Agnostic Front: Hardcore zur Wochenmitte
Seit 1982 aktiv und nicht müde: Agnostic Front sind auch aktuell immer noch eine der prägendsten Hardcore-Bands. Mittwoch im Posthof in Linz zu Gast, mit illustren Gästen im Gepäck. Und sogar Local Support gab es.
Zuallererst mal eine Forderung: Hey, das sind viel zu wenige Konzerte dieser Art im Linzer Posthof. Denn Agnostic Front machten am vergangenen Mittwoch im großen Saal des Linzer Zeitkulturhafens mächtig Spaß. Roger Miret, Vinnie Stigma und Co. sind nämlich auch 2026 noch nicht müde, die Bühnen dieser Welt in ihren Grundfesten zu erschüttern.
Aber der Reihe nach. Turnout an diesem Mittwoch? Wohl an die 450 bis 500 Personen, die in den Posthof gekommen waren. Not great, not terrible, könnte man an dieser Stelle anmerken. All jene, die den Zeitpunkt des Eintreffens etwas vorverlegen konnten, bekamen dann sogar einen Local Support zu sehen. Mit Exception stand eine Band knapp nach 19 Uhr auf der Posthofbühne, die man in Linz nicht nicht kennen kann. Mario, Chris, Zeis & Fabi hat man schon auf unzähligen Gigs auf, neben und rund um die Bühne gesehen – als Exception geben sie sich ein neues musikalisches Gewand. Übrigens erschienen auf dem sehr empfehlenswerten MAXIMUM PROFIT Records, wo man das aktuelle Tape auch hören kann. Und das gefälligst auch tun sollte.
Weiter ging’s dann mit dem „regulären“ Tourblock, den Agnostic Front im Gepäck haben. Den Anfang machten dann Raw Brigade. Die Hardcore-Dampfwalze aus der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá geht auf der Stage keine Kompromisse ein. Und gewinnt den Rekord der „Circle Pit! Circle Pit!“-Aufforderungen unangefochten. Jedes Mal ein Schluckerl bei jeder Aufforderung und man geht ordentlich bedient heim. Oldschool-Hardcore der hämmernden Sorte, für Linzer Mittwochsverhältnisse durchaus annehmbare Pits in der Mitte. Haben mit mir an diesem Abend zumindest einen Live-Fan mehr gewonnen!
Wisdom in Chains & AF: Double Header
Danach: Wisdom in Chains. Seit 2024 nach dem Ausstieg von Mad Joe Black, den ein Redaktionskollege als „Gesangstitan“ titulierte, mit Franke Puopolo (Death Before Dishonor) am Front-Mic. Kann das gut gehen? Nunja, schon. Tracks wie Chasing The Dragons, When We Were Young, My Friends und Co sind aus vielen Hardcore-Playlists nicht mehr wegzudenken. Ein bisserl ungewohnt ohne Mad Joe ist das dann zwar doch immer noch, aber Frankie gibt sich alle Mühe. Kurzer Ausflug ins Publikum, das während des Wisdom in Chain-Gigs erst ein bisschen auftauen musste, inklusive. Mit Ballad Of Antonio gibts auch einen neuen Track zu hören, was beweisen sollte, dass die Geschichte der Band aus Pennsylvania noch nicht ganz fertig erzählt zu sein scheint. Und allein das ist an diesem Abend gut zu hören. Auch wenn man sich, wenn man den Opener schon dankend erwähnt, dann doch zumindest den Bandnamen von Exception hätte merken dürfen.
Eine etwas lange Umbauphase (samt Journey aus den Boxen) später dann Agnostic Front. Nun, man geht ja oft inflationär mit dem Status „Legenden“ um, aber Vinnie Stigma und Co. kommen dem schon ganz nahe. Nach Frank Sinatras „New York, New York“ betreten sie die Stage und lassen schnell etwaige Zweifel ad acta legen. Echoes in Eternity heißt die neueste Platte, die sie natürlich auch im Gepäck hatten. Gut 20 Songs haben sie während des etwa einstündigen Sets im Repertoire, wirken motiviert und so, als ob sie zumindest ein bisschen Spaß auf der Bühne hätten.
The Eliminator, Old New York, Victim In Pain, For My Family, dazu natürlich einige Nummern der neuen Platte. Da fehlt nix, und auch Frankie Puopolo darf noch mal mit ans Mike. Special Mention an dieser Stelle an Vinnie Stigma, der sich auch auf seine älteren Tage auf ein Tänzchen im Publikum einlässt. Bei Gotta Go brechen natürlich alle Dämme, und Police State ist immer noch politisch geblieben. Macht schon Spaß, so ein Mittwoch im Posthof. Und wie eingangs erwähnt: Warum eigentlich nicht öfter?
Foto: Christoph Leeb