrandeten Tassen über Siebträger-Gastronomiemaschinen bis zum kompletten Franchise-System ist der Weg in die Expansion vorgezeichnet.
Fazit
Wer durch die Gänge der GAST in Salzburg geht, sieht beides: Messehallen voll mit Altbewährtem, mit riesigen Werbeflächen und perfekt inszenierten Produktwelten – und dazwischen kleine Stände, an denen gerade Zukunft passiert und die länger im Gedächtnis bleiben. Vielleicht, weil man hier Menschen trifft statt Markenbotschaften. Vielleicht, weil es gut tut, ein Produkt in der Hand zu halten, bei dem klar ist, wer dahinter steht. Entscheidend ist: Bewusster Konsum entsteht nicht im Regal, sondern im Kopf. Und manchmal beginnt er an einem kleinen Messestand.
