Leftovers: Krach & Schweiß
Das letzte Konzert der Wiener Alternative-Band Leftovers im Posthof Linz für das laufende Jahr war ein Schweißtreibendes. Support kam von Julia Effekt und Leeta.
Freitagabend, Linz, Posthof. Ein mehr als gut gefüllter mittlerer Saal wartete auf eine der Bands, die in den vergangenen Jahren am schnellsten in den heimischen Musikhimmel aufgestanden ist: Leftovers. Warum das so war, wurde an diesem Abend schnell deutlich. Bunt gemischtes, meist dann doch junges Publikum, ein einziger großer Moshpit und die Gewissheit, nach dem Konzert um einige Liter Schweiß ärmer zu sein. Aber der Reihe nach.
Zwei Hochkarätige Supports
Denn auch beide Supportbands hatten es verdient, erwähnt zu werden. Zum einen wären da Julia Effekt, die kurz nach 20 Uhr den Abend eröffneten. Nachtparkett präsentierten sie an diesem Abend, ihr Debütalbum. Das ist am 17. Oktober erschienen und ein Debütwerk, wo man nicht unbedingt glaubt, dass es sich um Platte #1 handelt. Mal emotional, mal ausbrechend, mal ruhig, dann doch wieder expressiv laut – eine musikalische Achterbahnfahrt auf höchstem Niveau, wo die Ohren nach dem gut halbstündigen Set gut pfeifen. Hui, machen die Spaß – sicher eine der Entdeckungen des Jahres. Und wer neugierig ist: am Dienstag wird das Album auch in der Arena Wien offiziell präsentiert. Empfehlung hiermit ausgesprochen!
Zweiter Supportact für die Leftovers: Leeta. Musikalisch doch anders als der Opener, aber ebenfalls gut zu den Leftovers passend. Indie, Pop, das ganze durch den musikalischen Fleischwolf verdreht. Samt Pete Doherty-Lookalike an der Gitarre. Inhaltlich fühlt man sich hier gut aufgehoben, wenn aktuelle Themen angesprochen werden. Sexuelle Belästigung inklusive. Irgendwo fühlt man sich auch an die leider aus der Musikwelt scheidenden Dives erinnert, wenn man Leeta live sieht. Und das hoffentlich noch öfters tut.
Leftovers: Krach, der niemals endet
Danach: Ekstase, als Leftovers die Stage betreten. Was 2023 mit Krach als Debütalbum begann, hat mit Müde und aktuell mit Es kann sein dass alles endet zwei weitere Alben zur Folge gehabt. Und was im Rahmen des Posthof-Konzertes passierte, haben wir auf eine solche Art und Weise auch schon lange nicht mehr gesehen. Ein einziger großer Circle-Pit, Moshen bis zum Gehtnichtmehr und fast hundertprozentige Textsicherheit im kompletten Saal. Die Wiener Schule, wie sie die Leftovers selbst am Debüt mitbegründeten, ist also durchaus massentauglicher geworden. Politische Statements zwischendurch gibts natürlich auch, Klassiker auf der Setlist fehlen auch nicht. Was man merkt: exzessives Touren in den letzten Jahren hat die Präsenz der Leftovers noch mal gestärkt. Das hat ihnen gutgetan – es wirkt routiniert, aber nicht standardisiert, was die Vier da auf der Stage veranstalten. Angesichts dessen, wie nach dem Konzert der Merchstand belagert wurde, kann man sich nicht vorstellen, dass alles endet, wie sie im Album angeben. Die Geschichte der Leftovers dürfte noch nicht zu Ende erzählt sein.
