Foto: Markus Wetzlmayr
Foto: Markus Wetzlmayr

The Last Rodeo: Der Schwanen­gesang der Sub­kultur


Schicht im Schacht – beziehungsweise im schönsten Keller im Bezirk Vöcklabruck. Das GEI Timelkam schließt nach 54 Jahren seine Pforten und verabschiedete sich konzerttechnisch mit einem Stelldichein der heimischen Punkszene. Mit dabei: Wham Bam Bodyslam, Cromulents, Braf und The Powerpoints.

„I glaub i reah heid nu!“ hieß es am 8. November schon zu Beginn von Chefin Caro Föttinger, die gemeinsam mit ihrem Team seit 2011 das Traditionshaus GEI – ehemals Mosquito, ehemals Papageno – zu einem der Fixsterne am heimischen Subkulturenfirmament gemacht hat. Und mit dieser Ankündigung war sie bei weitem nicht alleine. Zwischen viel Wehmut, die die einen oder anderen in Hochprozentigem zu ertränken versuchten, und obligatorischer Nostalgie ließ man das GEI also noch ein letztes Mal live hochleben. Auch dürfte das letzte Rodeo ein paar der älteren Cowboys und -girls aus dem Ruhestand gelockt haben. Sätze wie „Oida, des is so geil wie früha!“ und „Es fühlt si eh au wia imma!“ waren nicht nur vereinzelt zu hören. Doch all das Sinnieren und Herbeiwünschen vergangener Jahre hilft nix – das GEI muss Ende des Jahres weg.

Um den Untergang so laut wie möglich zu gestalten, legte sich hier die heimische Szene ins Zeug und bot ein Who-is-Who der GEI Dauergäste und Wegbegleiter:innen an. Nur die angekündigten Edelweißpiraten ließen sich krankheitsbedingt an diesem Abend entschuldigen. Eine Lücke, die die anwesenden Bands jedoch mehr als gebührend auffüllten.

The Powerpoints

The Powerpoints


Bereits die Opener, The Powerpoints, lieferten bei ihrem ersten Live-Gig der noch überschaubaren Bandgeschichte feinstes Krachwerk für geneigte Hörgänge. Nomen non est omen, zum Glück. Denn die vier Herren sind keine frisch geschlüpften WU-Valentins, die mit schnittigen Präsentationstransitions zu einem auf WhatsApp-Gruppen basierenden Schneeballsystem – äh „Multi-Level-Marketing“ Schmarrn – einladen wollen, sondern gestandene Veteranen der lokalen Szene. Da finden sich unter anderem bekannte Gesichter von As God Created oder den legendären und viel zu selten greifbaren You Know?! auf der Bühne. Entsprechend mitreißend gestaltet sich hier auch ein bewährtes Konzept: Pop-Coversongs mit Punk-Injektion. Knattert!

Braf


Apropos „Szeneveteranen“ – bei Braf sieht man einige bekannte Gesichter aus der Vöcklabrucker Ecke auf der Bühne stehen und sitzen. Und obwohl hier großteils Punk Rock in Reinform dargeboten wird, schweiften die Gedanken schnell ab und reisen über die Bezirksgrenzen, über den Großen Teich, über das Brachland westlich New Yorks, ums ich sich schließlich an den sandigen Stränden Kaliforniens niederzulassen. Denn den starken Social Distortion Vibe könnten Braf nie abstreiten. Und so hatte man bei fast jedem Song das Gefühl, dass hier ein motivierter Mike Ness irgendwo im GEI versteckt war. Zu einer blanken Plagaitsveranstaltung wurde der Brafgig dann dank der herzhaften Untermengung von österreichischen Songs jedoch nie. Gefällt!

WHAM BAM BODYSLAM


Weiter ging es dann mit Wham Bam Bodyslam. Die sind ja nahezu im GEI wohnhaft und dürften auch zu den Bands mit den meisten GEI Auftritten zählen. Dementsprechend herzerwärmend waren die Ansagen und es stand vor allem eines im Vordergrund: die tiefe Dankbarkeit und Verbundenheit dem GEI und seinen Leuten gegenüber. Setlisttechnisch wurde wieder mal ein Querschnitt durch die letzten 17 Jahre geliefert und wer mitgezählt hat, wundert sich, wann denn all die neuen Songs endlich ihren Weg auf eine Schallplatte finden werden. Oder wo eigentlich endlich eine Live-LP bleibt. Aber für all diese Überlegungen war auf der g’stopft vollen Tanzfläche sowieso kaum Zeit. Langzeitfans vermissten jedoch zwei Songs aus dem Repertoire, die thematisch wie der Arsch auf den gentrifizierten Kübel gepasst hätten: die beiden Covers „The Rooster“ von Siobhan und „Yuppie Town“ von Roaring Jack. Jeweils folkige Brandreden gegen die Gentrifizierung und Vertreibung von Nischen der Subkultur.

CROMULENTS


Den krönenden Abschluss lieferten Hallstatt’s Hardest: Cromulents. Auch hier standen wieder die üblichen Gesichter auf den GEI-Bühnenbrettern, die in vergangenen Jahren in diversesten Bandkonstellationen die Grundmauern Timelkams gehörig durchgeschüttelt haben. Mit einem festen Oi!-Einschlag und keiner Rücksicht auf Verluste setzten man hier zum Ende noch den gebührenden Schlussstrich unter eines der schönsten, lautesten, ranzigsten und besten Kapitel der oberösterreichischen Jugend- und Subkulturgeschichte.

BABA, GEI!

GEI, wir werden dich vermissen. Du hast uns geprägt, geformt und geschunden. Wir danken Caro und Willi und allen, die den Großraum Vöcklabruck um einiges lauter, bunter und erträglicher gemacht haben.

Das wird uns fehlen.

Fotos: Markus Wetzlmayr

Markus liefert als Teil der Wiener Fraktion von Subtext Konzertfotos aller möglichen Genres. Egal ob Hip Hop oder Black Metal - Hauptsache die Musik geht unter die Haut und drückt in den Ohren.