© Reinhard Winkler
© Reinhard Winkler

Come from away – die von wo Anders

Ein Ensemble-Stück wie kein anderes feiert am Landestheater Linz seine Österreichische Uraufführung. Come From Away erzählt von Passagieren, die nach den Terroranschlägen vom 11. September in Neufundland notlanden – eine berührende Geschichte über Menschlichkeit, Zusammenhalt und einen mitreißenden Celtic-Folk-Rock-Sound.

Am 11. September 2001 drehen die Einwohner von der kleinen Stadt Gander, Neufundland, das Radio auf und hören die erschreckenden Nachrichten. Zur gleichen Zeit erhält die Pilotin eines Flugzeugs am Weg in die USA die Nachricht, sofort eben dort zu landen. 38 Flugzeuge landen an diesem Tag in Gander, was die Population somit fast verdoppelt. Als die Passagiere nach stundenlangem, nervenzermürbendem Warten (28 Stunden) die Flugzeuge endlich verlassen dürfen, werden diese ohne weitere Informationen in Notunterkünfte gebracht. Erst dort erfahren sie, was passiert ist.

Ehren-Neufundländer:innen © Reinhard Winkler

Die Stadt schafft es genügend Kleidung, Decken und Essen zu organisieren und nimmt die gestrandeten Passagiere liebevoll auf. Sogar über die Tiere im Flugzeug macht sich eine Einwohnerin Gedanken und bricht dafür auch mal das Gesetz. Der Ausnahmezustand wird für alle zur Härteprobe. Während die gestrandeten Passagiere um ihre Liebsten und ihre Heimat bangen, arbeiten die Leute aus Gander tagelang durch. Nach einer gemeinsamen, durchzechten Nacht, werden einige der Passagiere zu Ehren-Neufundländer:innen. Währenddessen bekommt die leidenschaftliche Pilotin den Anruf, dass die Flugzeuge endlich abheben dürfen.

Die Gastfreundschaft der Einwohner von Neufundland motiviert die Passagiere Geld für sie zu sammeln, und es kommt zu einer berührenden Abschiedsszene. 10 Jahre nach der Notlandung kommt es zwischen den damaligen Gästen und Einheimischen zu einem Wiedersehen und wir erfahren, wie die Geschichten weitergingen.

Die Umsetzung

Die Bühne wird zum Flugzeug © Reinhard Winkler

Da während des Stücks oft der gesamte Cast auf der Bühne ist und jede:r mehrere Rollen übernimmt, müssen die Verwandlungen schnell auf der Bühne passieren. Vor allem dieser Aspekt von Come from Away hat mich wahnsinnig beeindruckt. Manchmal wird nur ein Hut oder eine Jacke unauffällig gewechselt und schon wird die Lehrerin zur Pilotin. Auch das Bühnenbild bleibt während des Stücks fast gleich, jedoch erkennt man sofort durch das einfache Umstellen von Stühlen, dass wir uns nicht mehr im Pub, sondern im Bus befinden. Ein großes Lob an die Kreativität in diesen Bereichen! Hut ab auch an den Cast – sich zu merken, wann wo welcher Sessel hinkommt, wäre für mich eine Herausforderung!

Die Besetzung

Wie gewohnt bietet der Cast des Landestheater Linz großes Kino. Ich hatte selten so oft Tränen in den Augen wie während dieses Stücks. All die authentisch dargestellten Einzelschicksale waren unglaublich berührend. Um solche Emotionen im Publikum auslösen zu können, braucht es großes schauspielerisches Können und Feingefühl. Wie bereits bei Alice im Wunderland durfte ich die tolle Chemie zwischen Alexandra Yoanna Alexandrova und Max Niemeyer nochmal erleben. Beide Stimmen harmonieren so schön und brillieren als romantischer Lead.

Das fantastische Ensemble © Reinhard Winkler

Vor allem Alis (Christian Fröhlich) Schicksal und Hannahs (Astrid Novak) Geschichte und ihre Freundschaft mit der einheimischen Beulah (Sarah Schütz), haben mich berührt. Obwohl ich selbst noch nie in deren Situation war, haben mich beide völlig mitgerissen.

Doch das Stück bringt das Publikum (besser gesagt mich) nicht nur zum Heulen, sondern auch zum Lachen! So haben viele Cast-Mitglieder wieder mal ihr komödiantisches Talent zeigen dürfen. So brachten mich vor allem Anettes (Sanne Mieloo) Tagträume oft zum Lachen – vielen Dank liebe Männer im Cast ich fand euch zum Schreien!

Die Musik

Cast und Band auf der Bühne © Reinhard Winkler

Wirklich vergleichen kann man die Musik des Stücks mit keinem anderen Musical. Wem der Begriff „Celtic-Rock-Folk“ auch Fragezeichen aufwirft, ist nicht allein. Doch spätestens nach der ersten mitreißenden Nummer geht bestimmt allen im Publikum ein Licht auf. Die Band des Linzer Landestheaters, in diesem Stück liebevoll „The Newfundland Shreekers“ genannt, ist wieder mal fantastisch. Ich finde es wahnsinnig schön, dass die Band hier sichtbar gemacht wurde und auch teilweise auf der Bühne mittanzen darf. Tom Bitterlich hat sich als Konduktor wieder einmal selbst übertroffen und während des Keyboardspielens das Orchester sowie die Darsteller:innen geleitet. Dieser Mann ist ein musikalisches Genie – mehr muss man dazu nicht mehr sagen.

Fazit

Come From Away ist ein Musical wie kein anderes – ehrlich, berührend und überraschend humorvoll. Die Inszenierung am Landestheater Linz zeigt eindrucksvoll, dass große Emotionen kein großes Bühnenbild brauchen, sondern vor allem starke Geschichten, kluge Regie und ein herausragendes Ensemble. Dieses Stück erinnert daran, wie viel Menschlichkeit selbst in den dunkelsten Momenten möglich ist, und verlässt das Publikum mit einem warmen Gefühl im Herzen. Wer Musical liebt – oder einfach daran erinnert werden möchte, wie wichtig Zusammenhalt und Mitgefühl sind – sollte sich Come From Away nicht entgehen lassen.

Karten für die weiteren Vorstellungen gibt es auf der Website des Landestheater Linz.

Ich bin wahrscheinlich die Definition von Jack of all Trades. Ich liebe es vieles zu machen, sonst kommt die Unruhe in mir zum Vorschein. "Fake it till you make it", ist einer meiner Lieblingssätze, denn wenn ich etwas machen möchte, mach ich's eben einfach. Deswegen bin ich: Eventmanagerin, professionelle Tänzerin, Tanztrainerin, Content Creator, Bloggerin, Sprecherin/ Moderatorin in Ausbildung und vieles mehr. Ich freu mich, wenn ihr meine Beiträge lest und über eure Nachrichten!