edwyn collins posthof linz
Foto: Christoph Leeb

Edwyn Collins: eine letzte Ehren­runde

A last lap around Europe – der schottische Barde Edwyn Collins gastierte am Freitag zum vielleicht letzten Mal im Posthof Linz. Eine würdige Ehrenrunde, wie sich herausstellen sollte.

Die Geschichte des schottischen Künstlers Edwyn Collins ist eine sehr bewegte. Der heute 66-Jährige hatte seine Wurzeln im Post-Punk und New Wave mit Orange Juice, ehe er Mitte der 1980er seine Solokarriere startete. Der Überhit A Girl Like You machte den umtriebigen Artist 1994 auch einem sehr breiten Publikum bekannt. 2005 beeinträchtigten zwei erlittene Schlaganfälle Collins, der sich mittels Rehabilitation erstmal in ein halbwegs normales Leben zurückkämpfen musste. Sprechen und vor allem Singen inklusive. Insofern ist es eine mehr als bewundernswerte Leistung, dass Collins seither nicht weniger umtriebig ist. Und zuletzt mit Nation Shall Speak Upon Nation 2025 wieder ein (mittlerweile zehntes) Album veröffentlicht hat. Ein Album, das er zum Anlass nimmt, um eine last lap around Europe, also eine letzte Tourrunde zu drehen. Eine, die ihn nach einer ausverkauften Show im Wiener WUK am Donnerstag am Freitag auch in den Linzer Posthof führte.

Support an diesem Abend kam aus London mit The Hanging Stars. Wobei, nur einem Teil davon: Als Akustik-Duo waren Rich und Pat für die Österreich-Shows von Edwyn Collins angereist, der Rest war zu Hause geblieben. Ein spezielles Set, das den Sound der Hanging Stars herunterreduziert hat. Was normalerweise ein Mix aus Folk-Rock, ein bisschen Britpop und fast schon Country-Anleihen ist, ist an diesem Abend ein Singer/Songwriter-Duo. Stripped down, passt aber, und verträgt sich sehr gut mit dem Hauptprotagonisten des Abends. Und wenn man als Support am zweiten von drei Konzertabenden seinen Merch ausverkauft hat, kann man nicht so ganz viel falsch gemacht haben.

Ausflug in die Vergangenheit

Edwyn Collins samt (herausragender) Begleitband betrat nach kurzer Stärkungspause die Bühne. Schnell wird deutlich: Seine Wurzeln mit Orange Juice sind ihm in der Setlist wichtig. Mit Falling and Laughing und Dying Day stehen am Anfang gleich zwei Songs seiner Ursprungsband auf der Setlist. Natürlich nimmt die Platte Gorgeous George aus 1994 ebenso eine prominente Rolle ein. Neben dem erwähnten Überhit A Girl Like You gibt es mit The Campaign For Real Rock und Make Me Feel Again Evergreens von Edwyn Collins zu hören. Gänsehautmoment auch, als bei In Your Eyes Edwyns Sohn William mit auf der Bühne steht.

Den Rest des Sets stellt Collins wieder, neben dem aktuellen Album klarerweise, zu einem Gutteil in Orange Juice’sche Zeiten: Rip It Up, I Can’t Help Myself und einige mehr. Steht ihm gut, muss man an dieser Stelle sagen, zu seinen Wurzeln zu stehen. Und spätestens nach der Zugabe samt Home Again ist man an diesem Abend einer von leider nur gut 250 Glücklichen, die Edwyn Collins nochmals ein (vielleicht) letztes Mal live gesehen haben. Schöner Konzertabend!

Foto: Christoph Leeb

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft, gerne auch analog. Biertrinker. Eishockey- und Fußballfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.