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Foto: Lisa Leeb

Fiva – Den Moment anhalten

Ein ausverkaufter Abend im Posthof Linz, geprägt von Nähe, Haltung und Humor. Mina Richman begeistert mit Authentizität, Fiva verwandelt ihr Konzert in das Wiedersehen mit einer guten Freundin – intensiv, verbindend und unvergesslich.

Manchmal sind es nicht nur die Songs, die einen Konzertabend besonders machen, sondern das Gefühl, das man mit nach Hause nimmt. Dieses leise Nachhallen, das noch Tage später präsent ist. Als hätte man nicht einfach ein Konzert besucht, sondern einen Moment geteilt. Der ausverkaufte Posthof Linz wurde an diesem Abend genau zu so einem Ort. Ein Raum für Nähe, Haltung, Humor und ehrliche Begegnungen.

Zwei Künstlerinnen prägten diesen Abend auf ganz unterschiedliche, aber überraschend harmonische Weise. Mina Richman, die als Vorband begann und als echte Entdeckung endete. Sie eröffnete den Abend mit persönlicher Offenheit, politischer Klarheit und einer feinen Portion Selbstironie. Fiva wiederum betrat die Bühne nicht wie ein klassischer Headliner, sondern wie eine gute Freundin, die man lange nicht gesehen hat. Eine, bei der keine Distanz entsteht, sondern sofort Vertrautheit. Ihre Musik, ihre Texte und ihre Art, mit dem Publikum zu sprechen, verwandelten den Konzertsaal in einen gemeinsamen Raum. Irgendwo zwischen Wohnzimmer, Tanzfläche und Gedankenexperiment.

MinA RICHMAN

Voller Vorfreude auf Fiva drängelte ich mich bis in die erste Reihe – um dann doch kurz innezuhalten. Vor lauter Begeisterung für den Hauptact hatte ich glatt vergessen, der Vorband im Vorfeld Aufmerksamkeit zu schenken. Ein fataler Fehler, wie sich herausstellte. Wie gerne hätte ich die Musik von Mina Richman schon vor dem Konzert gekannt, um bei dem ein oder anderen Song zumindest leise mitsummen zu können.

Die deutsch-iranische Musikerin hinterließ nicht nur bei mir einen bleibenden Eindruck, sondern hat mit ihrer Musik bereits viel bewegt. So ging ihr Song „Baba Said“ während der Iran-Revolution viral und leistete einen Beitrag zum Kampf für Freiheit und die Einhaltung der Menschenrechte. Ihr Debütalbum „Grown Up“ erschien im März 2024 – ein Werk, in das spürbar viel Liebe, Ehrlichkeit, Kritik und ihr einzigartiger Humor geflossen sind.

Mina gibt sich authentisch und lässt das Publikum an ihrem Leben teilhaben. Neben außergewöhnlichen Songs arbeitet sie aktuell auch ganz charmant an wunderschönen Lachfalten. Zwischen den Liedern erzählt sie Geschichten aus ihrem Alltag und aus ihrer Familie – unter anderem vom legendären Melonen-Vorfall, bei dem eine unreife Melone zu einem familiären Boykott eines Nahversorgers führte. Ob diese familiäre Fehde – wie so vieles – durch Therapie geregelt werden kann, bleibt vorerst offen.

Mit Songs wie „You Do Not Like to Dance“ und ihrem trockenen Humor zog die Musikerin gemeinsam mit ihrem Begleiter Friedrich Schnorr (Freddy an der Gitarre) das Publikum schnell in ihren Bann. Mit den Worten „Jetzt klatschen wir noch drei Minuten, dann ist es auch schon vorbei“ verabschiedet sie sich schließlich vom begeisterten Posthof-Saal – und hinterlässt das Gefühl, gerade etwas Besonderes entdeckt zu haben.

FIVa

Ich kann kaum beschreiben, was Fiva so unglaublich macht. Bei ihren Konzerten habe ich jedes Mal das Gefühl, eine alte Freundin zu treffen. Nicht jene, bei der die Gespräche stocken und man sich erst wieder finden muss – sondern die Art von Freund*in, mit der man sich auf einen Kaffee oder Tee trifft und innerhalb weniger Sekunden genau dort weitermacht, wo man vor einer Ewigkeit aufgehört hat.

Es fühlt sich an, als würde diese Freundin in die Stadt kommen – und sie im Handumdrehen wieder für sich gewinnen. Einen selbst gleich mit dazu. Nicht ohne Grund heißt einer ihrer Songs „Die Stadt gehört wieder mir“.

Dass Linz ihr längst gehört, bewies an diesem Abend der ausverkaufte Posthof-Saal mit gefühlt tausend textsicheren Köpfen. Mit über 17 Songs entführte Fiva (bürgerlich Nina Sonnenberg) das Publikum quer durch ihre Diskografie: von den frühen Anfängen um 2006 (Album „Kopfhörer“) bis hin zu ihren neuesten Veröffentlichungen. Dazu zählte auch das Duett „Halt den Moment an“ mit Spilif, die kurzerhand auf die Bühne geholt wurde – ganz so, wie man spontan eine Freundin dazuholt, wenn der Moment danach verlangt.

Unter Freund*innen darf man auch mal den Faden verlieren. So wurde statt „Solange du mit mir singst“ kurzerhand ein beeindruckender Freestyle – ein Moment voller Leichtigkeit und Nähe. Nebenbei wurde noch ein Namenswunsch für das nächste Baby geäußert („Fiva“) – was von dem einen oder anderen Paar im Publikum durchaus registriert wurde.

Spätestens bei „Das Beste ist noch nicht vorbei und „Einen Sommer lang nur tanzen“ fielen alle Hemmungen. Es wurde laut mitgesungen, ausgelassen getanzt – der emotionale Höhepunkt dieses Freund*innenbesuchs. Doch wir wissen alle: Auch wenn man eigentlich schon aufbrechen will, verlagert sich das Gespräch oft noch vor die Tür. Genau so fühlte sich die Zugabe an.

Mit Klassikern wie „Goldfisch“, „Frühling“ und natürlich „Dein Lächeln verdreht Köpfe“ wurde das unvermeidliche Ende hinausgezögert. Ein Abschied, der keiner sein wollte – sondern eher ein leises Versprechen: Wir sehen uns wieder.


Foto: Lisa Leeb

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