Ilčo Naumoski: ein echter Typ
Der letzte echte Typ der Bundesliga – so der Titel der Autobiografie eines Fußballers, der das Attribut Enfant terrible bereits zu aktiven Zeiten hierzulande geprägt hat: Ilčo Naumoski. Der Nordmazedonier nimmt sich auch nach dem Karriereende selten ein Blatt vor den Mund.
Ilčo Naumoski – ein Typ, der bereits zu aktiven Zeiten beim GAK und beim SV Mattersburg gefürchtet war. Bei Schiedsrichtern, Gegenspielern und ja, auch die eigene Mannschaft war vor der Mentalität des Nordmazedoniers nicht immer sicher. Ilčo Naumoski polarisierte, er übertrieb manchmal, war aber immer torgefährlich und nicht selten die sportliche Lebensversicherung eines heute nicht mehr in der Bundesliga existenten Profivereines aus dem Burgenland.
Der Journalist Peter K. Wagner hat Ilčo Naumoski eine Biografie gewidmet, die vergangene Woche auch in Linz im Chelsea präsentiert wurde. Fußballaffinen ist der Grazer Journalist kein Unbekannter – als Teil des Podcasts Die Beste Liga der Welt berichtet er regelmäßig aus dem österreichischen Fußball. „Ich hatte zunächst starke Vorurteile gegenüber Ilčo Naumoski“, das gibt auch der Autor zu. „Nach einem Interview mit ihm wurde mir klar, dass hinter dem vermeintlichen Bad Boy deutlich mehr steckt“, so Peter K. Wagner. Ja, ein Bad Boy war er mit Sicherheit, einer, der am und abseits des Platzes polarisierte. „Dieses Überraschungsmoment wollte ich anderen ermöglichen: ein differenziertes Bild eines Spielers, der oft eindimensional wahrgenommen wurde.“
Ilčo Naumoski: zwischen Ehrgeiz und Selbstkritik
Eindimensional ist Ilčo Naumoski nicht, wie wir im Interview im Linzer Chelsea Pub anlässlich der Buchpräsentation seiner Biografie erfahren durften. Natürlich, Ehrgeiz ist ein Attribut, das den Nordmazedonier immer anspornte. Stolz und Siegeswillen wären andere Begriffe, die uns hier spontan einfallen würden. Und um einen Spruch ist Naumoski auch 2026 mit Sicherheit niemals verlegen.
Zugegeben, uns ist es hier wohl wie Peter K. Wagner gegangen, dass sich die Sicht auf den Stürmer verändert hat. „Mit jedem Treffen wurde für mich nachvollziehbarer, warum es in seiner Karriere zu bestimmten kontroversen Situationen gekommen ist. Am meisten überrascht hat mich aber, wie offen er über eigene Fehler spricht und wie selbstkritisch er sein kann – etwas, das ich dem Fußballer Naumoski, wie ich ihn als Fan erlebt habe, nie zugetraut hätte.“ So der Autor über seinen porträtierten Partner: Naumoski selbst beteuert auch in unserem Interview, vielleicht nicht immer alles richtig gemacht zu haben. Aber Eines ist sicher: verstellt hat er sich nie. Egal ob beim GAK als junger Spieler, wo er mit Meistertitel und Cupsieg das Double feiern konnte, oder als eines der Aushängeschilder des damaligen Bundesligisten SV Mattersburg mit anderen „Typen“ wie dem heutigen LASK-Chefcoach Didi Kühbauer, Carsten Jancker oder vielen anderen.
Polarisierend, aber mit RÜCKGRAT
Dass es hierbei nicht immer friktionsfrei gelaufen ist, versteht sich angesichts des Charakters von Ilčo Naumoski fast von selbst. Sich selbst schonte Naumoski, der sicher nicht als „Trainingsweltmeister“ gezählt hat, ebensowenig wie sich selbst. Nach einer schweren Beinverletzung bei seiner letzten Station als Aktiver, Vardar Skopje, ist er heute auch noch nicht schmerzfrei. Aber froh, dass der Fuß überhaupt noch dran sei, so Naumoski scherzhaft im Interview. Ja, Naumoski ist ein Typ, der polarisierte, aber wohl das Gegenteil vieler heutiger Fußballprofis ist.
Vielleicht ist es auch deshalb der letzte echte Typ der Bundesliga, wie Peter K. Wagner im Buch schreibt. Ist er aber der „letzte“ Typ? Nun, wir halten es hier mit dem Autor des Buches: „Endgültige Zuschreibungen sind naturgemäß mit Vorsicht zu genießen. Natürlich gibt es auch heute noch wenige Typen in der Bundesliga. Aber ich kenne keinen anderen österreichischen Kicker, dessen Lebensgeschichte erzählenswerter ist. Ilco sagt selbst, er habe Dinge erlebt, die andere in 10.000 Jahren nicht erleben würden. Genau deshalb macht ein Buch über ihn Sinn.“ Das lassen wir einfach mal so stehen – und wünschen viel Spaß beim Hören des Interviews!

Der letzte echte Typ der Bundesliga
Peter K. Wagner
SC ABC-Verlag
260 Seiten, Deutsch, limitierte 2. Auflage, Softcover
€ 21,90 – jetzt bestellen
PLAYLIST
Cassie Henderson – Teenage Dirtbag
Aidan Jack Finnecy – Becoming
PIN – Walking Barefoot